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Kolumne von Julia WeberVom Versuch, die anderen zu verstehen

Die Kioskfrau erzählt unserer Kolumnistin von einem Mann, der die #MeToo-Bewegung übertrieben findet. Doch verurteilen will sie ihn dafür nicht.

Die Kioskfrau steht hinter der Plexiglasscheibe, ihr Haar ist aufgetürmt, eine Frisur wie Meringue, denke ich, und ein Geruch von Butter und Salbei kommt mir entgegen, weil sie das Fenster öffnet. Sie zieht eine funkelnde Maske auf, singt ein weiches Lied für mich.

Ein trauriges, italienisches Lied, sagt sie, sie verstehe die Worte nicht, aber sie verstehe die Melodie, und die gehe in ihr Herz hinein, liege dort weich und schwer wie eine schlafende Kuh. Es sei ihr wieder einmal bewusst geworden, wie sehr wir mit der Sprache uns zu verstehen versuchten und wie gross doch die Unmöglichkeit bleibe, zu wissen, wie es sei, ein anderer zu sein. Und auch sei ihr aufgefallen, wie faul gewisse Menschen blieben, wie wenig Energie sie einsetzten, andere zu verstehen oder wenigstens zu tolerieren.

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