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Geldblog: Leserfrage zu NegativzinsenWarum bleibt der Franken so stark?

Die Attraktivität unserer Landeswährung mit Negativzinsen zu mindern, scheint nicht wirklich zu funktionieren.

Bye-bye Bargeld: Aufgrund der Negativzinsen reduzieren Banken zunehmend ihre Limiten.
Bye-bye Bargeld: Aufgrund der Negativzinsen reduzieren Banken zunehmend ihre Limiten.
Illustration: Christina Baeriswyl

Man will Kleinsparer mit Negativzinsen belasten, damit sie Investitionen machen oder Geld vom Konto verschwinden lassen. Es wird also viel mehr verborgenes Schwarzgeld geben. Ist das im Interesse des Staates? Es wäre deshalb empfehlenswert zu prüfen, ob nur noch in der Schweiz registrierte Bewohner und Firmen Schweizer Franken auf Konten führen dürften. Man könnte auch die Negativzinsen für andere stark erhöhen. Es ist doch damit zu rechnen, dass die meisten Landeswährungen, auch wegen der Coronakrise, weiter stark sinken und viele Anleger deshalb Franken kaufen möchten. Man vergleiche doch mal die Kurse vor 20 Jahren mit jenen von heute. Leserfrage von R.S.

Ich gehe davon aus, dass der Franken auch künftig als sicherer Hafen international beliebt bleibt und weiter zur Stärke tendiert. Als Sparer habe ich lieber einen starken Franken als eine schwache Währung, die immer weniger wert ist. Allerdings macht der starke Franken Schweizer Produkte und Dienstleistungen im Ausland teurer. Darum versucht die Nationalbank die Aufwertung des Frankens zu stoppen und mit Negativzinsen den Franken für ausländische Investoren weniger attraktiv zu machen. Negativzinsen sind allerdings für hiesige Anleger ein Problem – sowohl für Sparer und Kleinanlegerinnen als auch für institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen. Auf dem Sparkonto bekommt man keinen Zins mehr. Und mit sicheren Anlagen wie Obligationen von erstklassigen Schuldnern in Schweizer Franken erzielt man keine oder nur noch mickrige Renditen. Die Rendite der Bundesobligationen der Eidgenossenschaft notiert gar im Minus. Wenn man solche Papiere hält, verliert man Geld.

Bis jetzt haben die Banken die Negativzinsen nicht an die Sparer weitergegeben. Mehr und mehr senken die Banken allerdings die Limiten für Bargeldbeträge auf den Konten. Der Grund: Die Banken müssen der Nationalbank selbst Negativzinsen bezahlen und haben daher kein Interesse, dass sie zu viel liquide Mittel von Sparern auf ihren Konten haben, da sie damit selbst Geld verlieren. Die Sparer und Versicherten sind die Dummen im Umzug, weil sie auf ihrem Ersparten kaum mehr Rendite erhalten – ausser sie investieren und tragen höhere Anlagerisiken.

Freier Handel ist die Grundlage für unseren Wohlstand. Das sollten wir nie vergessen.

Mitberücksichtigen muss man allerdings auch die negative Teuerung. Solange diese wie momentan während der Coronakrise negativ ist, hält sich die Problematik auch für die Sparer in Grenzen. Ein Problem sehe ich indes, falls die Nationalbank die Negativzinsen in der Schweiz von derzeit Minus 0,75 Prozent auf Minus ein Prozent ausweiten würde, weil es etwa wieder zu einer Flucht in den Schweizer Franken käme, was ich momentan aber nicht erwarte. Erst dann würden die Banken wohl auf breiter Front die Negativzinsen auch an die Kleinsparer weitergeben, was dazu führen könnte, dass viele Leute Gelder von den Banken abziehen und zu Hause horten.

Dies ist alles nicht im Interesse des Staates und auch nicht im Interesse der Wirtschaft. Auch die Nationalbank verfolgt ein anderes Ziel: Sie kämpft gegen den starken Franken und will den Franken etwas weniger attraktiv machen und die Leute und Unternehmen dazu bewegen, dass sie mehr investieren und konsumieren. Das Geld sollte in Umlauf gebracht werden und nicht gehortet werden. Aus der gegenwärtigen Krise kommen wir nur, wenn die Firmen wieder mehr investieren, was sie aber nur tun, wenn auch die Konsumenten aktiv bleiben, ansonsten riskieren wir in eine Deflation abzugleiten. Soweit sind wir aber nicht. Im Gegenteil: Ich bin zuversichtlich, dass sich die Weltwirtschaft im Zuge der angelaufenen Impfungen gegen Covid 19 langsam wieder erholen wird. Davon wird auch die Schweiz profitieren.

Kontraproduktiv wäre es, wenn man das Halten von Schweizer Franken stark einschränken würde. Sowohl der Handel von Gütern als auch von Kapital und Wertschriften sollte so frei wie möglich sein, da dies für das Gedeihen der Schweizer Wirtschaft von existenzieller Bedeutung ist. Unser Land ist stark vom Export abhängig. Einschränkungen schaden den Unternehmen und der Wirtschaft. Freier Handel ist die Grundlage für unseren Wohlstand. Das sollten wir nie vergessen. Man sollte die Unternehmen nicht mit noch mehr Regulierung einschränken, sondern stattdessen Unternehmertum fördern und Bürokratie abbauen. Firmen schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand. Solange es unseren Firmen gut geht, geht es auch uns gut. Wenn wir den Handel einschränken, sägen wir an unserem Wohlstand und riskieren, dass die Steuereinnahmen sinken und wir künftig nicht mehr in der Lage sind, unseren gut ausgebauten Sozialstaat zu finanzieren.

12 Kommentare
    Adam

    Der 'Leser-Vorschlag' von R.S. ist absurd.

    Er bedenkt nicht, dass zum Beispiel auch Auslandsschweizer (ca. 780'000 Menschen, davon 63% in Europa lebend) in oft starken Masse vom Franken abhaengig sind.

    Wird der Franken stark, mindert das die Einkuenfte, die man als Pensionaer aus der AHV und aehnlichen Quellen hat.

    Falls man nur als 'registrierter Schweizer' ein Konto in der Schweiz haben duerfte, ist das noch absurder und laecherlich, da es die vielen Auslaender NICHT betreffen wird, die ihr ILLEGALES, hinterzogenes, durch Ausbeutung und Korruption erbeutete Kapital via ihre CH Treuhaender und Anwaelte auf den Schweizer Bankkonten liegen haben -duerfen- ...

    Die Ausfuehrungen von Martin Spieler sind deshalb zu unterstreichen, weil sie das Wirtschafts Gesamtbild mit Vernunft erklaeren und vertreten, er es versteht wie die Wirtschaft funktioniert und so auch in Zukunft den mehr oder weniger freien Handel und die CH Wirtschaft foerdern werden.

    Vergessen wir nicht: Die Linken haben Marx gelesen, aber die 'Kapitalisten' verstehen ihn ...