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Kolumne Krogerus & TschäppelerWir lieben Kreativität, aber nicht die Kreativen

Der Getzels-Jackson-Effekt: Ein paar Gedanken zu den Voraussetzungen fürs Neudenken.

Foto: Roman Tschäppeler

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie stehen im Kunstmuseum und betrachten ein Werk. Es ist ein modernes, abstraktes Bild. Ein Strich und ein Kreis, nicht mehr. Sie denken: «Das hätte mein Fünfjähriger malen können.» Und Sie haben recht. Jeder durchschnittliche Fünfjährige könnte eine Zeichnung anfertigen, die dem Bild an der Wand ähnelt. Laut dem Philosophen Daniel Dennett wäre das jedoch nicht kreativ, es wäre niedlich.

Warum sind Kinderzeichnungen nicht kreativ?

Weil Ihr Sohn keinen Regelbruch beging – die eigentliche Definition von Kreativität. «Jootsing», kurz für: «jumping out of the system» («aus dem System springen»), nannte der Physiker Douglas Hofstadter, von dem in dieser Reihe schon einmal die Rede war (Hofstadter’s Law), das, was es braucht, um Neues – in der Kunst, Wissenschaft oder Wirtschaft – überhaupt erst zu ermöglichen. «Jootsing» bedeutet: sich ausserhalb des Gedachten bewegen. Aber um sich ausserhalb des Gedachten zu bewegen, muss man wissen, was gedacht ist.

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