SVP-Wahlkampf in der Kritik

Laut einer Studie vertrauen KMU-Chefs der FDP mehr als der SVP. Derweil kritisiert der Zürcher SVP-Chef Alfred Heer den Wahlkampf seiner Partei.

«Die Wahlstrategie der SVP ist zu trivial»: Alfred Heer bemängelt den Wahlkampf seiner Partei.

«Die Wahlstrategie der SVP ist zu trivial»: Alfred Heer bemängelt den Wahlkampf seiner Partei. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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In knapp zwei Monaten bestellt die Schweiz ein neues Parlament, da sollten zwei Berichte aus der Sonntagspresse die wählerstärkste Partei des Landes beunruhigen: «Firmenchefs vertrauen der FDP mehr als der SVP», ergab eine in der «NZZ am Sonntag» veröffentlichte Studie. Und Alfred Heer, Zürcher SVP-Präsident, kritisierte im «SonntagsBlick»: «Die Wahlstrategie der SVP ist zu trivial.» Setzt die SVP im Wahlkampf mit der Dauerkritik an der Asylpolitik womöglich aufs falsche Thema?

Dabei hatte die SVP der FDP den Ruf als Wirtschaftspartei mit Erfolg streitig gemacht: Mit dem Aufstieg der SVP in den 90er-Jahren kam es in der FDP zu einer Spaltung zwischen Exportwirtschaft und Gewerbe: Der gewerbliche Flügel setzte sich aufgrund der europapolitischen Differenzen zur SVP ab. «Dieser Teil des Gewerbeflügels wird nicht mehr zur FDP zurückkehren», sagte Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann letztes Jahr im TA. Nun aber besagt eine aktuelle Umfrage, dass die FDP wieder als wirtschaftsfreundlichste Partei gilt. So gaben 48 Prozent der KMU-Chefs an, man sollte die FDP wählen, um die Interessen der KMU zu wahren. Die SVP folgt weit abgeschlagen mit 20 Prozent an zweiter Stelle, die CVP kam nur auf 8 Prozent.

Die Studie wurde im Auftrag von Succè Suisse durchgeführt – einem vom Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser ini­tiierten Zusammenschluss wirtschaftsnaher Politiker. Das Meinungsforschungsinstitut GFS stützte sich dabei auf das Unternehmensregister des Bundesamts für Statistik, «der denkbar besten Grundlage». Trotzdem meldet Albert Rösti, Berner SVP-Nationalrat und -Wahlkampfleiter, Bedenken an: «Eine Umfrage bei 250 von insgesamt 300'000 KMU ist fragwürdig.» Für ihn ist das KMU-Rating des Gewerbeverbandes relevant: «Hier liegen unsere Parlamentarier bezüglich Wirtschaftsfreundlichkeit ganz vorne.»

Als ob es der Zürcher SVP-Präsident Alfred Heer geahnt hätte, dass diese Studie am Sonntag publik würde, kritisierte er gleichentags die Wahlkampfstrategie seiner eigenen Partei: «Die Wähler erwarten von uns auch Antworten zu anderen Themen, etwa zu den aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten – sonst unterstützen sie andere Parteien, die dort auftrumpfen.» Hauptgrund für das schlechte Abschneiden bei den Wahlen 2011 sei gewesen, «dass wir zu einseitig auf die Ausländerkarte setzten», sagte Heer im Interview. Im Kanton Zürich sei der Erhalt des Finanzplatzes eine grosse Herausforderung: «Wir verlieren immer mehr Arbeitsplätze.» Aber auch bei diesem Thema gibt sich Albert Rösti gelassen: «Alfred Heer rennt bei uns offene Türen ein.» Man habe immer auf drei Themen gesetzt: Kritik am schleichenden EU-Beitritt und an der Asylpolitik sowie auf den Erhalt der Arbeitsplätze. Für diese Themen wolle man an der Delegiertenversammlung vom 22. August alle Kandidaten nochmals sensibilisieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2015, 10:10 Uhr

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