Uri und Tessin während Tunnel-Sanierung schlechter erreichbar
Egal, für welche Variante am Schluss der Entscheid fällt: Für die beiden Kantone am Gotthard wird sich die Situation verschlechtern. Eine Studie zeigt unter anderem, welche Seitentäler besonders leiden würden.

Bei allen drei Varianten für die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels wird sich die Erreichbarkeit der Kantone Uri und Tessin temporär verschlechtern. Dies geht aus einem aktuellen Bericht zu den regionalwirtschaftlichen Auswirkungen der Tunnelsanierung hervor.
Der Gotthard-Strassentunnel muss zwischen 2020 und 2025 umfassend erneuert werden. Der Bundesrat hatte Ende 2010 drei Sanierungsvarianten vorgestellt: Die Vollsperrung für zweieinhalb Jahre ohne Sommeröffnung (Kosten: 1,2 Milliarden Franken), die Vollsperrung für dreieinhalb Jahre mit Sommeröffnung (1,3 Milliarden Franken) sowie den Bau einer zweiten Tunnelröhre ohne Kapazitätserweiterung (2,7 Milliarden Franken).
Geringe Auswirkungen auf Gesamtwirtschaft
Auf Wunsch der ständerätlichen Verkehrskommission gab das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) den ergänzenden Bericht zu den regionalwirtschaftlichen Auswirkungen dieser drei Varianten in Auftrag, wie das Bundesamt für Strassen mitteilte.
Zwar würden alle drei Sanierungsvarianten die Erreichbarkeit der Kantone Tessin und Uri während der Sanierung verschlechtern und in gewissen Bereichen negative Auswirkungen mit sich bringen. Die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft der Kantone wären laut Bericht aber vergleichsweise gering.
Eine allfällige Sperrung des Tunnels wäre zeitlich begrenzt und planbar, heisst es weiter. Somit wäre es möglich, rechtzeitig ausreichende Verladekapazitäten für Personenwagen und den Schwerverkehr sowie Ausweichrouten zu schaffen. Bis zur Sanierung wird auch der neue Eisenbahntunnel zur Verfügung stehen.
Zweite Röhre: Beste Wertschöpfungsbilanz
Laut Bericht ist davon auszugehen, dass das Potenzial, das sich durch die Sanierung ergibt, die negativen Auswirkungen auf den Tourismus und die verladene Wirtschaft überwiegen wird.
In Zahlen heisst das: Bei einer Vollsperrung ohne Sommeröffnung werden die Verluste auf 128 bis 294 Millionen Franken beziffert, das Potenzial für die Wertschöpfung auf rund 585 Millionen Franken. Bei einer Vollsperrung mit Sommeröffnung wären die negativen Auswirkungen etwas weniger ausgeprägt, das Potenzial für die Wertschöpfung hingegen wäre etwas grösser.
Noch eine bessere Wertschöpfungsbilanz ergäbe sich laut Studie beim Bau einer zweiten Tunnelröhre. Das Potenzial läge bei 1,2 Milliarden Franken, die Verluste bei 19 bis 40 Millionen Franken. Ohne Einbussen ginge es aber auch bei dieser Variante nicht.
Von einer Vollsperrung besonders betroffen wäre der Tourismus in Locarno und in der Leventina sowie im Bedretto- und Bleniotal. Tankstellen und Raststätte müssten mit Umsatzeinbussen zwischen 4 und 7 Millionen Franken pro Jahr rechnen. Andermatt als Tourismusort wäre laut Bericht zwar wegen längerer Anreisezeit und zusätzlichem Verkehr etwas weniger attraktiv, würde aber nicht prinzipiell in Frage gestellt.
Lokale Unternehmen berücksichtigen
Entscheidend für die regionale Wertschöpfung wird die Frage sein, ob bei der Vergabe der Sanierungsarbeiten lokale Unternehmen berücksichtigt werden. Die Studie sieht bei den Urner und Tessiner Baufirmen «ein beträchtliches Potenzial». Viel hänge auch davon ab, wie leistungsfähig der Bahnverlad für Personenwagen, Cars und Lastwagen ausgestaltet wird, heisst es weiter.
Das Uvek wird diesen Bericht zu den regionalwirtschaftlichen Auswirkungen nun mit den Verkehrskommissionen der beiden Räte besprechen. Danach will das Uvek dem Bundesrat einen konkreten Vorschlag zum weiteren Vorgehen unterbreiten. Ziel ist, im Verlaufe des nächsten Jahres eine politische Entscheidung zu fällen.
SDA/miw
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