Ein Polit-Ehepaar im Nationalrat

Angst vor Interessenkonflikten? Min Li Marti und Balthasar Glättli haben im Frühling geheiratet.

Balthasar Glättli und Min Li Marti haben im Frühling geheiratet.

Balthasar Glättli und Min Li Marti haben im Frühling geheiratet. Bild: Nicola Pitaro

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Mit der neu gewählten Min Li Marti und dem Bisherigen Balthasar Glättli wird im Nationalrat ein rot-grünes Ehepaar Einsitz nehmen. Keine Angst vor Interessenkonflikten? Unabhängig voneinander kommt von beiden die gleiche Antwort: «Nein!» Man habe jahrelang gemeinsam im Zürcher Gemeinderat politisiert. Sie als SP-Fraktionschefin, er bis zu seiner Wahl nach Bern 2011 als Grüner Ge­meinderat und Kantonalpräsident. Der 43-jährige Glättli betont, dass die Roten und Grünen meistens am gleichen Strick zögen, und die 41-jährige Marti doppelt nach, dass sie politisch nicht Welten ­auseinanderlägen.

Glättli und Marti sind seit 2005 ein Paar, in diesem Frühjahr haben sie geheiratet. Wie sie ein Paar geworden sind, hat der «Tages-Anzeiger» vor vier Jahren unter dem Titel «Ein farbiges Zweiparteiensystem» schon einmal beschrieben. «Weil ich eine Wette verloren hatte, musste ich bei mir daheim für Min Li und Mauro Tuena einen Znacht kochen», erzählte Glättli. «Ich war derart nervös, dass das Essen völlig misslang. Das war übel, weil ich befürchtete, Min Li würde sicher bald das Weite suchen. Doch sie blieb, und als Mauro endlich gegangen war, hat es dann erstmals richtig gefunkt.» Die beiden wohnen an der Hönggerstrasse in Wipkingen.

Marti hat dieses Jahr die Leitung der linken Wochenzeitung «P. S.» übernommen, als Verlegerin und Chefredaktorin in Personalunion. Sie wird diesen Job als Nationalrätin weiterführen, auch wenn es während der Sessionen Engpässe ­geben werde. Glättli ist mehrheitlich ­Berufspolitiker. Der Internetspezialist hat zwar noch einige Beratungsaufträge mit seiner Einzelfirma «Politbüro Kampagnen & Webdesign», die Tätigkeit als Fraktionschef der Grünen im Bundeshaus und die Mitwirkung in den vielen Kommissionen seien aber die Haupt­beschäftigung, sagt Glättli.

Thematisch offen

In Bern hat sich Glättli in den vergangenen vier Jahren in den drei Bereichen Asylpolitik/Migration, Netzpolitik und Mieterschutz engagiert. Marti hat sich als Fraktionschefin in Zürich vor allem als Allrounderin gesehen. Sie hat sich noch keine grossen Gedanken gemacht, in welche Themen sie sich in Bern hineinknien wird. «Als Neugewählte muss man hintenanstehen und den Kommissionssitz nehmen, der einem zugewiesen wird.» Sie freue sich auf die neue Aufgabe, spannend seien die kommenden Bundesratswahlen. Sie habe aber auch Respekt vor dem Amt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.10.2015, 07:43 Uhr

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