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Sportpause nach Corona-InfektionWann darf ich wieder trainieren?

Der Amateursport läuft wieder, doch Corona ist immer noch da. Wir haben Ärzte gefragt, was ein Sportler nach einer Corona-Infektion beachten muss.

Nach einer Corona-Infektion sollte ein stufenweiser Einstieg ins Training erfolgen. Sobald man nicht mehr im Bett liegt, dürfen bereits wieder ganz leichte körperliche Aktivitäten ausgeführt werden.
Nach einer Corona-Infektion sollte ein stufenweiser Einstieg ins Training erfolgen. Sobald man nicht mehr im Bett liegt, dürfen bereits wieder ganz leichte körperliche Aktivitäten ausgeführt werden.
Foto: Gabriel Aponte (Getty Images)

Der Amateursport nimmt langsam wieder den Betrieb auf. Fussball wird bereits wieder gespielt. Im Unihockey laufen die Vorbereitungen auf die Saison auf Hochtouren. Und auch Langstreckenläufer freuen sich auf die bald stattfindenden Events. Doch die Vorfreude auf das bisschen Normalität kann sehr schnell wieder schwinden. Beim zürcherischen FC Dietikon mussten acht Spieler in Isolation, Spiele müssen abgesagt werden. Der Amateursport wurde als neuer möglicher Corona-Hotspot identifiziert.

Nach der überstandenen Quarantäne folgt die grosse Unsicherheit für den Amateursportler: Darf ich wieder trainieren? Was ist mit den Folgeschäden, von denen immer geschrieben wird? Wir haben genau diese Fragen einigen Ärzten gestellt:

Wann darf ich wieder an einem Wettkampf teilnehmen?

Das sei extrem vom Einzelnen und vom Verlauf abhängig, sagt Walter O. Frey, Leiter des Swiss Olympic Medical Centers an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich. Auch Thomas Geiser, Chefarzt der Lungenklinik des Inselspitals Bern, sagt, dass es sehr individuell sei. Aber wenn man sich wieder voll leistungsfähig fühle, spreche eigentlich nichts dagegen, erneut in den Wettkampf einzusteigen. Dies aber direkt nach der Erkrankung zu tun, sei «sehr schlecht. Es ist ganz wichtig, dass man nicht von null auf hundert geht.»

Aber wann darf ich wieder trainieren, wenn ich nur leicht krank war?

Geiser empfiehlt bei mildem Verlauf: «Wenn man sich erholt hat, kann man wieder langsam sportliche Aktivitäten ausführen». Es sei aber sehr wichtig, dass man «das Training stufenweise aufnimmt und auf den Körper hört». Auch Philipp Keller, Sportarzt bei der Medbase Zürich, warnt: «Bei Krankheitsgefühl oder gar Fieber gilt: kein Sport

Frey hingegen empfiehlt, dass man ganz leichte Belastungen aufnimmt, sobald man nicht mehr im Bett liegt, um der Degeneration der passiven Strukturen wie Bändern und Sehnen entgegenzuwirken. Zudem «stärken wir unser Immunsystem, wenn wir uns im gesundheitlichen Rahmen bewegen», sagt Frey und warnt vor zu intensiven Belastungen. Denn: «Wenn wir in den Leistungsbereich gehen, wird das Immunsystem geschwächt.» Der Körper werde abgelenkt und könne nicht mehr alle Kraft gegen das Virus einsetzen.

Und wann darf ich wieder intensiv trainieren?

Auch dies ist individuell. Frey rät, das lockere Training beizubehalten, bis man sicher ist, dass man die Krankheit komplett überwunden hat. Ein guter Indikator dafür sei der Ruhepuls, denn dieser sei höher, während der Körper den Infekt abwehre. «Wenn der Ruhepuls über mehrere Tage stabil auf dem Basiswert ist, dann kann man in der Regel wieder mit dem Aufbau eines intensiveren Trainings starten», sagt Frey. Deshalb soll dieser immer auch gemessen werden, wenn man gesund ist.

