Die SVP-Wahltaktik von 2008 verspricht am meisten Erfolg

Die Geschichte zeigt, dass die SVP bei den kommenden Bundesratswahlen auf ein Zweierticket setzen sollte.

Erfolgreiches Zweierticket «Hardliner und Gemässigter» 2008: Die für den Bundesrat nominierten SVP-Nationalrat Ueli Maurer (l.) und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher.

Erfolgreiches Zweierticket «Hardliner und Gemässigter» 2008: Die für den Bundesrat nominierten SVP-Nationalrat Ueli Maurer (l.) und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Am Sonntag liess SVP-Chef Toni Brunner die Katze aus dem Sack: Der Berner ­Nationalrat Adrian Amstutz soll zweiter SVP-Bundesrat werden. «Ausgerechnet dieser Hardliner?», schoss es wohl manchem Politiker und Journalisten durch den Kopf. Doch ein Rückblick auf vergangene Bundesratswahlen gibt Hinweise auf die Wahltaktik der SVP.

1999 trat Christoph Blocher als Kampfkandidat gegen die beiden SP-Bundesräte Ruth Dreifuss und Moritz Leuenberger an. Die SVP pochte als nun stärkste Fraktion auf einen zweiten Sitz in der Regierung. Doch die Zeit war noch nicht reif dafür: Blocher unterlag den beiden Genossen deutlich. Bei der Ersatzwahl für Adolf Ogi ein Jahr später wurde Samuel Schmid gewählt, der aber nicht offizieller SVP-Kandidat war. 2002 griff die SVP bei der Ersatzwahl für Dreifuss den zweiten SP-Sitz an. Um Toni Bortoluzzi durchzubringen, drohte die SVP bei einem vorzeitigen Aus des Zürcher Nationalrats, leer einzulegen.

Doch erst bei den Gesamterneuerungswahlen von 2003 gelang der SVP der historische Sieg – auf Kosten der CVP und der Zauberformel. Als einziger Kandidat wurde Blocher aufgestellt. Sollte er zusammen mit Schmid nicht in den Bundesrat gewählt werden, würde man aus der Regierung treten, drohte die SVP. Das Nachsehen hatte die nicht wiedergewählte Ruth Metzler. Vier Jahre später rächten sich die Links-Mitte-Parteien. Auch diesmal drohte die SVP mit dem Rückzug aus der Regierung, falls einer ihrer beiden Bundesräte abgewählt werden sollte. Vergeblich: Im zweiten Wahlgang setzte sich die von der Anti-Blocher-Allianz heimlich portierte ­SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf gegen Blocher durch – und nahm zusammen mit Schmid die Wahl an. Die SVP befand sich in der Opposition, da die ausgeschlossenen SVP-Bundesräte später der BDP beitraten.

Zweierticket Blocher-Maurer

Ende 2008 galt es, den vorzeitig zurückgetretenen Schmid zu ersetzen. Die SVP griff zunächst frontal an: Anfangs wollten Parteihardliner nur Blocher aufstellen. Doch schliesslich setzte die Bundeshausfraktion ein Zweierticket mit Parteipräsident Ueli Maurer durch – die Mehrheit der Partei wollte zurück in die Regierung. Zwar blieb Blocher chancenlos, doch auch Maurer schaffte es nur mit grösster Mühe. Denn Mitte-links versuchte der SVP einen Sprengkandidaten, den moderaten Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, unterzu­jubeln. Dieser beugte sich dem grossen Druck seiner Partei und gab mit seiner eigenen Stimme im dritten Wahlgang den Ausschlag für Maurers Sieg. Bei den Ersatzwahlen für Moritz Leuenberger (SP) und Hans-Rudolf Merz (FDP) versuchte die SVP mit dem Freiburger Jean-François Rime erfolglos, einen zweiten Sitz zu holen. 2011 stellte die SVP ausgerechnet Walter offiziell auf – dies, nachdem sie Hals über Kopf den aussichtsreichen, aber über einen Erbschaftsskandal gestolperten Bruno Zuppiger zurückzog. Doch das Parlament bestätigte lieber Widmer-Schlumpf im Amt.

Das Vorgehen von 2008 – ein Zweierticket «Hardliner und Gemässigter» – könnte sich auch 2015 als die beste Wahltaktik erweisen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2015, 10:30 Uhr

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