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An dieser Firma wird Donald Trump gemessen

Der neue Präsident versprach, bei einer Firma im Rustbelt 1400 Jobs zu retten. Nun zeigt sich: Die Aufgabe wird für ihn schwieriger, als er sich das vorgestellt hat.

Der Wahlkampfauftritt in Indianapolis war ein Spaziergang für Donald Trump. Kurz zuvor hatte Carrier, ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, angekündigt, seine Produktion nach Mexiko zu verlagern. Bis 2019 sollen 1400 Angestellte ihren Job verlieren. Ein Video zeigt, wie die Belegschaft empört in Buhrufe ausbricht, als ein Sprecher sie informiert.

Wütende Reaktion: Die Belegschaft von Carrier wird über die Firmenschliessung informiert. (Video: Youtube/Joe Brunner)

Und dann kam Trump und sagte Dinge wie: «Wenn ihr mich zum Präsidenten wählt, werde ich eure Jobs retten.» Oder: «Die Chefs werden mich anrufen und sagen, Mr. President, wir haben entschieden, in den USA zu bleiben.» Andernfalls werde er Zölle von 35 Prozent auf Klimaanlagen einführen, die Carrier aus Mexiko importiere. Die Zuhörer johlten und jubelten. Das war es, was sie hören wollten.

Nach seinem Auftritt in Indiana Anfang März erwähnte Trump Carrier immer und immer wieder in seinen Wahlkampfreden. Carrier, ein weltweit operierender Kältetechnik-Spezialist mit Sitz in Connecticut, wurde zum Symbol von Trumps Globalisierungskritik und seinem Versprechen: America first.

«Ich spreche hier nicht nur über Carrier, sondern auch über Nabisco, Ford und Hunderte andere Unternehmen»: Trump an einem Wahlkampfauftritt im April. (Video: Youtube/Ryan Williams)

Doch an diesem Versprechen wird Trump nun gemessen. Sollte Carrier wie angekündigt ins mexikanische Monterrey ziehen, hat er ein Problem. Die «New York Times» porträtierte Carrier-Angestellte, die Trump ihre Stimme gegeben haben und nun Taten erwarten: «Wenn er diesen Zoll nicht einführt, werde ich das nächste Mal nicht mehr gleich stimmen», lässt sich etwa Nicole Hargrove zitieren, die seit 15 Jahren bei Carrier arbeitet und nicht weiss, was sie tut, sollte ihr Job nach Mexiko verlagert werden.

Andere Jobs sind schlecht bezahlt

Der Bundesstaat Indiana gehört zum «Rostgürtel», jener Industrieregion im Nordosten der USA, die seit längerem gegen die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit ankämpft. Mit seinem Versprechen dürfte Trump so manchen langjährigen Carrier-Stahlarbeiter überzeugt haben, der um seinen Job bangt – wenngleich Indiana stets konservativer gewählt hat als nahegelegene Staaten wie etwa Wisconsin oder Michigan.

Sie machen die Firmenvisite zur Promoshow: Donald Trump (rechts) und sein künftiger Vize Mike Pence (2.v.r.) sprechen mit Mitarbeitern von Carrier in Indianapolis. (1. Dezember 2016)
Sie machen die Firmenvisite zur Promoshow: Donald Trump (rechts) und sein künftiger Vize Mike Pence (2.v.r.) sprechen mit Mitarbeitern von Carrier in Indianapolis. (1. Dezember 2016)
Evan Vucci, Keystone
Die Wut in der Belegschaft war gross: Demonstration gegen die Outsourcing-Pläne in Indianapolis. (29. April 2016)
Die Wut in der Belegschaft war gross: Demonstration gegen die Outsourcing-Pläne in Indianapolis. (29. April 2016)
Aaron P. Bernstein, Reuters
Er hatte in dieser Region viele Unterstützer: Der demokratische Präsidentschaftsanwärter Bernie Sanders (zweiter von links). (29. April 2016)
Er hatte in dieser Region viele Unterstützer: Der demokratische Präsidentschaftsanwärter Bernie Sanders (zweiter von links). (29. April 2016)
Joe Raedle, AFP
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Darrell Presley, ein Stahlarbeiter aus der Kleinstadt Crawfordsville, hat seine Stimme ebenfalls Donald Trump gegeben. 2008 habe er Barack Obama gewählt, doch der versprochene Wandel sei ausgeblieben, sagt er der «New York Times». «Ich glaube, die Amerikaner haben genug, und das war die letzte Chance.»

Allerdings hält Carrier an seinem Entscheid fest, wie das Unternehmen letzte Woche bekannt gab. Zwar ist die Produktionsstätte in Indiana rentabel – doch in Mexiko, wo die Löhne viel tiefer sind, locken höhere Profite. Bereits müssten sie sich bei der Arbeit von mexikanischen Ingenieuren über die Schulter blicken lassen, erzählen Angestellte der «New York Times». Sollten sie ihren Job verlieren, hätten sie zwar Chancen auf eine neue Stelle im wachsenden Gastgewerbe oder Gesundheitswesen – allerdings zu einem viel tieferen Lohn.

Wenig Hoffnung

Experten bezweifeln, dass es Trump gelingen wird, Unternehmen wie Carrier davon abzuhalten, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Denn Freihandelsabkommen wie Nafta, das die Märkte zwischen den USA und Mexiko öffnete und das Trump infrage stellt, seien nicht allein schuld dafür, dass Stellen wegfallen. Diesem Prozess liege mit der Technologisierung eine grössere Entwicklung zugrunde.

Auch andere Carrier-Angestellte glauben nicht an Trumps Versprechen. Das sei opportunistisch, sagte TJ Bray, seit 14 Jahren für Carrier tätig, vor einigen Monaten zu CNN: «Wie kannst du sagen, du seist gegen Freihandel, wenn du deine eigenen Dinge selbst in billigen Ländern produzieren lässt?»

Der Präsident der lokalen Gewerkschaft Steelworkers Local 1999, Chuck Jones, sieht die Sache ebenfalls nüchtern: «Das hört sich gut an, entspricht aber wahrscheinlich nicht der Realität.» Er glaubte damals, viele seiner Gewerkschaftskollegen würden «sich die Nase zuhalten» und für Clinton stimmen. Vielleicht haben am Ende doch mehr als erwartet für Trump entschieden.

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