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SVP-Stadträtin unter BeschussVetterliwirtschafts-Vorwürfe gegen Dübendorfer Sozialvorsteherin

Nach den Missständen auf dem Sozialamt Dübendorf gerät Jacqueline Hofer aufgrund einer Auftragsvergabe erneut in die Kritik. Die Sozialbehörde nimmt sie in Schutz.

Ist in der Firma ihrer Schwester zeichnungsberechtigt: Jacqueline Hofer.
Ist in der Firma ihrer Schwester zeichnungsberechtigt: Jacqueline Hofer.
Archivbild

Vor zwei Wochen machte der «Tages-Anzeiger» Missstände auf dem Sozialamt Dübendorf publik. Es ging um Sozialhilfebezüger, die einen schikanösen Umgang beklagten, und um Mitarbeitende, die gleich reihenweise gekündigt haben (hier geht es zur Recherche). Nun steht Sozialvorsteherin und SVP-Kantonsrätin Jacqueline Hofer erneut in der Kritik. Diesmal geht es direkt um ihre Person respektive um den Verdacht, Hofer könnte durch eine Auftragsvergabe finanziell profitiert haben.

Gemeinderat Julian Croci (Grüne) stellte Mitte Juli dem Dübendorfer Stadtrat eine entsprechende Anfrage. Darin beanstandete er, dass die Sozialbehörde unter Hofers Leitung dem Dübendorfer Grafikbüro Typo Graphic Composing (TGC) mehrere Aufträge erteilt hat. Dies, obwohl es sich bei der begünstigten Unternehmerin um die Schwester von Hofer handelt. Zudem agiert die Stadträtin als Zeichnungsberechtigte des Einzelunternehmens ihrer Schwester, wie der Handelsregistereintrag zeigt.

Die Antwort des Stadtrats, die durch die Sozialbehörde formuliert wurde, liegt nun vor. Dies berichtete der «Zürcher Oberländer» am Mittwoch. Im Fokus stehen mehrere Grafikaufträge für das Alterszentrum Dübendorf, das der Sozialbehörde untersteht. Gemäss der Zeitung hat das Grafikbüro TGC seit Hofers Amtsantritt im Juli 2018 insgesamt 21000 Franken durch die Aufträge verdient.

In Ausstand getreten

Die Sozialbehörde nimmt Hofer in Schutz. Sie sei weder rechtlich noch wirtschaftlich am Unternehmen beteiligt, noch habe sie Lohn und sonstige finanzielle Leistungen durch diese bezogen. Hofers Einzelunterschrift im Handelsregister begründet die Sozialbehörde wie folgt: «Die Unterschrift hat sie nur für den Fall, dass ihrer Schwester etwas geschehen und sie nicht mehr handlungsfähig sein sollte.» Zudem sei Hofer während der Abstimmung über die Auftragsvergabe in den Ausstand getreten. Und vor der Abstimmung habe sie die Sozialbehörde darüber aufgeklärt, dass es sich bei TGC um die Firma ihrer Schwester handle.

Gemäss dem «Zürcher Oberländer» fühlen sich Mitbewerber betrogen. Ein Grafiker sagt, er habe zunächst mündlich den Zuschlag für einen Auftrag bekommen, den später TGC erhielt. Er behält sich den Rechtsweg vor. Gemeinderat Croci, der die Anfrage eingereicht hat, ist unzufrieden mit der Antwort. Die Vergabepraxis der Sozialbehörde sei «moralisch fragwürdig», zitiert ihn der «Zürcher Oberländer»: «Der Wirtschaftsraum Dübendorf/Glatttal/Zürich ist genug gross, dass man genügend unabhängige Bewerber findet. Warum hat man sich trotzdem für die Firma von Hofers Schwester entschieden?»

Fragwürdiger Flyer

Croci verweist auf einen SVP-Wahlflyer für Hofer aus dem Jahr 2017. Auf diesem schrieb die Partei über die Stadtratskandidatin: «Sie ist langjähriges Geschäftsleitungsmitglied der Werbeagentur Typo Graphic Composing, die sie zusammen mit der Geschäftsinhaberin Karin Kuster aufgebaut hat.» Dazu meint der grüne Gemeinderat: «Da frage ich mich, ob Jacqueline Hofer wirklich keinen Lohn von der Firma bezieht und unbefangen ist, wie es die Sozialbehörde schreibt.»