Die Strahlefrauen

Die beeindruckendsten Erfolge bei den Parlamentswahlen 2011 errangen Frauen. Das sollte insbesondere der SVP zu denken geben.

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Die Glanzlichter der Wahlen 2011 setzte eine Handvoll ausserordentlicher Frauen. Karin Keller-Sutter, 48, St. Galler FDP-Frau, wurde im ersten Wahlgang mit einem Glanzresultat weit über dem absoluten Mehr in den Ständerat gewählt. Ebenso schaffte es Pascale Bruderer, 34, bisherige SP-Nationalrätin aus dem Aargau, im ersten Anlauf und mit Bravour in die kleine Kammer. Natalie Rickli, 35, SVP-Nationalrätin aus Winterthur, gelang die Wiederwahl mit dem besten Resultat der eigenen Partei.

Alle drei Frauen setzten sich übrigens gegen schärfste Konkurrenz durch, sie bodigten in ihrem Triumph drei Politraubeine der SVP: Keller-Sutter hängte SVP-Präsident Toni Brunner weit ab, Pascale Bruderer liess Ulrich Giezendanner nicht den Hauch einer Chance. Und Natalie Rickli – das müsste den Mannsbildern im Allgemeinen, aber besonders denjenigen in der SVP, zu denken geben – erreichte das bessere Ergebnis als Parteipatriarch Blocher.

Seriöse politische Arbeit statt feministische Phrasen

Dabei sind die drei Strahlefrauen keineswegs das, was man als Feministinnen bezeichnen würde. Rickli etwa distanziert sich immer wieder vehement von Themen wie Frauenpolitik, Geschlechterquoten etc. Und Karin Keller-Sutter meint, um für die Chancengleichheit von Mann und Frau einzustehen, müsse man keine Frauenrechtlerin sei – dafür reiche eine liberale Überzeugung. Schliesslich ist auch Pascale Bruderer nicht das, was man sich unter einer linken Emanze vorstellt – jedenfalls war sie früher parteiintern immer wieder umstritten, da sie angeblich zu wenig feministisch orientiert sei.

Aber genau das scheint das Erfolgrezept der weiblichen Politstars zu sein: dass sie sich von überholten Geschlechterideologien und feministischen Parolen verabschiedet haben. Dass sie dafür durch seriöse politische Arbeit das Volk überzeugen und sich Glaubwürdigkeit bei beiden Geschlechtern erarbeiten. Was den Männern, die sie bei diesen Wahlen geschlagen haben, offenbar nicht in gleichem Masse gelungen ist. So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet dieser neue Politikerinnen-Typ, der mit der Geschlechterfrage nicht mehr viel am Hut hat, Politpatriarchen wie Blocher oder Giezendanner auf die Ränge verweist.

Rickli in den Ständerat

In Zürich steht nach dem schlechten Abschneiden Blochers im Ständerats-Wahlkampf nun die Frage im Raum, weshalb eigentlich die SVP nicht mit Natalie Rickli in den zweiten Wahlgang steigt. Eine sehr gute Frage. Parteistratege Blocher selbst will dazu keine Antwort geben, «das muss die Partei bestimmen», sagte er gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Und Rickli wiegelt vorerst noch ab, sie «stehe nicht zur Verfügung», sagt sie gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Vorerst. Für die nächsten Wahlen jedoch «bin ich gerne gesprächsbereit».

Erstellt: 24.10.2011, 11:54 Uhr

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