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Versammlungsverbot in ZürichUnd was ist mit der Street Parade?

Veranstalter von Grossanlässen ziehen schon jetzt die Notbremse und sagen selbst Events im August ab. Dann soll auch die Street Parade die Massen anlocken. Wie die Organisatoren auf die Corona-Krise reagieren.

Unbeschwert auf der Strasse tanzen: Im Juli klärt sich, ob die Street Parade auch in Zeiten von Corona stattfinden kann.  (Foto: Keystone / Melanie Duchene)
Unbeschwert auf der Strasse tanzen: Im Juli klärt sich, ob die Street Parade auch in Zeiten von Corona stattfinden kann. (Foto: Keystone / Melanie Duchene)

Mehr als fünf Personen dürfen sich derzeit nicht gemeinsam in der Öffentlichkeit versammeln. Wer sich nicht an die Auflage des Bundes hält, wird mit einer Busse bestraft. Das Verbot gilt zwar offiziell nur bis zum 19. April 2020, Veranstalter rechnen aber schon jetzt damit, dass es auch nach diesem Datum Auflagen geben wird – zumindest was Grossanlässe anbelangt.

So haben Gölä und Trauffer gerade ihre beiden Konzerte, die in diesem August im Letzigrund hätten stattfinden sollen, um ein Jahr verschoben. Rund 50’000 Personen hätten pro Konzert im Stadion Platz gehabt. Das gesundheitliche Risiko für die Fans, sich dabei mit dem Coronavirus anzustecken, sei zu gross, lautet die Begründung für die Absage. Und es fühlt sich laut Göla «einfach nicht mehr richtig an, jetzt eine grosse Party vorzubereiten und durchzuführen».

Behörden entscheiden über Parade

Am 8. August dieses Jahres ist eine weitaus grössere Party in Zürich geplant: die Street Parade. Alljährlich kommen rund eine Million Menschen in die Stadt, um am Techno-Event teilzunehmen. Findet die Parade trotz Corona statt? «Ob die Street Parade 2020 vom Veranstaltungsverbot betroffen sein wird, wissen wir zurzeit nicht. Aus diesem Grund arbeiten wir mit Hochdruck an der Durchführung der Parade weiter», sagt Stefan Epli, Sprecher des Vereins Street Parade.

Eine Option wäre allenfalls die Verschiebung der Street Parade auf ein späteres Datum.

Stefan Epli, Sprecher Verein Street Parade

Man sei sich der aktuellen Lage zur Corona-Krise aber absolut bewusst. «Diese Unsicherheit hat natürlich Auswirkungen auf die Vorbereitung und Umsetzung des Mega-Events», sagt Epli weiter. Für die Organisatoren der Parade wäre deshalb auch die Verschiebung des Anlasses auf ein späteres Datum eine Option. «Aber wenn man den Zürcher Veranstaltungskalender im Herbst anschaut, sind die freien Wochenenden rar.»

Enge Verhältnisse: Die Street Parade 2019 zieht über die Quaibrücke in Zürich. (Foto: Keystone / Alexandra Wey)
Enge Verhältnisse: Die Street Parade 2019 zieht über die Quaibrücke in Zürich. (Foto: Keystone / Alexandra Wey)

Schlussendlich würden die Behörden entscheiden, ob sie für den Anlass eine Bewilligung erteilen oder nicht. Bei der Stadtpolizei war auf Anfrage nicht in Erfahrung zu bringen, ob das Thema Street Parade bereits auf dem Tapet ist. Die Veranstalter üben sich derweil in Geduld. «In den nächsten zwei bis drei Wochen dürfte sich herausstellen, wie dieser Festivalsommer verlaufen wird, dann wissen wir mehr», sagt Epli. «Wir erwarten spätestens Mitte Juli den Bescheid von den Behörden, ob wir die Street Parade durchführen können.»

Ein Ausfall wäre nicht das Ende der Parade

Natürlich hofft man beim Verein Street Parade, dass sich die Lage bald entspannt und der Anlass nicht abgesagt werden muss. Sollte sie in diesem Jahr aber ausfallen, würde dies laut Epli nicht das Ende der Street Parade bedeuten. «Wir sind organisatorisch gut genug abgestützt und arbeiten in einem erfahrenen Team, um sie auch im nächsten Jahr wieder durchführen zu können.»

Gerade junge Leute haben nach dem Shutdown sicher Nachholbedarf, wollen raus und unbeschwert auf den Strassen tanzen.

Stefan Epli, Sprecher Verein Street Parade

Die Kosten eines Ausfalls lassen sich derzeit nicht abschätzen. Das hänge davon ab, wann der Entscheid falle, ob die Parade stattfinden werde, sagt Epli. «Je nachdem, wie lange wir die Vorbereitungsarbeiten weiterführen oder bereits Bestellungen auslösen, steigen auch die laufenden Kosten. Problematisch sind die Ausfälle vor allem für unsere Lieferanten, bei denen wir die Infrastrukturen bestellen wie beispielsweise die Bühnen, Licht- und Soundanlagen.»

Optimismus ist trotzdem angesagt. So machen sich auch die Parade-Macher bereits Gedanken darüber, wie der Event in diesem Jahr wohl ausfallen würde. «Einige sagen, dass aus Angst vor Corona wohl nur halb so viele Menschen daran teilnehmen werden. Andere meinen, dass es nach dem Shutdown abgehen wird wie nie zuvor», sagt Epli. Gerade junge Leute hätten sicher Nachholbedarf. «Sie wollen raus und unbeschwert auf den Strassen tanzen.»

48 Kommentare
    Adriano Granello

    Zitat: "Alljährlich kommen rund eine Million Menschen in die Stadt, um am Techno-Event teilzunehmen". Seit dem traurigen Ende der LoveParade in Deutschland weiss man - und zwar direkt von deren Veranstaltern - dass die offiziell bekanntgegebenen Teilnehmerzahlen an solchen Technoveranstaltungen regelmässig um das Vielfache übertrieben werden. Besonders jetzt, da Menschenansammlungen gefährlich sind, sollten wenigstens die Medien aufhören, das Märchen von der angeblichen "1 Million Ravern" gebetsmühlenartig zu wiederholen. Übrigens wären in Coronazeiten auch die 'nur' rund 150'000 Teilnehmer zu viel, also für 2020 diese Party definiv absagen!