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Corona erzwang SaisonabbruchWarum die Amateure nicht jammern

Während der Profifussball Unterstützung forderte, brauchen die kleineren Vereine diese gar nicht. Dies hat verschiedene Gründe.

Es ginge auch selbstbewusst.
Es ginge auch selbstbewusst.
Zeichnung: Felix Schaad

Alarmstimmung im Fussball wegen Corona. «Ohne massive finanzielle Unterstützung durch den Staat schafft es auch der Profifussball nicht durch diese schwierige Zeit», sagte Heinrich Schifferle, Präsident der Swiss Football League. «Das führt zu einem Massensterben der Vereine, wenn der Staat nicht umfassend eingreift», so YB-Sportchef Christoph Spycher.

Ganz anders als bei den Profivereinen tönt es bei den Amateuren. Viel selbstbewusster. «Mit gewissen Abstrichen wird der Verein die Krise überstehen können», sagt zum Beispiel Martin Gubler, Präsident des Zürcher Quartierclubs SV Höngg. Ähnliches hört man auch von anderen Vereinen. So sagt der Präsident des FC Wettswil-Bonstetten, Markus Fischer: «Wir werden die Krise sicher überstehen

Während die grossen Profivereine vor allem die Ausfälle der Zuschauereinnahmen beklagen, machen den Amateurclubs hauptsächlich die Anlässe Sorgen: Grümpelturniere, Feste und Trainingscamps mussten abgesagt werden, diese Einnahmen fehlen nun. «Das ist eine Summe von 25‘000 bis 30‘000 Franken», rechnet Fischer vor. Ein weiterer Posten sind Sponsoren, die in der nächsten Saison nicht mehr bezahlen wollen oder können. Fischer rechnet mit gegen 30 Prozent tieferen Sponsoreneinnahmen, was rund 50‘000 Franken entspricht. Für ihn ist verständlich, dass Sponsoring für Betriebe, die von der Krise betroffen sind, nicht an oberster Stelle steht.

Fehlende Einnahmen, aber…

«Auf der anderen Seite haben wir aber auch keinen Spielbetrieb und deshalb keine Ausgaben», so Fischer. Entschädigungen für die Schiedsrichter, Essen oder die Carfahrten der Mannschaft fallen weg. Zudem habe der Verein ab Mitte März die Kosten runtergefahren. «Es wurden keinerlei Entschädigungen an Trainer, Funktionäre und Spieler mehr gezahlt», sagt Fischer. Wenn der Verein die Mitgliederbeiträge voll verrechnen könne, «dann haben wir kein Loch», sagt Fischer.

Auch beim Drittligaverein BC Albisrieden ist das Überleben im Moment kein Problem, sagt Präsident Pascal Hager. Er rechnet aber mit «10‘000 bis 20‘000 Franken Kosten, die wir nicht decken können». Bereits Anfang März habe man geschaut, dass nichts Neues mehr angeschafft werde. «Alle Ausgaben wurden sehr bedacht entschieden», sagt Hager. So wurden beispielsweise die Leibchen für das jährliche Juniorentrainingslager bestellt, für einmal jedoch ohne Jahreszahl – so können sie auch im nächsten Jahr noch verwendet werden.

Sorgen bereitet Hager eher die Ungewissheit über den Start der nächsten Saison: «Wenn es noch lange dauert, stellt sich die Frage, wie weit der Staat uns noch unterstützen kann». Im Moment sind die Zuschüsse von Jugend&Sport (J&S) gesichert, obwohl in der Rückrunde nicht trainiert werden konnte. Das hilft vielen Vereinen enorm. «Aber wenn das nicht mehr kommt, ist bald Feierabend», ist Hager überzeugt.

Die J&S-Gelder sind auch für den SV Höngg von grosser Bedeutung. «Es ist wesentlich für uns, dass wir zumindest einen Teil bekommen», sagt Barbara Gubler, Kassierin des Vereins. «Dann ist die Krise aushaltbar.»

Bestenfalls kleine Siegprämien

350 Millionen Franken will der Bund den Profi-Eishockey- und -Fussballvereinen als Darlehen geben. 150 Millionen sollen dem Breitensport in Form von nicht rückzuerstattenden Beiträgen zukommen. Doch weder der FC Wettswil-Bonstetten, noch der BC Albisrieden oder der SV Höngg beanspruchen diese Gelder. «Weil wir momentan nicht vor dem finanziellen Abgrund stehen», begründet Barbara Gubler. Sie können noch von den Reserven zehren. Auch der BC Albisrieden könne derzeit seinen Verpflichtungen nachkommen, sagt Hager. «Weil wir keine Spieler haben, die wir bezahlen müssen», begründet er.

Die Löhne sind auch einer der Gründe, weshalb gewisse Profivereine Unterstützung des Bundes beanspruchen werden, während Amateurvereine diese nicht benötigen. Selbst Vereine in der 1. Liga bezahlen ihren Spielern keine Löhne. Bei Wettswil-Bonstetten, das vor dem Abbruch der Saison auf dem zweiten Platz lag, bekommen die Spieler Punkteprämien und Spesenentschädigungen. Doch da weder gespielt noch trainiert werden kann, fällt beides weg, der Verein konnte sparen. Bei Höngg bekommen die Spieler gar nichts. Einzig eine kleine Siegesprämie gebe es, sagt Martin Gubler. Doch das Geld sei für die Mannschaftskasse bestimmt, nicht für die Spieler selbst.

Auch kommt es bei den kontaktierten Amateurvereinen zu mehr Solidarität – während bei einigen Profivereinen die Spieler nicht zu Lohnverzicht bereit waren. Der SV Höngg beschäftigt etwa 50 Trainer, die eine Spesenentschädigung erhalten. Wegen der ausgefallenen Trainings habe der Vorstand ihnen einen Teil davon angeboten. «Aber viele wollen gar kein Geld, sie wollen dem Verein helfen», sagt Barbara Gubler. Darauf hofft man auch beim BC Albisrieden, wo nur die Trainer der Aktiv-Mannschaften entlöhnt werden. «Ich werde mich mit den Trainern hinsetzen und sie fragen, ob sie auf freiwilliger Basis auf einen Teil verzichten», sagt Hager.

Heimspiele sind nicht rentabel

Kommen schliesslich noch die Einnahmen aus den Heimspielen. FCZ-Präsident Ancillo Canepa rechnet mit einem Verlust im sechsstelligen Bereich pro Geisterspiel im Letzigrund. Für die Amateure sind die Zuschauerreinnahmen weniger entscheidend – für den FC Wettswil-Bonstetten noch nicht einmal rentabel. Präsident Fischer sagt: «Wir können die Kosten der Heimspiele nicht mit den Zuschauereinnahmen decken.»