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ProbefahrtVernünftiges Vergnügen

Renault bringt die Markenikone Twingo als reine Elektrovariante mit ausreichend Reichweite zu einem attraktiven Preis.

Logische Entscheidung: Der Elektroantrieb passt wunderbar zum charmanten Stadtfloh.
Logische Entscheidung: Der Elektroantrieb passt wunderbar zum charmanten Stadtfloh.
Foto: Renault
Immerhin knapp 190 Liter Gepäck passen in den Kofferraum des Winzlings – mit umgeklappten Sitzen sind es gar 980 Liter.
Immerhin knapp 190 Liter Gepäck passen in den Kofferraum des Winzlings – mit umgeklappten Sitzen sind es gar 980 Liter.
Bild: Renault
Im WLTP-Stadtzyklus schafft der Twingo Electric sogar eine Reichweite von 270 Kilometern.
Im WLTP-Stadtzyklus schafft der Twingo Electric sogar eine Reichweite von 270 Kilometern.
Bild: Renault
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Zu gross, zu schwer, zu teuer – zwar rollt nun die Welle der Akkuautos schier unaufhaltsam, doch rein elektrisch zu fahren, ist derzeit vorwiegend wohlsituierten Vielfahrern vorbehalten. Denn es sind vor allem üppige Crossover mit grossen, schweren Akkus, die auf der Electric Avenue den Ton angeben. Vernünftige und vor allem bezahlbare Kleinwagen dagegen sind noch eine Seltenheit an der Ladesäule. Renault hat das begriffen und führt zwischen dem Elektrobestseller Zoe und dem winzigen City-Stromer Twizy nun noch den elektrischen Twingo ein, der im Dezember ab 20’900 Franken an den Start geht.

«Der Twingo ist eine Markenikone für Renault», schwärmt Marketingdirektor Frédéric Clermont. 3,75 Millionen Stück seien seit der Lancierung 1992 verkauft worden, da liege es nahe, dass er nun mit Elektromotor auf den Markt kommt. «Die dritte Generation des Twingo wurde von Anfang an so konzipiert, dass auch ein Elektroantrieb integriert werden kann», präzisiert Produktmanagerin Laure Grégoire. Wie bei den Versionen mit Verbrenner sitzt der E-Motor im Heck, unter der kurzen Fronthaube ist das Kühlsystem untergebracht, die Batterie sitzt in der Fahrzeugmitte. Mit einer Kapazität von 22 Kilowattstunden ist sie vergleichsweise klein gewählt, aber: «Die Europäer fahren im Schnitt 30 Kilometer am Tag – da ist eine Reichweite von 190 Kilometern absolut ausreichend.» Wer die Eco-Taste drückt, braucht zwar ein wenig mehr Geduld beim Beschleunigen, kann den Aktionsradius aber auf 225 Kilometer ausweiten.

Autoscooter-Feeling

Selbst wer bis dato kein Fan der elektrischen Fahrt war, wird sie im Twingo zu schätzen lernen. Denn der winzige Wendekreis des charmanten Franzosen ist mit seinen nicht einmal neun Metern einfach ein Genuss und weckt Erinnerungen an die letzte Fahrt mit dem Autoscooter. In der Stadt ist der Stromer mit einem Sprintwert von 4,2 Sekunden auf Tempo 50 ganz gut aufgestellt, die Strassenlage profitiert vom niedrigeren Schwerpunkt, und dem nervigen Schnattern des 3-Zylinder-Benzinmotors weint nun wirklich keiner nach. Viel Kofferraum hat man beim Twingo noch nie erwartet, sodass knapp 190 Liter fast schon eine angenehme Überraschung sind.

Nur beim Laden hat Renault den Sparkurs eingeschlagen und auf Gleichstromtechnik verzichtet. «Das wäre zu teuer geworden für diesen City-Car», wiegelt Marketingdirektor Clermont ab. «Ausserdem erwarten wir, dass die Kosten für Gleichstrom an den Ladesäulen bald explodieren werden.» Doch zumindest den Wechselstrom reizen die Franzosen voll aus: Der Twingo lädt mit bis zu 400 Volt und 22 kW und saugt so binnen 30 Minuten den Strom für 80 Kilometer aus der Ladesäule – nach einer Stunde zeigt der Ladestand 80 Prozent. Und immerhin ist die Lade-Elektronik so gestrickt, dass der Twingo damit trotzdem 75 Prozent aller öffentlichen Gleichstromsäulen nutzen kann.

Bald kommt der E-Dacia

Der kleine Charmeur kommt zwar reichlich spät – das technisch baugleiche Schwestermodell Smart Forfour wurde vom ersten Tag an mit Akkuantrieb ausgeliefert. «Das war eine Frage der Prioritäten», erklärt Clermont. «Der neue Zoe hatte Vorrang, auch was die Investitionen betrifft.» Natürlich hätte man den Antriebsstrang des elektrischen Smart im Twingo verbauen können. «Dann wären wir zwar früher auf dem Markt gewesen, doch wir wollten unsere eigene Technologie verwenden – sie ist ausgereifter und ermöglicht eine grössere Reichweite.» So kommt im Twingo der leicht abgeänderte E-Motor des Zoe zum Einsatz, allerdings mit einer kleineren Batterie.

Preislich ist der Twingo Electric ab 20’900 Franken attraktiv platziert. Doch die Franzosen wissen offenbar, dass sie damit noch nicht alle erreichen können. Deshalb drehen sie bald noch einmal an der Preisschraube und hängen mit dem Mini-SUV Spring den ersten Dacia ans Ladekabel. Der ist zwar nicht ganz so chic wie der Twingo und hat etwas weniger Reichweite und Ausstattung, kostet dafür aber deutlich weniger und dürfte so zum billigsten Elektroauto am Markt werden.