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Fliege platzt in TV-Debatte… und das Team Biden verkauft jetzt Fliegenklatschen

Ein kleines Insekt im Haar von Mike Pence wird zum Star des Vizeduells im US-Wahlkampf. Wie die Parteistrategen jetzt Profit daraus schlagen.

Fliege in meiner Wohnung? Nein, nur auf dem Kopf von Mike Pence.
Fliege in meiner Wohnung? Nein, nur auf dem Kopf von Mike Pence.
Foto: Twitter/djmbeltran 

Am Mittwochabend standen sich die beiden Anwärter auf das Vizepräsidentschaftsamt, die Demokratin Kamala Harris und der Republikaner Mike Pence, erstmals bei einer TV-Debatte gegenüber. Wichtige Themen kamen zur Sprache: der Klimawandel etwa, aber auch die Corona-Krise und der Handelskrieg mit China. Doch was das Internet am Tag danach wirklich interessierte, war nicht etwa der Schlagabtausch der Kandidaten
zu diesen Themen. Es war eine Fliege auf dem Kopf von Pence. Doch sehen Sie selbst:

Demokraten verkaufen Fliegenklatsche

Das Wahlkampfteam des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden erkannte seine Chance und reagierte unverzüglich. Innert kürzester Frist erwarb es die Domain flywillvote.com (zu Deutsch: Die Fliege wird wählen), welche auf die Website iwillvote.com (Ich werde wählen) von Biden weiterleitet. Überraschend schnell ging offenbar auch die Produktion einer Fliegenklatsche mit der Aufschrift «Truth over flies» (Wahrheit über Fliegen), welche neuerdings im Onlineshop des Teams angeboten wird, allerdings bereits ausverkauft ist.

Joe Biden liess es sich ebenfalls nicht nehmen und posierte mit Fliegenklatsche in der Hand für einen Spendenaufruf für seine Kampagne:

Die Fliege erobert Twitter – und ein Wörterbuch

Auf Twitter gehörten der Hashtag #flygate sowie «Flies» zu den meistgesuchten Begriffen. Das nutzten manche Nutzer und richteten eigene Twitter-Profile für das Insekt ein. Über hundert solche Accounts soll es bereits geben, meinte ein Nutzer. Manche haben bereits Zehntausende Follower, obwohl sie erst wenige Stunden alt sind.

Viele Twitter-Nutzer fragten sich, was es mit dieser Fliege auf sich hatte. Der schwarze Punkt da auf dem Haupt von Pence, er war real, keine Frage. Diese Frau musste sich aber wohl zuerst vergewissern, dass sich das Insekt nicht doch in ihrer eigenen Wohnung befand:

Doch wieso landete sie auf Pence – und blieb dort geschlagene zwei Minuten und drei Sekunden? Oder war es doch eine Wanze, platziert vom Deep-State? «Die illegale Spionage ist wirklich ausser Kontrolle geraten», scherzte der republikanische Senator Rand Paul.

Andere wiederum fragten sich, was denn Jeff Goldblum gestern Abend so die ganze Zeit getrieben hatte. Der Schauspieler spielte in der Hauptrolle des Horror-Films «The Fly» aus dem Jahre 1987 einen Wissenschaftler, welcher sich nach einem missglückten Experiment in eine Fliege verwandelte.

Jeff Goldblum als Fliegenmonster: Szene aus dem Horror-Film «The Fly».
Jeff Goldblum als Fliegenmonster: Szene aus dem Horror-Film «The Fly».
Foto: Film Publicity Archive/United Arch/Getty Images

Doch gehen wir einmal davon aus, dass es sich tatsächlich um eine normale Fliege gehandelt hatte. Aber was ist eine «normale Fliege» überhaupt? Offenbar war in der Nacht auf Donnerstag vielen nicht mehr ganz klar, um was für ein Wesen es sich dabei denn genau handelte. Wie das US-amerikanische Wörterbuch «Merriam-Webster» auf Twitter verkündete, gehöre der englische Begriff «Fly» derzeit zu den meistgesuchten – zum ersten Mal überhaupt.

Bei diesem grossen Interesse, mehr über diese Fliege – oder Fliegen im Allgemeinen – zu erfahren, wäre doch eigentlich ein Interview angezeigt. Und siehe da: CNN hat bereits Kontakt mit dem Star des gestrigen Abends aufgenommen. Seine Fliegen-Freunde dürfte es freuen.

Viele Wortspiele

Das englische Wort für Fliege, «Fly», bietet sich sehr gut für Wortspiele an. Und so sparten die US-Medien und Twitter-Nutzer auch nicht damit und liessen ihrer Fantasie freien Lauf. Hier einige Beispiele:

Aus «Black Lives Matter» wird «Black Flies Matter»:

In wenigen Wochen wird bereits der nächste US-Präsident gewählt. Die Wahlen vergingen wie im Flug, meinte die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Im englischen Satzkonstrukt für «wie im Flug vergehen» steckt auch das Wort «Fly».

Pence sei ziemlich «fly», also cool, für einen Weissen, titelte der «Guardian» scherzhaft.

Entscheidet eine Fliege die Wahlen?

Pence ist nicht der Erste, der vor laufender Kamera von einer Fliege belagert wird. Auch Barack Obama
hatte die Ehre. Er entledigte sich jedoch relativ rasch des Insekts:

Auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bekam während einer TV-Debatte aus dem Jahr 2016 Besuch von einer Fliege. Sie unterlag anschliessend ihrem Rivalen Donald Trump. Manche Twitter-Nutzer sehen die Fliege deshalb als Wahl-Orakel, das über den Verlierer oder die Verliererin entscheidet.

Die USA dürsten nach befreiender Komik

Wer die TV-Debatte gestern nun gewonnen hat, darüber stritten sich die Medien am Donnerstagmorgen.
Der konservative Sender Fox News sieht Pence als Gewinner, der liberale Nachrichtensender CNN wiederum Harris. Manche Twitter-Nutzer jedoch haben bereits einen anderen Gewinner:

Kandidieren kann die Fliege für den jetzigen Wahlgang zwar nicht mehr. In vier Jahren stehen jedoch bereits
die nächsten Wahlen an. Ein Twitter-Nutzer schlägt das Duo Kamala Harris und Fliege vor:

Dass eine Fliege innert einer Nacht zum Spektakel wird, ist durchaus überraschend. Vielleicht liegt es daran, dass sie über zwei Minuten unbemerkt auf dem Kopf von Pence ausharrte. Eventuell liegt es aber auch daran, dass viele US-Amerikaner etwas Abwechslung vom nervenaufreibenden Wahlkampf brauchen. Die Amerikaner suchten einen Helden – oder wenigstens nach befreiender Komik, meinte ein Twitter-Nutzer.

sho

4 Kommentare
    A. Kaufmann

    Erschreckend infantil, wenn man bedenkt, worum es eigentlich geht und das ist nicht der Vize.