Soll ich vor dem Trainingsstart zu einem Arzt gehen?

Dies sei wärmstens zu empfehlen, sagt Keller. «Die Entscheidung, ob, wann und welcher Sport gemacht wird, sollte immer gemeinsam mit einer Ärztin gefällt werden.» Geiser widerspricht hier aber. Für ihn ist eine ärztliche Konsultation erst dann notwendig, «wenn man merkt, dass man einfach noch nicht so leistungsfähig ist wie vor der Erkrankung, trotz der stufenweisen Aufnahme des Trainings». Atemnot, Husten oder ein extrem hoher Puls könnten Anzeichen von Folgeschäden des Virus sein. Dass solche Schäden vorliegen, sollte man ausschliessen können, bevor man in den Wettkampf geht, so Geiser.

Ich wurde positiv getestet, habe aber keine Symptome. Muss ich trotzdem eine Sportpause machen?

Wenn man sich gut fühlt, darf man auch in Quarantäne trainieren.
Wenn man sich gut fühlt, darf man auch in Quarantäne trainieren.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Nein. Geiser empfiehlt in diesem Fall, nach Möglichkeiten «etwas zu tun, um fit zu bleiben, sei dies mit Hanteln oder einem Hometrainer im Zimmer». Man könne absolut so trainieren, «wie es geht. Wichtig ist aber, dass man auf den Körper hörtWenn man aber Husten, Atemnot oder Fieber habe, müsse man reduzieren. Keller hingegen rät zu Training nur im milden oder moderaten Bereich nach ärztlicher Rücksprache. Auch Frey sagt, dass man das Training runterfahren und nur locker trainieren soll.

Was sind die Gefahren, wenn ich zu früh wieder mit dem Training beginne?

An der Lunge riskiere man damit keine Schäden, sagt Geiser. Frey kann sich aber vorstellen, dass im schlimmsten Fall schwere Herzrhythmusstörungen bei Corona-Patienten auftreten. Bei anderen Viren habe man solche beobachten können. Sie traten auf, wenn man mit dem intensiven Training begann, während das Virus noch im Herzmuskel sass.

«Zudem kann man damit den Genesungsprozess verlängern, da die Immunabwehr unterdrückt wird.» Eine weitere Gefahr: «Man kann ins Übertraining fallen, wenn man den Trainingsprozess zu früh startet», sagt Frey. Bis man da wieder draussen sei, könne es Monate dauern.

Können Folgeschäden auch bei einem milden Verlauf auftreten?

Das weiss man noch nicht. Das bestätigt Frey: «Wir wissen nicht, ob es dann Folgeschäden geben kann.» Geiser berichtet von laufenden Untersuchungen, die Hinweise auf Folgeschäden auch bei milden Verläufen geben.

Von welchen Folgeschäden ist hier die Rede?

Bei schweren Verläufen könne es zu Vernarbungen der Lunge kommen. Bei leichten Verläufen sei dies weniger der Fall, sagt Geiser. Es komme eher zu asthmatischen Erkrankungen, wie man das auch von anderen Viren kennt. «Viren können ein Asthma auslösen, das andauert, obwohl die Erkrankung abgeklungen ist», sagt Geiser. Das könne dazu führen, dass man «bleibende Probleme mit der Atmung hat, die therapiert werden müssen».

Gehen die Folgeschäden wieder weg?

«Das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht», so Geiser. Es gebe aber laufende Studien, bei denen Corona-Patienten nach einiger Zeit wieder untersucht werden. «Wir hoffen, dass wir die Frage in sechs bis zwölf Monaten beantworten können.» Keller warnt, dass Folgeschäden jahrelang anhalten können, «wie wir das von vorherigen Epidemien mit Coronaviren, wie zum Beispiel Sars oder Mers, kennen».