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Folge der PandemieViele Arbeitslose dürften länger keine Stelle finden

Auch ohne Massenentlassungen droht der Schweiz eine strukturelle Arbeitslosigkeit. Laut Experten könnte der Anteil der Langzeitarbeitslosen bis im Sommer 2021 auf 40 Prozent steigen.

Gemäss Seco sind die Handwerksberufe am stärksten von der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
Gemäss Seco sind die Handwerksberufe am stärksten von der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
Foto: Christian Beutler (Keystone)

Schlechte Nachricht für Arbeitsuchende: Wegen des Coronavirus sinkt der Bedarf an neuen Mitarbeitenden, und es wird immer schwieriger, einen Job zu finden – speziell in den Handwerksberufen steigt die Langzeitarbeitslosigkeit.

Die neusten Arbeitslosenzahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Juli im Vergleich zum Vormonat um 8,6 Prozent zugenommen hat. Diese Entwicklung ist laut Experten nur der Anfang. Die Prognosen des Arbeitsmarktexperten Georg Sheldon von der Universität Basel zeigen, dass der Anteil der Langzeitarbeitslosen am Total der Arbeitslosen von derzeit 15 Prozent bis im Sommer 2021 auf 40 Prozent steigen könnte.

Sheldon beurteilt diese Entwicklung kritisch: «Langzeitarbeitslose sind schwer zu vermitteln, sei es, weil anhaltende Arbeitslosigkeit potenziellen Arbeitgebern ernsthafte Defizite signalisiert, oder sei es, weil durch fortgesetzte Arbeitslosigkeit Qualifikationen verloren gehen.» Eine Arbeitslosigkeit, die konjunkturell begann, könne sich dadurch in eine strukturelle Arbeitslosigkeit verwandeln.

Es zeigt sich bereits jetzt, dass von Juni bis Juli die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit auf acht Monate zugenommen hat. Gleichzeitig hat das Risiko, arbeitslos zu werden, im Vergleich zum Vormonat abgenommen. Für Arbeitnehmer ist es derzeit also schwieriger, eine Stelle zu finden, als eine zu behalten.

Für die Schweiz hätte diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen, denn Länder mit einer hohen Langzeitarbeitslosigkeit weisen oftmals auch eine hohe Sockelarbeitslosigkeit auf. Angenommen, dass sich die Vermittlungsquote im kommenden Jahr nicht verbessert, wird dies gemäss Sheldon bedeuten, dass sich die Arbeitslosigkeit verhärtet. Auch wenn sich die Wirtschaft erholt, wird es dann für viele langfristig kaum Hoffnung auf eine Anstellung geben.

31 Kommentare
    Kurt Leutenegger

    In der Tat ein Job in der gleichen Arbeitstätigkeit und gleichem Lohn zu finden wird immer problematischer. Viele einfache Arbeitsstellen werden ins Lohnmässig wesentlich günstigere Ausland ausgelagert und die Digitalisierung/Roboterisierung in unserem Land killt auch bis anhin angesehene Berufszweige.

    Wer Augen offen hat, sieht wie es in der Fahrzeugproduktion und Werkstätten zugeht. Auch bei Grossverteilern sind die Veränderungen deutlich spührbar.

    Der ganze Verkauf von der Bekleidung bis zum Auto geht in die Richtung Digitalisierung. Angestellte bleiben ohne Umschulung auf der Strecke.

    Beispiel von unserem Zahntechniker, er muss sich auf eigene Kosten umschulen.

    Zahnkronen, das Gerüst wurde in Schweden digital bestellt/gefertigt danach hat der Zahntechniker den Zahnersatz nach dem Abdruck fertigstellt. Das dauerte ca. 1 Woche bis der Zahnarzt (nachdem Zahnprovisorium) die fertige Krone einsetzte.

    Heute werden Zähne 3dimensional gescannt, die Daten der Fräsmaschine übermittelt die Zähne in 30 Minuten und dies 24 Std./Tag herstellt.

    Am gleichen Tag ist der Zahn wieder drin, es braucht kein Provisorium mehr.

    Der Zahntechniker ist wie viele andere Berufe auch ein Auslaufmodel.

    Die in die Zukunft zu denkende Politik hat es versäumt, Alternativen zu schaffen um gerade gut ausgebildete Berufsleute umzuschulen.

    Der Witz an der ganzen Sache ist zudem dass RAV Bezüger sich nicht weiterbilden dürfen, denn sie müssen, obwohl keine Jobchancen bestehen, verfügbar sein.