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FCZ vor St.-Gallen-SpielUnd da ist er, Massimo Rizzos erster Gefühlsausbruch

Eine Aussage von Servette-Coach Alain Geiger lässt den FCZ-Trainer überhaupt nicht kalt. Ansonsten gilt wie immer: Spiel für Spiel.

Massimo Rizzo lässt sich nicht alles gefallen.
Massimo Rizzo lässt sich nicht alles gefallen.
Ennio Leanza (Keystone)

Doch, doch, das war ein mittleres Aufwallen von Massimo Rizzo, dem gewöhnlich so ruhigen und bedachten Menschen. Ein Journalist stellte fest, dass Lausanne beim 4:0-Sieg nicht den besten Tag einzog, worauf der FCZ-Trainer zischend entgegnete: «Interessant.» Die Betonung auf dem Doppel-S. Wenn der FCZ einmal seine Aufgaben gemacht habe, folgerte Rizzo, werde das mit dem schlechten Auftritt des Gegners begründet. Rizzo war offenkundig nicht einverstanden. Ein wenig verständlich, denn der FCZ hatte gegen Lausanne schlicht tadellos gespielt.

Und weil Rizzo gerade daran war, sich etwas Luft zu verschaffen, kam es kurz darauf noch einmal zu einem «Interessant». Diesmal noch etwas zischender, fast schon giftig, ein Gefühlsausbruch! Rizzo hatte in den vergangenen Tagen ein Interview von Servettes Trainer Alain Geiger gelesen. Dieser sprach von einer «verfälschten Meisterschaft» (was Rizzo störte) und warf den FCZ-Spielern einen Hang zur Mimosenhaftigkeit vor (was Rizzo noch mehr störte). Die Zürcher würden leicht fallen und noch lauter rufen, was Geiger wie folgt zusammenfasste: «Die FCZ-Spieler schreien: Mama, Papa, Foul, Schiedsrichter!»

«Mannschaft der Stunde»

Rizzo fand die Vorwürfe «speziell» und den lamentierenden Geiger daneben. Er nuschelte schwer verständliche Dinge in seine Maske und musste dann im Zwiegespräch mit sich befunden haben, dass das nur in eine Sackgasse führen könne – Rizzo stoppte mitten im Satz. Der alte, besonnene Rizzo war wieder da. Jener, der von Spiel zu Spiel schaut, in diesem Fall: Mittwochabend, St. Gallen.

Der Trainer dort heisst Peter Zeidler, er ist gewöhnlich ein redseliger Gefährte, beim Thema FC Zürich wird er aber diplomatisch. «Mannschaft der Stunde» nennt er die Zürcher. Er möchte aber diesen Wandel nicht zu sehr am Trainer festmachen. «Dafür ist Ludovic Magnin viel zu gut.» Zeidler liest gerne Zeitungen aus Zürich und rezitiert, was er dort gelesen habe. Von Wild wie Magnin ging es zu Safety First wie Rizzo. «Der FCZ ist sicher nicht kleiner geworden. Aber: Wir sind der FC St. Gallen.»

Die St. Galler kommen gerade aus einer Quarantäne, seit Montag dürfen sie wieder Fussball spielen. Die Partie ist der Auftakt zu einer gedrängten Phase des FCZ. In den nächsten 14 Tagen muss er fünf Spiele absolvieren. Fachausdruck dafür: englische Wochen. Und bei englischen Wochen kommt gewöhnlich ein weiterer Fachbegriff dazu: rotieren. Das ist etwas, das Rizzo bisher noch nicht allzu viel gemacht hat. Seine Stammformationen sind Spiegel von der vorherigen, selbst im Spiel wechselt er nur kärglich.

Sieht englische Wochen auf sich zu kommen: Captain Yanick Brecher.
Sieht englische Wochen auf sich zu kommen: Captain Yanick Brecher.
Peter Schneider (Keystone)

Sein Captain Yanick Brecher hat nach der Partie gegen Lausanne gesagt, dass man wohl künftig eben rotieren müsse, um Verletzungen vorbeugen zu können. Die Krux ist: Rotation macht den Trainer stets etwas angreifbar. Beste Kräfte schonen heisst auch seine Mannschaft schwächen. Und trotzdem muss er der möglichen Blessuren wegen langfristig denken. Zum Beispiel ans Spiel vom Wochenende gegen Lugano, das nun am Sonntag und nicht am Samstag stattfindet. «Klassiker», ruft Rizzo auf, so zu denken, wäre eben ein Fehler. Von Spiel zu Spiel, weiterhin. Wird Rizzo trotzdem rotieren? Er schweigt.

Als sicher aber gilt, dass er seine Spieler in seine Gedanken mit einbezieht. Das hat sein Vorgänger Ludovic Magnin zuletzt kaum mehr gemacht. Rizzo aber tut das, fragt seine Fussballer, was sie von seinen Ideen hielten, ob sie damit einverstanden seien. Momentan darf man festhalten: Die Ideen sind gut, einerseits. Andererseits auch verständlich.