Zum Hauptinhalt springen

Geldblog: AktienfondsWarum haben sich Dividenden-ETFs so schlecht entwickelt?

Die Aktienindizes brechen wieder Rekorde. Welche Fonds davon profitieren, hängt allerdings sehr von den Branchen ab, in denen sie investiert sind.

Die Märkte haben sich erholt. Das gilt jedoch nicht für alle Branchen.
Die Märkte haben sich erholt. Das gilt jedoch nicht für alle Branchen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Im Januar 2020, kurz vor der Pandemie, hatte ich den iShares Euro Dividend ETF und den iShares Emerging Markets Dividend ETF praktisch auf dem Höchsttand gekauft. Die Fonds sind dann um bis zu 45 Prozent eingebrochen. Mittlerweile brummt die Börse, und viele Indizes sind höher als vor einem Jahr. Jedoch sind meine ETFs noch immer knapp 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Wechselkurse haben sich zwischenzeitlich kaum verändert. Warum haben sich die Kurse dieser beiden ETFs nicht im Gleichschritt mit den Aktien erholt? Leserfrage von R. B.

Tatsächlich haben sich die Aktienmärkte gut vom Einbruch wegen der Corona-Pandemie im letzten Jahr erholt. Einige Indizes, wie etwa die US-Techbörse Nasdaq, notieren heute klar höher als noch vor der Pandemie und haben in diesem Jahr bereits mehrmals Rekordwerte erreicht. Wenn man in den Medien nur von neuen Rekordständen einiger Indizes hört, geht allerdings vergessen, dass längst nicht alle Märkte und auch längst nicht alle Einzelwerte den Crash vom letzten Jahr gut überstanden und die Rückschläge aufgeholt haben.

Viele Aktien notieren weiter im Keller. Selbst der Swiss Market Index hat trotz erfreulicher Entwicklung die alten Rekordwerte noch nicht erreicht. An den Börsen haben wir eine Zweiteilung gesehen: Während insbesondere die Technologiewerte stark zulegten, gehen andere Aktien nach wie vor durchs Jammertal.

Dies hat mit den unterschiedlichen Folgen der Pandemie für die Branchen zu tun. Während zum Beispiel die Reisebranche noch länger unter der Covid-Krise leiden wird, profitiert der Tech-Sektor davon, dass die Digitalisierung einen eigentlichen Schub durchmacht.

Der Tech-Sektor profitiert vom Schub bei der Digitalisierung.

Mit den beiden Exchange Traded Funds haben Sie auf Dividendenstrategien in den Aktienmärkten Europas und in den Schwellenländern gesetzt. Genau da liegt das Problem, wie Claudine Sydler, Head Portfolio Management bei der auf ETF-Anlagen spezialisierten Hinder Asset Management auf meine Anfrage hin erklärt: «Der Vergleich mit den beiden marktkapitalisierungsgewichteten Indizes Euro Stoxx 50 und MSCI Emerging Markets Index zeigt, dass Dividendenstrategien im Jahr 2020 das Nachsehen hatten.»

Unter Berücksichtigung der Dividenden, die bei beiden ETFs ausgeschüttet wurden, büsste der iShares Euro Dividend über ein Jahr rund 15 Prozent an Wert ein, während der Euro Stoxx 50 Index nur rund 1,5 Prozent in Schweizer Franken verlor. Das entspricht einer Underperformance von 13,5 Prozentpunkten. Die Performance-Differenz zwischen Dividendenstrategie und Marktkapitalisierung ist bei den Schwellenländern noch ausgeprägter: 26,7 Prozentpunkte schlechter hat sich der iShares EM Dividend ETF im Vergleich zum marktkapitalisierungsgewichteten Index über ein Jahr entwickelt.

«Das unterdurchschnittliche Abschneiden der ETFs, die auf Aktien mit hoher Dividendenrendite setzen, ist auf deren Sektorzusammensetzung zurückzuführen», sagt Sydler weiter. «Beide Dividenden-ETFs sind mit über 26 Prozent in Finanzaktien investiert, welche im vergangenen Jahr herbe Verluste hinnehmen mussten.»

In den Dividenden-ETFs ebenfalls stark vertreten sind mit einem Anteil von rund 14 Prozent die im Pandemie-Jahr arg gebeutelten Immobilienaktien. Auf der anderen Seite sind die beiden ETFs kaum in Tech-Werten investiert, den Börsenlieblingen schlechthin im vergangenen Jahr.

7 Kommentare
    Kurt Seiler

    Ist bei diesen Produkten halt meistens so, dass die (hohen) Dividenden nicht den Kursrückgang kompensieren können.

    ...und dann noch die Dividenden versteuern

    Finger weg