Zum Hauptinhalt springen

Geldblog: Vielversprechende Telekom-AktienVodafone oder Swisscom?

Papiere von Telekomunternehmen sind derzeit gefragt. Unser Geldberater sagt, womit Aktionäre rechnen dürfen.

Bodenständig und solide: Die Swisscom bleibt auch weiterhin eine verlässliche Dividendenperle.
Bodenständig und solide: Die Swisscom bleibt auch weiterhin eine verlässliche Dividendenperle.
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Ich habe Aktien von Vodafone, die gut rentieren. Mir ist unklar, ob ich die Dividenden weiterhin reinvestieren soll. Ein flüchtiger Blick auf die Kennzahlen zeigt mir, dass das Riesenunternehmen in den letzten drei Jahren die Dividende nicht zu erarbeiten vermochte. Die Gesamtverbindlichkeiten und Bilanzsumme haben sich erhöht und das Eigenkapital ist auf längere Sicht geschrumpft. Darf ich nach Ihrer Ansicht fragen, weshalb diese Papiere nach wie vor von vielen Analysten zum Kauf empfohlen werden? Leserfrage von J.T.

Telekomunternehmen aus Europa standen im letzten Jahr nicht gerade in der Gunst der meisten Investoren. Das bekam nicht nur die britische Vodafone, sondern auch in der Schweiz die Swisscom zu spüren. Seit Jahresbeginn sind die Telekom-Aktien wieder stärker in den Fokus der Anleger gerückt und haben etwas aufgeholt. Eigentlich sind die Telekomkonzerne Profiteure der Coronakrise: Der vermehrte Trend zu Home Office aufgrund der Lockdowns in den meisten Ländern Europas beschert ihnen mehr Nachfrage. Die Covid-19-Pandemie ist aber ebenso dafür verantwortlich, dass die Einnahmen in anderen Geschäftsbereichen deutlich weniger sprudeln. Gut sichtbar ist dies beim britischen Telekomkonzern Vodafone, von dem Sie Aktien halten.

Eine starke Nachfrage im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland hat der Vodafone ein besseres Quartal gebracht als erwartet. Der bedeutende Konzern-Serviceumsatz legte im dritten Geschäftsquartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus eigener Kraft um 0,4 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro zu, was deutlich mehr war als die Analysten erwartet hatten. Damit haben Sie schon eine Antwort auf Ihre Frage, warum viele Analysten Vodafone positiv einstufen. Die Cornakrise hat bei Vodafone ein Rekord-Internetvolumen ausgelöst. Kein Wunder: Während der Lockdowns nutzen viele Konsumenten ihre Smartphones und Computer noch weit intensiver als sonst. Dank der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung einen weiteren Schub erlebt. Auch die Nachfrage nach Hardware wie Laptops, Smartphones und Tablets hat weiter angezogen.

Insbesondere für stark international tätige Telekomkonzerne wie Vodafone wirkt sich der Einbruch der Reisetätigkeit wegen der Pandemie negativ aus.

Allerdings gibt es auch negative Einflüsse – insbesondere für stark international tätige Telekomkonzerne wie Vodafone. Hier wirkt sich der Einbruch der Reisetätigkeit wegen der Pandemie negativ aus. So fehlten etwa bei Vodafone in Italien lukrative Roaming-Einnahmen, die üblicherweise durch Touristen realisiert werden. Der Konzernumsatz reduzierte sich in den drei Monaten bis Ende Dezember organisch um 0,3 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. Berücksichtigt man weitere Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen und Wechselkursschwankungen betrug der Umsatzrückgang sogar fast 5 Prozent. Vor diesem Hintergrund teile ich Ihre Bedenken, da der internationale Reiseverkehr wohl noch einige Zeit beeinträchtigt bleibt und die Roaming-Einnahmen kaum stark zunehmen. Ich würde die Dividende nicht reinvestieren.

Immerhin hat das Management diese für das gesamte Geschäftsjahr, das bei Vodafone noch bis Ende März geht, bestätigt und stellt weiter einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 14,4 bis 14,6 Milliarden Euro in Aussicht. Positiv ist zudem, dass Vodafone ihre europäischen Funkturmsparte Vantage Towers in Kürze an die Börse bringt. Die Funkturm-Sparte plant, bis zu eine Milliarde Euro für weiteres Wachstum zu investieren. Auch dies ist mit ein Grund, dass Vodafone von einigen Analysten favorisiert wird – ebenso wie die hohe Dividendenrendite. Vodafone bringt sogar noch mehr Dividende als die Schweizer Swisscom, die hierzulande zu den Dividendenperlen zählt. Derzeit käme Vodafone auf eine Dividendenrendite von über 5 Prozent. Bei der Swisscom sind es aber ebenfalls fast 5 Prozent.

Im Vergleich stufe ich die gegenüber der Vodafone weit kleinere Swisscom aber als finanziell robuster aufgestellt ein und würde deren Aktien bevorzugen, zumal man als Schweizer Anleger mit Vodafone anders als bei der Swisscom zusätzlich einem Währungsrisiko ausgesetzt ist. Swisscom ist im Vergleich zur mächtigen und deutlich internationaler aufgestellten Vodafone vielleicht etwas langweilig. Dafür ist sie sehr solide und aus meiner Sicht eine verlässliche Dividendenperle.

1 Kommentar
    Martin Berger

    Ich würde beim britischen Pfund von einer Chance sprechen, nicht von einem Risiko...