Das sind die Abgewählten

Im Nationalrat hat FDP-Präsident Fulvio Pelli die Wiederwahl äusserst knapp geschafft. Etwa 20 Bisherige hatten weniger Glück. Zu den Abgewählten gehören auch profilierte Parlamentarier wie Jo Lang.

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Das wäre das spektakulärste Resultat der Eidgenössischen Wahlen 2011 gewesen: Die Abwahl von FDP-Präsident Fulvio Pelli. Nach den ersten Hochrechnungen des Tessiner Fernsehens musste der 60-Jährige mit dem Ende seiner Nationalratskarriere rechnen. Im Laufe des Tages holte Pelli aber auf. Und am Schluss schaffte er knapp die Wiederwahl – um nur gerade 54 Stimmen. Die Tessiner FDP muss aber den Verlust eines ihrer drei Sitze in Kauf nehmen. Wie Pelli am späten Nachmittag im Schweizer Fernsehen sagte, bleibt er FDP-Präsident bis zum Ende seiner Amtsperiode im nächsten Frühling. Er sagte dies zu einem Zeitpunkt, als ihm die Abwahl drohte.

Im Kanton Genf verliert gemäss der dritten Hochrechnung des Schweizer Fernsehens die FDP einen ihrer drei Sitze. Lange hatte es danach ausgesehen, dass die SP und die Grünen je einen Sitz verlieren würden. Damit hätte es auch Ueli Leuenberger, den Parteipräsidenten der Grünen Schweiz treffen können. Die Genfer Grünen dürften jedoch ihre zwei, die SP ihre drei Sitze behalten. Im Kanton Basel-Stadt musste die Grüne Anita Lachenmeier nach vier Jahren ihren Nationalratssitz an die CVP abgeben.

Abwahl von Jo Lang – «ein herber Verlust»

Ein prominenter Verlierer ist auch der Grün-Alternative Jo Lang, der bei den Nationalratswahlen im Kanton Zug seinen Sitz verloren hat. Das Mandat des 57-jährigen Linkspolitikers geht an Bruno Pezzatti von der FDP. Der Historiker und Armeekritiker gehörte seit 2003 der Grossen Kammer in Bern an. Langs Nicht-Wiederwahl ist für den Präsidenten der Grünen Partei Schweiz, Ueli Leuenberger, «ein herber Verlust». Die progressive Bewegung in der Schweiz verliere eine wichtige Figur. Gegen Lang sei im Kanton Zug eine «heftige Kampagne» gefahren worden. Im Kanton Zug gelang von den drei Bisherigen nur Gerhard Pfister (CVP) die Wiederwahl. Neben Lang wurde auch der langjährige SVP-Nationalrat Marcel Scherer abgewählt. Scherer verlor sein Mandat an Parteikollege Thomas Aeschi. Im Kanton Baselland verdrängte innerhalb der SVP der Neuangetretene Thomas de Courten den Bisherigen Christian Miesch.

Im Kanton Zürich liegen die provisorischen Schlussergebnisse vor. Demnach haben die langjährigen SVP-Nationalräte Ernst Schibli und Ulrich Schlüer die Wiederwahl nicht geschafft. Auch die beiden Grünen Marlise Bänziger und Katharina Prelicz-Huber wurden abgewählt. Bei der Zürcher CVP verlor Urs Hany seinen Sitz. Und im Kanton Aargau wurde CVP-Nationalrätin Esther Egger nicht wiedergewählt.

Schluss bereits nach vier Jahren

An diesem Wahlwochenende war Christoph von Rotz der erste Politiker, der die Wiederwahl nicht geschafft hat. Der SVP-Politiker aus dem Kanton Obwalden war nur gerade vier Jahre Mitglied des Nationalrats. Der Obwaldner Nationalratssitz geht an den christlichsozialen Karl Vogler.

Einen weiteren Sitzverlust für die SVP gab es im Kanton Jura, wo der Bisherige Dominique Baettig abgewählt wurde. Der SVP-Nationalratssitz geht neu an Jean-Paul Gschwind von der CVP. Baettig kam lediglich auf den fünften Platz. Er war vor vier Jahren dank einer Listenverbindung mit der FDP unerwartet gewählt worden.

Nach nur vier Jahren in Bern ist auch der Bündner FDP-Nationalrat Tarzisius Caviezel abgewählt worden. Unternehmer Caviezel, der auch Präsident des HC Davos ist, erging es wie vor vier Jahren seinem Vorgänger, dem Bündner Gewerbeverbandsdirektor Jürg Michel (FDP), der ebenfalls nur eine Legislaturperiode in Bern politisieren durfte. Jetzt ist der Freisinn des Kantons Graubünden erstmals seit Einführung der Proporzwahl im Jahre 1919 nicht mehr in der Grossen Kammer vertreten.

Grüne Bundesratskandidatin abgewählt

Abgewählt wurde im Kanton Freiburg die CSP-Nationalrätin Marie-Thérèse Weber-Gobet, die in der vergangenen Legislatur für Hugo Fasel nachgerückt war. Ihr Sitz geht an die Sozialdemokraten. Zu den Wahlverlierern gehört auch der Walliser Nationalrat Roberto Schmidt. Im Bundesparlament schrieb der CSP/CVP-Nationalrat mit seiner Motion zum Atomausstieg Politgeschichte. Der CVP-Sitz von Schmidt geht an die SP. Für die SP wird neu der 24-jährige Mathias Reynard in den Nationalrat einziehen.

Im Kanton St. Gallen ist Elmar Bigger abgewählt worden. Der SVP-Nationalrat verärgerte viele Anhänger. Nach dem Konkurs der Produzenten-Milchverwerter-Organisation, deren Präsident Bigger war, wandten sich viele Bauern vom Landwirt ab. Sein Sitz geht an die Patientenschützerin Margrith Kessler von den Grünliberalen. Im Kanton Solothurn haben die Grünen mit Brigit Wyss ihren einzigen Nationalratssitz nach einer Legislatur verloren. Noch vor einem Jahr war Wyss Bundesratskandidatin. Einen Prominenten erwischte es auch im Kanton Luzern: Der ehemalige Kommandant der päpstlichen Schweizergarde, Pius Segmüller, schaffte die Wiederwahl nicht.

Im Kanton Neuenburg kommt es zu einer Rochade bei der FDP: Nationalrätin Sylvie Perrinjaquet hat es nicht geschafft, ihren Sitz zu verteidigen. Ihren Platz übernimmt Parteikollege Alain Ribaux, der neu in die Grosse Kammer einzieht. Schliesslich sind im Kanton Bern mehrere Bisherige abgewählt worden: Norbert Hochreutener (CVP) und Andreas Brönnimann (EDU) sowie Ricardo Lumengo, der nach dem Bruch mit der SP als Parteiloser zu den Eidgenössischen Wahlen antrat.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

Erstellt: 23.10.2011, 14:27 Uhr

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