Schuld ist Hillary, nicht das FBI

Hillary Clintons sorgloses Verhalten in der E-Mail-Affäre könnte für alle gefährlich werden.

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Es ist verständlich, dass Hillary Clinton wütend ist auf James Comey. Nachdem der FBI-Chef verkündete, seine Behörde ermittle erneut wegen Clintons sorglosem Umgang mit E-Mails, scheint der Sieg der demokratischen Anwärterin wieder gefährdet. Comey hat über ein laufendes Verfahren informiert, ohne bekannt zu geben, ob und in welchem Ausmass die aufgetauchten E-Mails strafrechtlich relevant sind. Und er hat gegen den Willen des Justizministeriums gehandelt. Hätte sich allerdings nach Clintons Wahlsieg herausgestellt, dass die neuen Erkenntnisse ein Beweis sind für kriminelle Handlungen und hätte Comey sie verschwiegen – er wäre zu Recht der fahrlässigen Vertuschung bezichtigt worden. Comey stand vor zwei Übeln, und er hat das kleinere gewählt. Partielle Transparenz ist besser als gar keine.

Hauptverantwortlich ist ohnehin nicht Comey, sondern es sind Hillary Clinton und ihre Vertraute Huma Abedin. Im vergangenen Sommer hat das FBI Clintons «extrem nachlässigen» Umgang mit amtlichen E-Mails kritisiert. Ähnliches lässt sich offensichtlich auch von Abedin behaupten. Sie hat Nachrichten auf einen Laptop gespeichert, zu dem auch ihr Gatte Anthony Weiner Zugang hatte. Nachdem sich die beiden trennten, ist das Gerät im Besitz des ehemaligen demokratischen Abgeordneten geblieben, gegen den wegen obszöner Nachrichten an eine Minderjährige ermittelt wird. Um das Mass an Peinlichkeit voll zu machen, hat Abedin gestern erklärt, sie habe keine Ahnung, wie die E-Mails überhaupt auf den Laptop gelangt seien.

Angesichts von Donald Trumps delirierenden Aussagen, angesichts seiner Lügen, Beleidigungen und hirnrissigen Versprechen ist es erstaunlich, dass Hillary Clinton in den Umfragen nicht viel deutlicher führt. Ein Grund sind Verhaltensweisen, wie sie sich bei ihr und ihrer Entourage in der E-Mail-Affäre gezeigt haben: eigenmächtiges Handeln. Nur so viel zugeben wie unbedingt notwendig. Späte Einsicht aus Opportunismus. Arroganz. Damit setzt Clinton nicht nur die USA, sondern die Welt der Gefahr aus, dass Trump doch noch ins Weisse Haus einzieht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.10.2016, 22:29 Uhr

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