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Q&A zur Sunrise-ÜbernahmeWas der UPC-Deal für die Konsumenten bedeutet

Der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber will Sunrise für 6,8 Milliarden Franken übernehmen. Kommt der Kauf zustande, hat er direkte Folgen für die Kunden von Konkurrent Salt.

UPC bringt den eigenen Sportkanal Mysports in die «Ehe» mit Sunrise ein.
UPC bringt den eigenen Sportkanal Mysports in die «Ehe» mit Sunrise ein.
Foto: Christian Merz (Keystone)

Nachdem der Kauf von UPC durch Sunrise im November 2019 abgeblasen wurde, ist die Übernahme nun wiederbelebt: Die UPC-Muttergesellschaft Liberty Global bietet fast 7 Milliarden Franken für den Schweizer Telecombetreiber. Der Verwaltungsrat von Sunrise empfahl am Mittwoch das Angebot zur Annahme – auch der Vertreter der deutschen Grossaktionärin Freenet, die sich beim ersten Versuch quergestellt hatte (zum Bericht zur Sunrise-Übernahme).

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was bringt die Übernahme den Kunden von UPC und Sunrise?

Sie erhalten ein vollständiges Angebot mit Mobilfunk, Festnetztelefonie, Internet und digitalem Fernsehen aus einer Hand. Denn beide Unternehmen würden ihre Netze und Dienstleistungen einbringen: Sunrise das Mobilfunknetz mit dem schnellen 5G-Standard. Und UPC das Kabelnetz mit Zugang zu 2,9 Millionen Haushalten und einer flächendeckenden Übertragungsgeschwindigkeit von 1 Gigabit pro Sekunde. Weiter steuert UPC das eigene digitale TV-Angebot mit exklusiven Inhalten wie Liveübertragungen vom Schweizer Eishockey bei.

Laufen die Abonnements der Kunden von UPC und Sunrise nach dem Geschäft einfach weiter, oder wird es neue Preismodelle geben?

Sunrise werde während der Angebotsfrist weiterhin unabhängig operieren und seine Angebote für Privatkunden weiterentwickeln, heisst es auf Anfrage. Eine Sunrise-Sprecherin sagt dazu: «Für die Sunrise-Kunden wird es in dieser Zeit keine Veränderungen geben.» Was danach geschieht, liess sie indes offen. Sie sagte einzig, das neue Unternehmen werde über die «nötige Grösse verfügen, um Innovationen voranzutreiben». UPC teilt mit: «Auch nach Abschluss der Transaktion können unsere Kunden unsere Dienste weiterhin nutzen.»

Noch Ende 2019 erklärte Sunrise die Übernahme von UPC für endgültig gescheitert. Warum will die UPC-Muttergesellschaft jetzt plötzlich Sunrise kaufen?

An der Ausgangslage hat sich auch nach dem geplatzten Kauf von UPC durch Sunrise nichts geändert: Der Schweizer Telecommarkt ist hart umkämpft und gesättigt. Branchenkenner sind deshalb weiterhin von einer Bereinigung ausgegangen. Die Telekommunikation ist getrieben durch hohe Investitionen in die Infrastruktur. Kleine Anbieter können das kaum mehr ohne finanzkräftige Geldgeber oder einen starken Partner stemmen. Offensichtlich ist die UPC-Muttergesellschaft zum Schluss gekommen, dass sich der grösste Kabelnetzbetreiber des Landes besser mit Sunrise gemeinsam gegen Marktführer Swisscom behaupten kann als im Alleingang.

Müssen die Mitarbeiter von UPC und Sunrise mit einem Stellenabbau rechnen?

Liberty-Global-Chef Mike Fries sagte am Mittwoch während einer Telefonkonferenz, ein Stellenabbau könne bei einer Übernahme nie ausgeschlossen werden. Wie viele Arbeitsplätze in Gefahr sind, wollte Fries nicht bekannt geben: So weit seien die Managements beider Unternehmen in der Planung noch nicht. Fries rechnet mit jährlichen Synergien von 275 Millionen Franken in vier bis fünf Jahren nach Zustandekommen des Geschäfts.

Was bedeutet der Deal für die Kunden von Konkurrent Swisscom?

Sinkende Preise sind eher nicht zu erwarten, da der Marktführer der Herausgeforderte ist und nicht der Herausforderer. Die Swisscom befindet sich also nicht unter Zugzwang. Der Wettbewerb dürfte anderswo stattfinden: Eher können die Swisscom-Kunden mit einer steigenden Qualität der Netze, attraktiveren Promotionen und besseren Angeboten rechnen. «Dieser Trend hat sich mit Homeoffice in den letzten Monaten sogar akzentuiert», meinen die Branchenkenner der Zürcher Kantonalbank (zum Kommentar zur Sunrise-Übernahme).

Und was ist mit den Kunden von Salt?

Salt wird im neuen Umfeld zwei starken Wettbewerbern gegenüberstehen. Mit Nadelstichen bei der Preispolitik dürfte der kleinste Vollanbieter des Landes weniger ausrichten als bisher. Für die Salt-Kunden kommt es aber noch dicker: Als Folge der geplanten neuen Übernahme werde die gerade erst beschlossene Kooperation von Sunrise und Salt für den Glasfaserausbau auf Eis gelegt, sagte Sunrise-Verwaltungsratspräsident Thomas Meyer. Sunrise und Salt hatten im Mai das Gemeinschaftsunternehmen Swiss Open Fiber gegründet, um in den nächsten fünf bis sieben Jahren 1,5 Millionen neue Glasfaserleitungen in die Haushalte zu legen.

Überall in Europa zieht sich die UPC-Mutter Liberty Global mit ihren Telecom-Tochtergesellschaften zurück, aber ausgerechnet in der Schweiz nicht. Warum?

Weil es sich vermutlich um einen Rückzug über Umwege handelt. Mit einer Fusion von UPC und Sunrise schafft Liberty Global ein attraktives neues Unternehmen, das später an die Börse gebracht werden kann. Dort könnte der neue Telecomanbieter zum Verkauf angeboten werden. Liberty-Global-Chef Fries hält einen Börsengang für denkbar, wie er am Mittwoch betonte.