Zum Hauptinhalt springen

Mamablog: Singen, lesen und lamentierenUnd wie sieht ihr Einschlafritual aus?

Wenn Kinder nicht einschlafen können, strapaziert das die Nerven der ganzen Familie. Drei Eltern teilen ihre Rituale.

Singen oder Schäfchen zählen: Kinder lieben und brauchen Rituale.
Singen oder Schäfchen zählen: Kinder lieben und brauchen Rituale.
Foto: Getty Images

Es ist die letzte elterliche Pflicht des Tages und leider nicht die einfachste: den Nachwuchs ins Bett zu bringen. Der Zielzustand ist fix, lässt also keine Kompromisse zu. Und der Weg dahin darf nicht zu lang dauern, sonst wird es für alle Involvierten mühsam. Wie aber bringt man die Kleinen dazu, sich dem Schlaf hinzugeben? Vor diese Frage werden Eltern alle paar Monate aufs Neue gestellt. Die recht einhellige Antwort lautet: Rituale. Sie stiften Geborgenheit und Ruhe. Nur gibt es kein Patentrezept – und die Kinder entscheiden ein schönes Stück weit mit. Was passiert vor dem Lichterlöschen in Schweizer Kinderzimmern? Drei Eltern erzählen.

Noemi (34, zwei Töchter, 2.5 Jahre und 6 Monate)

Bei der Grossen wechseln wir uns ab. Wir haben das Ritual, dass wir ein Büchlein anschauen, Geschichten erfinden und mit ihr den Tag Revue passieren lassen. Dann ist Lichterlöschen, wir singen ein Lied, immer dasselbe: «Det äne am Bergli». Meistens schläft sie dann ein. Oft fragt sie beim Abendessen, wer sie ins Bett bringt. Heute ist es meist kein Thema mehr, wenn mein Mann an der Reihe ist. Das war früher anders, da hatte sie Phasen, wo ich es sein musste, sonst gab es ein Riesengeschrei. Ausser wenn ich ausser Haus war, dann hat es lustigerweise immer geklappt. Manchmal kippte früher auch die Stimmung beim Zähneputzen, wenn sie schon müde war. Darum erledigen wir das jetzt früh am Abend, das hat alles entspannt. Die Kleine bringe im Moment ich ins Bett. Ich stille sie, dabei schläft sie ein. Wenn beide gleichzeitig müde sind, habe ich auch schon beide gleichzeitig ins Bett gebracht. Sonst bin ich gefühlt drei Stunden damit beschäftigt.

Miguel (37, zwei Töchter, ein Sohn, 7, 2 und 4 Jahre)

Wir machen nichts Spezielles. Es ist einfach so der Dreiklang aus Pyjama anziehen, Zähneputzen und Liedchen singen. Dann variiert es auch etwas, je nach Kind und Phase. Unsere Grösste mussten wir am Anfang immer herumtragen. Der Kleinsten muss man die Hand geben, sonst schläft sie nicht ein. Der Mittlere hatte eine Phase, wo er unbedingt ein Glas Milch trinken musste, wenn er schon im Bett war. Ihm zu sagen, er soll das vorher machen, ging nicht. Er musste ins Bett, damit es ihm in den Sinn kam. Dann ist er aufgestanden, hat in der Küche seine Milch getrunken, kam zurück und schlief ein. Eine zeitlang musste man auch bei ihm sitzen, erst am Bett, später vor der Tür. Wir sollten da sein, aber nicht zu nah.

«Manchmal haben sie das Bedürfnis nach einer bestimmten Person, manchmal nach einem bestimmten Lied.»

Miguel

Die Kinder wählen selbst, wer sie ins Bett bringt. Manchmal haben sie das Bedürfnis nach einer bestimmten Person, manchmal nach einem bestimmten Lied. Ich versuche, meinen Kindern andere Lieder vorzusingen als meine Partnerin. Ein bisschen bin ich auch im Clinch mit dem Einschlafritual. Man macht das ja auch, damit man schnell seine Ruhe hat. Wenn die Kinder dann etwas hin und her machen, frage ich mich, ob sie nicht schlafen wollen oder ein Bedürfnis nach Nähe haben. Meistens merkt man es dann, wenn sie einen nur noch zutexten, um länger wach zu bleiben.

Mirjam, (34, zwei Töchter, 5 und 2 Jahre)

Pyjama-Anziehen und Zähneputzen ist bei uns um halb acht. Wir wechseln uns immer ab, einmal er, einmal ich. Der andere hat sozusagen frei. Dann gehen wir ins Zimmer, beide Kinder liegen ins Bett der Grösseren und wir erzählen ihnen eine Geschichte. Es ist immer dasselbe Buch, es geht um vier Tiere, die in einem Zoo zusammenleben. Die Geschichte geht drei Minuten. Dann sagen wir, dass wir einen schönen Tag hatten, sagen gute Nacht und die Kleine geht in ihr Bett. Wir lassen die Musikdose laufen, halten ihre Hand und warten bis beide eingeschlafen sind. Die Grössere schläft meistens schnell ein, die Kleine braucht etwas länger. Manchmal singe ich auch noch ein Lied, aber das stiftet eher Unruhe; die Grössere will dann diskutieren, was für ein Lied. Das Ritual haben wir in dieser Art seit etwas über einem halben Jahr. Seither funktioniert das. Vorher war das Problem, dass die beiden nicht zur selben Zeit schlafen wollten. Am schwierigsten fand ich es aber, als wir erst unsere ältere Tochter hatten. Die Hand hat ihr nicht gereicht, sie wollte Körperkontakt beim Einschlafen und ist wieder wach geworden, wenn man versucht hat, sich herauszuschleichen. Manchmal ging das eineinhalb Stunden so, manchmal bin ich selbst eingeschlafen. Als das zweite Kind da war, haben wir gesagt, wir sitzen jetzt erst zur Kleinen, dann kommen wir zu dir. Meistens war sie dann aber schon eingeschlafen.

«Die Tour beginnt als Katzen-Safari unter lauten Mioi-Mioi-Rufen, dann wirds ruhiger.»

Mirjam

Mein Eineinhalbjähriger, um das auch zu verraten, schläft derzeit nur ohne abendfüllendes Drama ein, wenn wir mit dem Kinderwagen nach draussen gehen. Am Anfang reichten ihm dafür ein paar Minuten, dazu ein Schoppen mit warmer Milch. Heute besteht er auf seine Standard-Runde durchs Quartier, die oft mein Partner übernimmt, der vor lauter Homeoffice froh ist um ein paar Minuten an der frischen Luft. Die Tour beginnt als Katzen-Safari unter lauten Mioi-Mioi-Rufen, dann wirds ruhiger. Der Kleine tauscht den Schoppen gegen den Schnuller und zurück, deutet auf Autos und Sterne. Einen Rest Milch spart er sich für den Schlussabschnitt durch den Park auf, mit der Schotterpiste, die so schön rüttelt am Wagen. Da schläft er meistens ein.

8 Kommentare
    Michaela Meier

    Das Zu-Bett-geh-Ritual geniesse ich auch sehr.

    Wir wechseln uns mit den Kindern ab. So hat jeder msl abwechslungsweise Mami und Papi.

    Lesen, Buch anschauen oder selbst lesen, kuscheln und schlafen.

    Manchmal wird noch massiert.

    Aber immer die gleiche Reihenfolge.

    Ist eine tolle Gelegenheit den Tag Revue passieren zu lassen, Neues zu erfahren und zu kuscheln.

    Untertags hat man meist wenig Zeit und Gelegenheit zu kuscheln.

    Vorallem mein Sohn kommt dann immer ins plaudern.