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Stadt Zürich ändert PersonalgesetzUniform anziehen gilt neu als Arbeitszeit, doch es gibt Kritik

Wenn sich Spitalangestellte und Rettungskräfte umziehen müssen, wird ihnen dafür künftig Zeit oder Geld gutgeschrieben. Letzteres führt zu Kritik.

Zählt das Anziehen der Arbeitskleidung auch zur Arbeitszeit? Die Stadt ändert ihr Reglement.
Zählt das Anziehen der Arbeitskleidung auch zur Arbeitszeit? Die Stadt ändert ihr Reglement.
Foto: Patrick Gutenberg

Die Stadt Zürich bezahlt ihren Angestellten künftig Geld oder schreibt die Zeit gut, wenn von ihnen erwartet wird, dass sie sich am Arbeitsort umkleiden. So müssen etwa Rettungssanitäterinnen, Kanalreiniger oder das städtische Pflegepersonal ihre Arbeitskleider anziehen, bevor sie ihren Dienst antreten. Bisher war es in der Stadt nicht einheitlich geregelt, ob dies als Arbeitszeit gilt.

Im Juli 2019 hat die Stadt Zürich eine Auslegeordnung vorgenommen (lesen Sie hier mehr dazu) und nun das Resultat präsentiert: Wer sich am Arbeitsort umziehen muss, dem wird entweder eine Zeitpauschale gut geschrieben oder eine Pauschale von 720 Franken pro Jahr ausbezahlt. Damit würden sich die Anstellungsbedingungen für alle Mitarbeitenden verbessern, schreibt der Stadtrat in einer Mitteilung.

Kritik an der Geldpauschale

Die Jahrespauschale sorgt bei der Gewerkschaft VPOD und beim Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer für Unmut. Diese sei «realitätsfremd, knausrig und ungenügend», schreibt der VPOD und rechnet vor: Bei 20 Schichten im Monat macht dies 3 Franken pro Dienst.

Die Stadt verteidigt sich, man habe sich an branchenüblichen Vereinbarungen orientiert. So würden öffentliche Spitäler in Bern oder Basel etwa Pauschalen von 50 bis 60 Franken pro Monat anrechnen, sagt der Sprecher des Finanzdepartements, Patrick Pons. Offenbar war die Regelung mit der Pauschalzahlung vor allem von den städtischen Spitälern angeregt worden. Diese befürchteten, mehr Personal einstellen zu müssen, wenn die Umkleidezeit an die Arbeitszeit angerechnet werden würde.

«Die Geldpauschale löst das Problem nicht», sagt VPOD-Regionalsekretär Duri Beer. Die Belastung auf dem Spitalpersonal bleibe damit hoch. Mit den 60 Franken pro Monat würde die Stadt lediglich ihr Gewissen beruhigen. Beer fordert nun von allen städtischen Dienstabteilungen, mit den Personalverbänden in Verhandlung zu treten und die neuen städtischen Regelungen gemeinsam umzusetzen.

Über Umsetzung entscheiden Dienstabteilungen

Ob man den Angestellten Geld bezahlen will oder die Umkleidezeit an die Arbeitszeit anrechnet, ist den einzelnen Dienstabteilungen selber überlassen. Die Stadt mache auch keine Vorgaben, wie viel Zeit man anrechnen soll, sagt Pons: «Ein Polizist braucht unter Umständen mehr Zeit, seine Dienstkleider anzuziehen, als etwa ein Gärtner.»

Definitiv umgesetzt wird die Entgeltung der Umkleidezeit per 1. Juli 2021 mit einer Änderung des Personalrechts. Für die erste Jahreshälfte wird den städtischen Mitarbeitenden dann rückwirkend eine Umkleidepauschale ausbezahlt. Für diese Neuregelung rechnet die Stadt Zürich mit Mehrkosten von einem tiefen zweistelligen Millionenbetrag.

SDA/zac

18 Kommentare
    Matthias von Arx

    Das die Umkleidezeit im Spital nun endlich bezahlt wird wurde höchste Zeit!

    Es ist nämlich klar gesetzlich geregelt, dass dies Arbeitszeit ist.