Grüne und SP lassen die Hitzewelle ungenutzt passieren

In diesem Sommer spürt die Schweiz den Klimawandel. Politischen Profit schlägt daraus aber niemand.

Forscherprognosen werden wahr: Im Juli erlebte die Schweiz eine der bisher extremsten Hitzewellen.

Forscherprognosen werden wahr: Im Juli erlebte die Schweiz eine der bisher extremsten Hitzewellen. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Ein einziges Wahlkampfthema hat den Sommer bislang geprägt: das Asylwesen. Die SVP ruft zum Widerstand gegen Asylzentren, fordert stärkere Grenzkontrollen, kritisiert SP-Justizministerin Sommaruga. Die anderen Parteien ziehen mit, schweigen oder geben Gegensteuer. Um den Klimawandel bleibt es ruhig – trotz Hitzesommer und baldigem Wahltermin. Auf den heissesten Juni seit Beginn der Messungen folgte Anfang Juli eine der extremsten Hitzewellen, die die Schweiz je erlebte. Bäche trockneten aus, Felder verdorrten, wegen der Hitze starben im Juli rund 300 Personen. Zwar lässt sich vom Wetter nicht direkt auf das Klima schliessen. Die Hitzewellen dieses Sommers zeigen aber, was Forscher seit Jahren voraussagen: Die Wellen kommen häufiger und fallen extremer aus.

Gletscherprotest bleibt aus

Anders als beim Thema Asyl hat bisher keine Partei ernsthaft versucht, aus der Hitze Kapital zu schlagen: Niemand protestiert auf einem Gletscher, niemand ruft zum autofreien Sonntag auf, niemand kritisiert CVP-Umweltministerin Leuthard für ihre Amtsführung. Die SP gewichtet die Themen Löhne, Wohnungen und Renten höher. Ein heisser Sommer sei noch kein Grund, umzuschwenken, sagt Flavia Wasserfallen, Co-Generalsekretärin der SP.

Für die Grünen müsste das Thema jedoch wichtig sein für den Wahlkampf. Der Atomausstieg und die Verhinderung der zweiten Gotthardröhre stehen bei ihnen an der Spitze. Entsprechend versuchen Kandidaten der Partei, mit ihrem Einsatz für den Klimaschutz zu punkten. Die Berner Co-Parteipräsidentin Regula Rytz wirbt in einem Werbespot für die grüne Klimapolitik, die Jungen Grünen des Kantons Wallis sind für ihre Kampagne auf das über viertausend Meter hohe Breithorn gestiegen.

Den Klimawandel zu einem breit diskutierten Thema zu erheben, gelang den Grünen jedoch nicht. Anfang Juli stellten der Zürcher Ständeratskandidat Bastien Girod und Rytz in den sozialen Medien zwar den Zusammenhang zwischen Hitze und Klimapolitik her. «Wenn solche Hitzewellen in Zukunft nicht zunehmen sollen, müssen wir beim Klimaschutz endlich vorwärtsmachen», schrieb Girod auf Facebook. «Heute steigt nicht nur die Temperatur, sondern auch die Einsicht in die Notwendigkeit von Klimaschutz.» Weitere, öffentlichkeitswirksame Aktionen oder interessante Forderungen fehlen bisher.

Sowohl Girod als auch Rytz verweisen auf das stetige Engagement der Partei für den Klimaschutz. So prüften die Grünen derzeit eine Klage gegen den Bund, weil dieser die Bevölkerung nicht genügend vor dem Klimawandel schütze. Demnächst will die Partei zudem «klar aufzeigen, dass die Vorschläge von Bundesrätin Doris Leuthard für die Klimakonferenz in Paris ungenügend sind». Die Aktualität aufzugreifen, hat für die Grünen hingegen weniger Priorität. Girod sagt: «Als Grüne können wir ein Thema nicht so stark vereinfachen, wie das die SVP bei der Asylpolitik kann. Dies würde man uns vorwerfen.»

SP-Co-Generalsekretärin Wasserfallen sagt dazu, anders als beim Asylthema fehle bei der Klimapolitik ein Sündenbock. «Beim Klimawandel stehen wir alle irgendwie in der Pflicht.» Die Grüne Rytz widerspricht. Der Klimaschutz schränke die Wähler ja nicht ein, man müsse sich vielmehr vorstellen, wie stark der Klimawandel diese finanziell und gesundheitlich belasten werde. Für sie ist es das «absolute Gebot der Stunde», dies zu verhindern.

Erstellt: 14.08.2015, 09:30 Uhr

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