Waadtländer Wahlresultate endlich bekannt

Das nervenaufreibende Warten hat eine Ende. Die verzögerten Resultate aus dem Waadtland brachten noch eine Überraschung. Die kantonale IT-Abteilung übernimmt die Verantwortung für die Panne.

Ein Software-Fehler hat zu grosser Verzögerung geführt: SVP-Kandidat Michael Buffat wartet auf die Resultate der Wahlen im Kanton Waadt. (23. Oktober 2011)

Ein Software-Fehler hat zu grosser Verzögerung geführt: SVP-Kandidat Michael Buffat wartet auf die Resultate der Wahlen im Kanton Waadt. (23. Oktober 2011) Bild: Keystone

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Die SP gewinnt in der Waadt zwei Sitze im Nationalrat hinzu und kommt neu auf sechs Mandate. Dies auf Kosten der Grünen (neu: 2) und der PdA/POP (0), die je einen Sitz verlieren. Die PdA/POP ist damit nicht mehr im Bundeshaus vertreten. Gemäss den definitiven Resultaten der Waadtländer Staatskanzlei holen die Grünliberalen zudem einen Sitz auf Kosten der SVP (neu: 4). Die FDP behält ihre vier Sitze, die CVP ihren einen Vertreter. Die Stimmbeteiligung lag im Kanton Waadt bei 41,61 Prozent (2007: 44,32 Prozent).

Damit sind alle Resultate der Nationalratswahlen 2011 bekannt. Die Waadt brachte noch eine Überraschung: Die letzte Hochrechnung hatte für die SP einen Sitzgewinn prognostiziert, am Ende gewann die SP im Waadtland aber zwei Sitze.

Damit können die Sozialdemokraten gesamtschweizerisch drei Sitze zulegen und kommen auf 46 Mandate. Bei den anderen Parteien gab es bei der Sitzverteilung keine Verschiebungen mehr. Die SVP kommt auf 54 Sitze, acht weniger als 2007.

Die FDP verliert fünf Sitze und kommt neu auf 30 Mandate. Die CVP hat noch 28 Mandate, drei weniger als bisher. Die Grünen büssen fünf Sitze ein und halten noch 15 Mandate. Die Gewinnerparteien Grünliberale und BDP können je 9 Zugewinne verbuchen. Die Grünliberalen kommen damit auf 12 Sitze, die BDP hält 9. Weitere 6 Sitze entfallen auf andere Parteien.

Softwareproblem

Nicht ein Server, sondern die Software ist an der grossen Verzögerung der Wahlresultate aus dem Waadtland schuld. Die Informatikdienste des Kantons Waadt haben die Verantwortung für die Störung übernommen, die den Kandidierenden und Wählenden grosse Geduld abverlangt. Amtschef Patrick Amaru bestätigte heute eine entsprechende Meldung des Onlineportals von «24 Heures».

An der Panne sei nicht wie am Sonntag zunächst angenommen ein zu wenig leistungsfähiger Server schuld, sondern die Software. Der Fehler lag beim Eröffnen und Beenden sogenannter Sessionen.

Überlastung durch offene «Sessionen»

Jedes Mal, wenn sich eine Gemeinde mit dem System verbunden habe, sei eine Session eröffnet worden, schilderte Amaru das Problem. Bei einem Unterbruch sei die Session aber nicht wie vorgesehen abgebrochen worden, sondern bestehen geblieben. Dadurch sei ein gewaltiger Stau entstanden.

Die Informatikdienste hatten das System so eingerichtet, dass gleichzeitig 700 Sessionen abgewickelt werden konnten. Zu Spitzenzeiten wurden jedoch deren 2000 registriert. Der Kanton Waadt hat 358 Gemeinden.

Nervenprobe für Kandidaten

Die Informatikpanne stellte die Nerven der Kandidaten und Wähler auf die Probe. Die Präsidentin der Waadtländer Liberalen, Catherine Labouchère, zeigte sich «extrem wütend» über die Informatikpanne, die die Auszählung der Resultate für die Sitze im National- und Ständerat verzögerte.

Mehr als 24 Stunden nach Schliessung der Wahllokale standen die Gewählten noch immer nicht fest. «Wir laufen auf dem Zahnfleisch», ärgerte sich Labouchère. «Für unsere 72 Kandidatinnen und Kandidaten ist das wirklich nicht lustig». Verärgert und enttäuscht zeigte sich auch der Waadtländer CVP-Präsident Thierry de Preux.

Die Waadtländer Gemeinden mussten die Stimmenzähler wegen der Panne lange vor Ort behalten. In Pully zum Beispiel arbeiteten 40 Personen bis spät am Sonntagabend, wie der Verantwortliche für die Stimmenzähler, Stéphane Chevalier, sagte.

Die Gemeinden fürchten derweil bereits die kantonalen Wahlen vom kommenden März. Sie wollen vom Kanton eine Erklärung für den «Bug», der die Stimmenzähler stundenlang blockiert hat, wie Chevalier sagte.

Der Kanton entschuldigte sich bei allen Waadtländerinnen und Waadtländern, bei allen Kandidatinnen und Kandidaten sowie bei den Medien für die Unannehmlichkeiten. Amaru sagte zu «24 Heures», seine Dienste hätten einen Krisenstab eingesetzt, um das Problem bis zum zweiten Ständerats-Wahlgang am 13. November zu lösen. (rub/sda)

Erstellt: 24.10.2011, 17:24 Uhr

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