Wahlmobil

Ein Professor gegen Lohnexzesse und Kriminalität

Das Wahlmobil von Tagesanzeiger.ch/Newsnet machte in Lenzburg bei Martin Killias halt. Der Aargauer Rechtsprofessor und SP-Nationalratskandidat stellte sich dem 60-Sekunden-Test.

«Auch öffentliche Sicherheit muss man schützen»: SP-Nationalratskandidat Martin Killias. (Video: Jan Derrer)

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Im selben Jahr wie Christoph Kolumbus Amerika entdeckte, brannte die Stadt Lenzburg beinahe bis auf ihre Grundfesten nieder. Nur fünfzehn Häuser blieben vom Feuersturm unversehrt. Eines davon wird heute von Martin Killias bewohnt. Er ist Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Uni Zürich. Auf dem Weg zum zweiten Stock seiner Altstadtwohnung zeigt das langjährige Mitglied der sozialdemokratischen Partei auf einen Balken, der als Folge des mittelalterlichen Brandes immer noch geschwärzt ist.

Der ehemalige Bundesrichter Killias ist dreiundsechzig: ein stolzes Alter für einen, der zum ersten Mal für ein Legislativamt kandidiert. Um nach Bundesbern zu gelangen, muss Killias auf die Karte «Medienbekanntheit» setzen – denn seine parteiinternen Mitstreiter dürften durch ihre lokale Vernetzung, aber auch durch ihr jüngeres Alter ihm gegenüber eher bevorteilt sein. Wie schätzt er seine Wahlchancen ein? «Das Beste Rezept, um Bundesrat zu werden, ist, ein Leben lang dieselbe Wohnadresse zu haben», meint Killias. Zu seinen Kontrahenten um einen der voraussichtlich drei SP-Sitze im Aargau gehören Pascale Bruderer, die 2010 den Nationalrat präsidiert hat, Gewerkschaftssekretär Max Chopard-Acklin und SP-Jungstar Cédric Wehrmut.

Kein linker Nörgler

Lehrtätigkeiten führten Killias in die USA, nach Kanda, Italien und in die Niederlande. Dort wäre er 2006 beinahe geblieben, hätte ihn das Rechtswissenschaftliche Institut nicht an die Universität Zürich gerufen. «Ubi bene, ibi patria» – «Heimat ist dort, wo es gut ist», sagt der Mann, dessen Kinder in vier Ländern zur Schule gegangen sind. Der Aufenthalt im Ausland relativiere die Sicht aufs eigene Land und seine Probleme. Deshalb sei er nicht wie andere linke Politiker zum ewigen Nörgler geworden. Auslanderfahrung helfe aber auch, nicht wie viele konservative Politiker ständig die Heimat zu idealisieren. Im 60-Sekunden-Test legt Killias sein Verständnis von Umweltschutz dar. Für ihn sind auch Stadtbilder und Bauten ein wichtiger Teil der menschlichen Umwelt. Aber auch Sicherheit im öffentlichen Raum gehöre zu einer intakten Umwelt.

Nach dem 60-Sekunden-Test kommt der Politiker, der sich in SP-unüblicher Manier für öffentliche Sicherheit und für ein schärferes Strafrecht stark macht, auf das Verhältnis der Schweizer zu sich selbst zu sprechen. Wer sich hierzulande als Heimatschützer zu erkennen gebe, gelte schnell als Bremser und Verhinderer – wobei das Problem in der französischen Schweiz, wo der Heimatschutz «Patrimoine» heisse, etwas weniger schlimm sei. Auf der anderen Seite seien gerade diejenigen, welche sich politisch als Hüter der Heimat profilieren würden, besonders aktiv an der Zubetonierung der Landschaft beteiligt.

Erstellt: 26.09.2011, 13:15 Uhr

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