«Ich nehme es in Kauf, als Sauhund dargestellt zu werden»

Der dritte Politiker, der fürs Wahlmobil von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sein Programm in 60 Sekunden präsentiert, ist der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger.

Bezeichnet sich als «völlig unabhängigen Charakter»: Oskar Freysinger. (Video: Jan Derrer)

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Vor dem Einfamilienhaus im Unterwalliser Savièse ist ein bunt bemalter VW-Bus, Baujahr 1973, parkiert. Der Mann, der Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Tür öffnet, trägt Diesel-Jeans und Dr.-Martens-Boots, die schulterlangen Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. In der Stube steht neben dem Cheminée eine Gitarre, es herrscht ein wohnliches Durcheinander von Büchern, afrikanischen Feriensouvenirs und Traumfängern.

Doch der Gastgeber ist nicht etwa ein Nationalratskandidat der Grünen, sondern der SVP-Hardliner Oskar Freysinger. Der Gymnasiallehrer kandidiert bereits zum dritten Mal. Wahlkampf müsse er eigentlich nicht führen, vor vier Jahren habe er ohne Kampagne doppelt so viele Stimmen erhalten wie zu seiner ersten Wahl nach Bern 2003.

Markantes Profil

Freysinger ist der Öffentlichkeit bekannt als einer, der gerne polemisiert, geradezu mit Genuss provoziert und nie um einen fadengeraden Kommentar verlegen ist: «Für meine direkte Art werde ich von der ‹Classe politique› manchmal gehasst, dessen bin ich mir bewusst.» Aber genau so verschaffe er sich Gehör und bekomme für seine Anliegen eine mediale Plattform: «Würde ich immer anständig bleiben, würde das niemanden interessieren. Ich nehme es durchaus gerne in Kauf, als Sauhund dargestellt zu werden.»

An die Wand in seinem Wohnzimmer hat der Parlamentarier das Penrose-Dreieck gemalt: «Mich fasziniert die philosophische Bedeutung dieses Symbols.» Das Dreieck sieht auf einer Fläche dreidimensional aus, tatsächlich kann es aber nur zweidimensional existieren. «Es ist eigentlich unmöglich, und trotzdem existiert die Figur», führt der Politiker aus. Eine unbeabsichtigte Metapher zu seiner Person? Auch Freysinger macht nicht den Anschein eines Politikers, der rechts aussen positioniert ist. Trotzdem ist er einer der markantesten Exponenten der SVP.

Auch gegen die Parolen der Mutterpartei

Er sei einer der wenigen im Bundeshaus, die in keinem Verwaltungsrat sitzen. Und er sei unabhängig, erklärt Freysinger seine Wahlerfolge: «Die Walliser SVP vertritt auch mal eine Position, die der Mutterpartei gegen den Strich geht.» Vor einigen Jahren war der Politiker und Autor von Gedichten, Lied- und Prosatexten zu einer Hochzeit an der Elfenbeinküste eingeladen. Dort habe er eindrücklich erlebt, was es für die Bevölkerung bedeute, wenn der Mittelstand verdrängt werde und es nur noch extrem Reiche und sehr Arme gebe. Auch hierzulande erlebe er diese Entwicklung ansatzweise, und das müsse verhindert werden, sagt Oskar Freysinger: «Der Schweiz geht es im europäischen Vergleich zwar relativ gut. Aber wenn das bürgerliche Lager einbricht und immer weiter nach links driftet, bekommen wir Probleme.» Die SVP sei die einzige Partei, die sich wirklich für die Unabhängigkeit der Schweiz einsetze.

Erstellt: 19.09.2011, 11:17 Uhr

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Oskar Freysingers politisches Profil. (Bild: smartvote.ch)

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