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Das Erdbeben findet in der Mitte statt

Der FDP droht bei den Wahlen ein Verlust von bis zu elf Sitzen. Der Freisinn habe seinen Niedergang selber zu verantworten, sagt ein Politologe. Die Partei habe mehrere strategische Fehler begangen.

Düstere Zeiten für die FDP: Parteipräsident Fulvio Pelli während der Vorbereitung auf einen Fernsehauftritt.
Düstere Zeiten für die FDP: Parteipräsident Fulvio Pelli während der Vorbereitung auf einen Fernsehauftritt.
Keystone

Jubilieren dürften nach den Nationalratswahlen die neuen Kräfte in der Mitte. An den Polen bleibt es – im Gegensatz zu 2007 – eher ruhig. Diese Prognose geht aus Analysen der sda-Korrespondenten in den Kantonen hervor. Die SVP wird ihre Vormachtstellung – trotz Abspaltung der BDP – auf dem Niveau von 2007 stabilisieren, allenfalls mit einem Sitzverlust. Die SP kann den Negativtrend bremsen oder mit einem Sitzgewinn gar drehen. Stabil bleiben auch die Grünen, trotz ein bis zwei Sitzen weniger.

Die Mitte hingegen wird am Wahlsonntag kräftig durchgeschüttelt werden. Der FDP droht im schlimmsten Fall der Verlust von bis zu elf Sitzen. Wahrscheinlicher ist ein Minus von sechs oder sieben Sitzen. Bedrängt wird die FDP insbesondere in den Kantonen Aargau, Bern, Genf, Luzern, Tessin und Thurgau. Sitzverluste sind aber auch in Neuenburg, im Waadtland und in Zürich möglich.

Auch der CVP drohen drei bis sechs Sitzverluste. Ausserhalb ihrer Stammlande schwindet die Basis, und sogar im Kanton Freiburg und im «schwarzen» Oberwallis drohen ihr der Verlust je eines Mandats, weil sich die SVP – im Wallis in den konservativen Seitentälern – breit macht.

Neulinge gewinnen

Die Wahlgewinner sind die Neuen auf dem politischen Parkett. Die BDP dürfte vor allem in Bern zulegen und schweizweit um rund drei bis vier Sitze zulegen. Jubilieren wird die glp. Gemäss Analysen der sda hat sie gute Chancen auf sieben zusätzliche Sitze im Nationalrat. Möglich sind sogar bis zu 13 Sitzgewinne.

In Aargau, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, der Waadt und Zürich sind Sitzgewinne wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich. Der glp, die erst zum zweiten Mal zu den nationalen Wahlen antritt, hilft dabei der Bonus des Neuen und Unverbrauchten.

Der Einbruch der FDP, die Verluste bei der CVP und der Zuwachs bei BDP und glp stärkt die sogenannte Mitte. Und gleichzeitig wird diese heterogener, zersplitterter - ausser, BDP und glp schliessen sich in einer Fraktion zusammen. Dies würde in der Mitte zu drei etwa gleich starken Blöcken führen.

Geschichtsträchtiger Einbruch

Mit im schlimmsten Fall fast einem Drittel weniger Sitze im Nationalrat muss die FDP einen herben Bedeutungsverlust hinnehmen. Dies wäre für die einst staatsbildende und lange Zeit staatstragende Partei ein schwerer Schlag. Immerhin war sie es, welche die Bildung des Bundesstaates massgeblich mitgestaltet hatte. Seit 1848 war sie ununterbrochen im Bundesrat vertreten.

Teils aus Besonnenheit, teils aus politischem Kalkül ebnete sie den Weg zur Zauberformel, die erst 2003 über den Haufen geworfen wurde. Einen Rauswurf aus der Regierung muss die FDP derzeit nicht fürchten. Aber einer der beiden Bundesratssitze dürfte nach den Oktoberwahlen ins Wackeln geraten.

Die Gründe für die FDP-Verluste sind vielschichtig. «In der Wirtschafts- und Finanzkrise konnte die Partei nicht punkten. Als Wirtschaftspartei leidet sie unter dem Image, dass sie die Krise mit verursacht hat», erklärt Politologe Georg Lutz.

Fehlende Partner

Zudem hat der Freisinn im Gegensatz zu vor vier Jahren in elf Kantonen den Alleingang gewählt und auf Listenverbindungen verzichtet. Und just wo die Kandidierenden des Freisinns nicht auf eine Listenverbindung zählen können, droht ihnen die Niederlage.

2007 war sie noch in 14 Kantonen Listenverbindungen eingegangen - mehrheitlich mit der SVP. «Diese Nähe zur SVP hat der FDP geschadet», erklärt Lutz. Den folgenden Strategiewechsel – die Distanzierung von der SVP – habe die Partei danach konsequent vollzogen.

Der Alleingang wiegt umso schwerer, als dass zahlreiche schwergewichtige Politikerinnen und Politiker der FDP nicht mehr zu den Wahlen antreten und somit der Bisherigen-Bonus wegfällt.

SDA/miw

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