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Interview mit PsychologinVerzeihen ist gut für die Gesundheit

Verena Kast erklärt, was bei tief sitzenden Verletzungen hilft. Und warum man es manchmal einfach gut sein lassen sollte.

Wer verzeiht, hilft nicht nur der Beziehung, sondern auch sich selbst: Ein Mann bittet seine Freundin um Vergebung.
Wer verzeiht, hilft nicht nur der Beziehung, sondern auch sich selbst: Ein Mann bittet seine Freundin um Vergebung.
Foto: Getty Images

Frau Kast, welchem Menschen haben Sie zuletzt etwas verziehen?

Einer Freundin, als sie mir erzählt hat, dass ich ganz unverschämt zu ihr gewesen sei. Ich konnte das nicht nachvollziehen, aber ich habe es dann einfach gut sein lassen. Ich habe mir gedacht: Das hat sie halt so erlebt. Müssen Sie wirklich mit dieser persönlichen Betroffenheit anfangen? Das mag ich überhaupt nicht.

Dann verzeihen Sie uns diese Frage bitte. Verzeihen ist doch etwas Alltägliches, oder?

Man muss einen Unterschied machen, ob man Ungeheuerliches oder Alltägliches verzeihen muss. Das alltägliche Verzeihen zeigt, dass wir miteinander Konflikte haben, zu denen in der Regel immer beide etwas beitragen. Und dass man darüber nicht verbittert werden muss, sondern dass man damit umgehen kann. Ungeheuerliches hingegen kann man auch stehen lassen. Ich hatte immer wieder Patienten, die sexuell missbraucht worden sind von sehr nahen Beziehungspersonen. Ich finde, das muss man nicht so schnell verzeihen. Aber es gibt natürlich trotzdem auch einen Moment, wo man, wenn man nicht verzeiht, ein Opfer bleibt.

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