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Corona-HygienemassnahmenWarum Handschuhe und Hygienespüler sinnlos sind

Manche Präventivmassnahmen schaden mehr, als dass sie nützen – aber beim Wäschewaschen lohnt es sich, ein paar Punkte zu beachten.

Experten raten vom Tragen von Hygienehandschuhen ab: Unter anderem, weil es beim Ausziehen zur Kontamination der Hände mit all dem, was auf den Handschuhen ist, kommen kann.
Experten raten vom Tragen von Hygienehandschuhen ab: Unter anderem, weil es beim Ausziehen zur Kontamination der Hände mit all dem, was auf den Handschuhen ist, kommen kann.
Foto: Getty

Wer dieser Tage Plastikhandschuhe braucht, steht vor leeren Regalen: ausverkauft. Kein Wunder. Was früher nur im medizinischen Bereich gebräuchlich war, ist seit Corona auch im Detailhandel üblich: Die Kunden werden mit Plastikhandschuhen bedient.

Drei Argumente sprechen jedoch gegen dieses Handschuhtragen:

Falsches Sicherheitsgefühl

«Es vermittelt oft ein falsches Gefühl von Sicherheit. Falls die Handschuhe mit Coronaviren kontaminiert würden und man sich danach ins Gesicht fasst, kann eine Ansteckung erfolgen», sagt Sarah Tschudin Sutter, Leitende Ärztin für Infektiologie am Universitätsspital Basel. «Um einer Ansteckung mit Coronaviren vorzubeugen, ist das Tragen von Handschuhen im öffentlichen Raum nicht sinnvoll – wichtig ist eine gute Handhygiene.»

Kontaminationsgefahr

«Es gibt Studien, die zeigen, dass das Tragen von Handschuhen die korrekte Handhygiene sogar behindert. Zudem kommt es beim Ausziehen von Handschuhen leichter zur Kontamination der Hände mit all dem, was auf den Handschuhen ist», sagt die Leitende Ärztin Evelin Bucheli Laffer von der Abteilung für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Aarau (KSA).

Kontaktallergien

«Das Tragen von Handschuhen kann Kontaktallergien verursachen. Deshalb sollte man bei den Handschuhen vor allem auf Latexfreiheit achten», rät Markus Streit, Chefarzt Dermatologie und Allergologie am KSA.

Stoffhandschuhe zu durchlässig

Ergo: Handschuhe tragen ist nicht empfehlenswert, regelmässiges Händewaschen, allenfalls desinfizieren, und eine gute Hautpflege aber schon. Wer trotzdem lieber Plastikhandschuhe trägt, sieht hier, wie man sie richtig auszieht.

Also Stoffhandschuhe? Auch sie sind nutzlos, weil sie erstens durchlässig sind für Bakterien, Viren und andere Mikroben und zweitens, weil die Coronaviren die Haut ja gar nicht durchdringen können.

«Hygienespüler komplett überflüssig»

Ausverkauft ist oft auch der Hygienespüler, von dem sich manche zusätzlichen Corona-Schutz erhoffen. «Richtiges Waschen genügt. Es macht die gewaschene Wäsche hygienisch sicher», stellt Armin Schuster klar, Biologe am Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg im Breisgau. Das Trocknen und eventuelle Bügeln würden zusätzliche Sicherheit geben.

Schuster hält den Hygienespüler deshalb für «komplett überflüssig». Behüllte Viren wie Sars-CoV-2, HIV oder Hepatitis B würden bereits durch die Tenside im Waschmittel zerstört. «Die Waschtemperatur ist dabei nach allem Ermessen bedeutungslos. Wichtig ist aber, dass das Waschmittel entsprechend der Wasserhärte in einer wirksamen Konzentration eingesetzt wird und die gesamte Wäsche erreicht.» Die Maschine darf also weder zugestopft noch minimal befüllt werden, weil beides das Waschergebnis stark verschlechtere. Tipp des Fachmanns: «Regelmässig, zum Beispiel einmal pro Monat, 60-Grad-Vollwaschmittel verwenden und immer auf das Trockenhalten der Maschine zwischendurch achten.»

Mit 60 Grad ist man auf der sicheren Seite

Auch der Schweizerische Kosmetik- und Waschmittelverband (SKW) hält die 30-Grad-Wäsche in der Regel für ausreichend, um etwaige Coronaviren zu beseitigen, verweist aber darauf, dass hygienisch Anspruchsvolles wie Handtücher, Wasch- und Spüllappen bei 60 Grad gewaschen werden sollten. Zudem könnten kurze Programme die Hygienewirkung reduzieren.

Und wenn nun der Nachbar Corona hat und man sich die Waschmaschine teilt? Theoretisch könnten die Viren an seiner Kleidung haften, jedenfalls wurden an Ärmeln von Spitalmitarbeitern schon Virenschnipsel gefunden. Offen ist aber, ob und wie lange sie dort infektiös wären. Bei den mit Sars-CoV-2-verwandten Sars-Viren bestand ein Ansteckungsrisiko rund zwei Tage, aber das auch nur bei einer grossen Menge auf dem Stoff. War sie klein, ging schon nach einer Stunde kein Risiko mehr von ihnen aus.

Biologe Schuster hat bezüglich der Nachbarschaft keine Sorge: «Dass das Innere der Maschine vom Vorgänger kontaminiert wurde, ist nicht zu befürchten. Wichtig ist vielmehr, dass man sich nach dem Befüllen der Maschine mit der Schmutzwäsche die Hände wäscht, insbesondere, wenn erkrankte Mitbewohner oder Haustiere im Haushalt sind.»

Wer dennoch Bedenken hegt, hält sich am besten an den Rat des Kosmetik- und Waschmittelverbands: Als Vorsichtsmassnahme in einer Gemeinschaftswaschküche oder wenn ein Familienmitglied erkrankt ist, sei es sinnvoll, für die erste Wäsche ein bleichmittelhaltiges Waschmittel bei 60 Grad zu verwenden.

Gummidichtung: Kaum Infektionsrisiko

Vor dem Entnehmen der gewaschenen Wäsche rät Schuster zu einer Hygienemassnahme: «Ich würde mit einem Lappen das Türglas und die Dichtung sauber und trocken wischen. Aber nicht wegen irgendwelcher Mikroben, sondern weil sich dort Schmutz- und Waschmittelreste ansammeln, über die ich die frisch gewaschene Wäsche nicht ziehen würde.» Dass von der Gummidichtung, der Einfüllöffnung oder der Tür Infektionen ausgehen können, sei im Privathaushalt «nur ganz theoretisch denkbar», sagt Schuster. «Für ein reales Problem halte ich das nicht.»