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Allzeithoch von rund 35’000 DollarWarum der Bitcoin derzeit neue Rekordwerte erreicht

Nachdem die Kryptowährung Bitcoin in bisher unerreichte Höhen geklettert war, ist der Kurs vorübergehend etwas eingebrochen. Ist die Digitalwährung jetzt auch für Anleger interessant?

Bitcoin und andere Kryptowährungen werden weltweit in verschiedenen Rechenzentren wie hier in Gondo VS geschürft.
Bitcoin und andere Kryptowährungen werden weltweit in verschiedenen Rechenzentren wie hier in Gondo VS geschürft.
Foto: Valentin Flauraud (Keystone) 

Selbst Bitcoin-Enthusiasten hat überrascht, wie stark der Kurs der wichtigsten Kryptowährung in den vergangenen Tagen zugelegt hat. Bei manchen Börsen erreichte er vorübergehend ein Allzeithoch von rund 35’000 Dollar je Bitcoin. Der Kursanstieg dürfte das Interesse von manchen Kleinanlegern beflügeln. Bei vielen ist die Skepsis aber immer noch gross, weshalb sich einige Fragen stellen.

Warum ist der Bitcoin-Kurs derart stark gestiegen?

Mehrere Gründe haben zum Bitcoin-Höhenflug beigetragen. So investieren je länger, je mehr auch grosse institutionelle Anleger in Kryptowährungen. Zusätzlichen Schub erhielt der Bitcoin im vergangenen Herbst durch die Ankündigung des weltweit beliebten Online-Finanzdienstleisters Paypal: Noch in diesem Jahr sollen Paypal-Nutzer auch mit Kryptowährungen bezahlen können. Das könnte Signalwirkung für weitere Finanzdienstleister haben. In der Schweiz will der grosse Krypto-Broker Bitcoin Suisse dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister Wordline an bis zu 85’000 Schweizer Verkaufsstellen Bitcoin-Zahlungen ermöglichen.

Und während Zentralbanken die Märkte derzeit mit neuem Geld fluten, wird die Zahl der neu geschaffenen Bitcoin kontinuierlich verknappt. Voraussichtlich im Jahr 2130 wird die Höchstmenge von 21 Millionen Bitcoin erreicht sein. Derzeit sind schon knapp 19 Millionen Bitcoin im Umlauf. Steigt die Nachfrage weiter an, treibt die Begrenzung den Kurs weiter in die Höhe.

Setzt sich der Höhenflug fort?

Experten rechnen mittel- bis längerfristig mit einem weiteren Kursanstieg. Bei der kurzfristigen Prognose gehen die Meinungen jedoch auseinander. Laut Patrick Heusser, Handelsleiter bei der Crypto Broker AG in Zürich, deuten einige Hinweise auf eine Überhitzung hin, die in einen Kurssturz münden könnten: «Die kommenden Wochen werden zeigen, auf welchem Niveau sich der Bitcoin halten kann.» Marc Baumann, Sprecher des Brokers Bitcoin Suisse, hält eine Kurskorrektur für wahrscheinlich: «Es ist durchaus möglich, dass der Kurs bis auf 20’000 Dollar sinkt und sich danach aber auf einem höheren Niveau als bisher einpendelt», sagt er. Zu Kurskorrekturen trägt bei, dass eine grössere Zahl von Kleinanlegern mit besonders risikoreichen Finanzderivaten in Kryptowährungen investiert sind: Nach einem Kursanstieg steigen sie rasch aus, um Gewinne zu realisieren. Tatsächlich fiel der Kurs am Montag – er fing sich aber rasch wieder.

Chris Thomas von der Onlinebank Swissquote ist zuversichtlich, dass der Bitcoin schon in den kommenden drei Monaten einen Wert von über 50’000 Dollar erreichen könnte. Wie Baumann verweist er auf Trends der Suchmaschine Google: «Bei der Kurs-Rally von 2017 suchten zehnmal so viele Leute nach Bitcoin wie in den vergangenen Tagen.»

Wie sicher ist der Bitcoin?

Der Bitcoin ist nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Kursveränderungen von 30 Prozent an einem Tag sind keine Seltenheit. Chris Thomas verweist auf mehrere historische Kursstürze, bei denen der Bitcoin innerhalb weniger Wochen 87 bis 93 Prozent seines Werts einbüsste. Der Grund dafür waren unter anderem spektakuläre Betrugsfälle, nach denen Anleger fluchtartig das Weite suchten. Die zunehmende Regulierung und die wachsende Zahl an institutionellen Investoren sorgen dafür, dass sowohl Betrugsfälle wie auch die Volatilität tendenziell zurückgehen.

Neben den zitierten Experten gibt es auch namhafte Ökonomen und Finanzexperten, die vom Handel mit Kryptowährungen abraten. Trotz derzeit ermutigenden Signalen sind weiterhin politische Entscheide denkbar, die Kryptowährungen ausbremsen.

Was taugt der Bitcoin als Zahlungsmittel?

Nicht viel. Der Bitcoin gilt zwar als wichtigste Digitalwährung, er ist aber vor allem ein Spekulationsobjekt. So gibt es nur sehr wenige Geschäfte, die Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren. Daran dürfte auch der Einstieg von Paypal vorerst wenig ändern. Ein Grund dafür ist die Volatilität: Kunden und Händler haben wenig Interesse an einer Währung, die von einem Tag auf den anderen 30 Prozent weniger Wert haben kann.

Stattdessen wird der Bitcoin fast ausschliesslich für Spekulationsgeschäfte genutzt. In kleinen Anteilen wird er vermehrt genutzt, um ein Anlageportfolio stärker zu diversifizieren. Manche sprechen auch von digitalem Gold. Der amerikanische Hedgefonds-Manager Paul Tudor Jones kommt in einem im April vergangenen Jahres veröffentlichten Papier zum Schluss, dass der Bitcoin auch gut gegen Inflation schützt.

Wie kann ich Geld in Kryptowährungen anlegen?

Bei Handelsplattformen wie Bitcoin Suisse oder Swissquote können Anleger ein Konto eröffnen und mit verschiedenen Kryptowährungen handeln. Immer mehr Banken bieten Finanzprodukte mit Kryptowährungen an. Oft sind sie in gehebelte Finanzderivate verpackt, was im ohnehin schon volatilen Markt mit zusätzlichen Risiken verknüpft ist. Anstatt über Finanzdienstleister ist es auch möglich, selbst Kryptowährungen kaufen. Dafür braucht es eine Wallet, die mit einem Konto vergleichbar ist. Sie lässt sich leicht per App auf dem Smartphone oder einem PC einrichten. Mehr Sicherheit gegen Hacker bieten externe Geräte, die nur für Transaktionen mit dem Computer verbunden werden. Sie ähneln einem USB-Stick. Bekannte Marken sind Ledger und Trezor. Mit der Bitbox gibt es ein Schweizer Produkt, das als vergleichsweise sicher gilt. Bekannte Verkäufer von Kryptowährungen sind zum Beispiel Kraken.com und Coinbase.com. Wer Schweizer Anbieter bevorzugt, kann sich unter anderem an Bity.com an Relai.ch wenden.

20 Kommentare
    MPR

    Bitcoin ist schmutziges Geld. Der Energieverbrauch um einen einzigen Bitcoin zu „minen“ ist CO2 Schleuder pur. Wer in Bitcoin investiert ist nicht besser als eine Bank, die in Kohle anlegt. Wacht auf Ihr Zocker!