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Rückkehrer aus RisikoländernWarum Corona-Massentests an Flughäfen «nicht sinnvoll» sind

Immer mehr Länder führen eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikoländern ein. Das könnte sogar schaden, sagt jetzt eine bekannte Virologin.

Wer aus einem Corona-Risikoland in die Schweiz einreist, muss in Quarantäne – auch wenn die Person einen negativen Coronavirus-Test vorweisen kann.
Wer aus einem Corona-Risikoland in die Schweiz einreist, muss in Quarantäne – auch wenn die Person einen negativen Coronavirus-Test vorweisen kann.
Foto: Keystone

Die Zahl steigt weiter an: Über 9000 Personen haben sich in der Schweiz nach der Rückkehr aus einem Risikoland in die obligatorische Quarantäne begeben, teilt das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch mit. Vor Wochenfrist waren es erst 6000. Damals hatte der Bund die Liste mit den Corona-Risikoländern erweitert: von 29 auf 42 Länder.

Trotzdem gibt es weiterhin grosse Vorbehalte bezüglich der Wirksamkeit dieser Massnahme. Einerseits, weil die Corona-Fallzahlen in der Schweiz weiter steigen – auch wegen sogenannt importierter Fälle. Anderseits, weil die Kontrolle der Quarantäne für die Kantone äusserst schwierig ist.

Hoffnung gesetzt hatten die Verantwortlichen in die Passagierlisten von Flügen und Busfahrten aus Risikoländern in die Schweiz. Vor bald zwei Wochen hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) angekündigt, Stichproben durchzuführen. Auf Nachfrage der NZZ musste das Amt am Dienstag aber mitteilen, dass inzwischen bei gerade mal 16 Flügen Stichproben durchgeführt wurden (Link zur Meldung der NZZ). So könnten die Kantone keine seriösen Stichprobenkontrollen durchführen, sagte Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren, der NZZ.

Andere Länder setzen neu auf Massentests von Einreisenden aus Risikoländern – zum Beispiel Frankreich ab dem 1. August. Keine gute Idee, schreibt Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Universität Genf, dazu auf Twitter.

Was gegen Massentests spricht

Die Massnahme ermögliche unter anderem keine Identifikation von Personen in der Inkubationszeit. «Diese erreichen kurz nach Rückkehr die hochinfektiöse Phase und gehen sorglos, weil ‹freigetestet›, zurück zur Arbeit», schreibt Eckerle. Auch ruft sie dazu auf, nicht verschwenderisch mit den weltweit begrenzten Testressourcen umzugehen. Pragmatisch und effektiv sei dagegen eine konsequente Quarantäne bei Rückkehr aus Risikogebieten.

Beim Bund zeichnet sich derzeit keine Abkehr von dieser Strategie ab. Im Gegenteil: Das BAG stellte am Mittwoch klar: Wer aus einem Corona-Risikoland in die Schweiz einreist, muss in Quarantäne – auch wenn die Person einen negativen Coronavirus-Test vorweisen kann (Link zum Corona-Nachrichtenticker). Weiter ergänzte das BAG seine Einreisebestimmungen mit dem Hinweis, dass die zehntägige Quarantänepflicht durch einen negativen Test auch nicht verkürzt werden könne.

ldc