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Analyse der Corona-KriseWas die Ökonomen empfehlen

Die Wirtschaftsprofessoren der Universität Zürich haben in einem Positionspapier festgehalten, wie die Krise bewältigt werden kann und wo die Massnahmen des Bundes noch ungenügend sind.

«Es wird viel an scheinbaren ökonomischen Weisheiten herumgeboten»: Starökonom und Mitunterzeichner David Dorn.
«Es wird viel an scheinbaren ökonomischen Weisheiten herumgeboten»: Starökonom und Mitunterzeichner David Dorn.
Reto Oeschger (Tamedia)

Der Umgang mit der aktuellen Krise hat weltweit eine intensive Debatte auch unter Ökonomen befeuert. Sämtliche Volkswirtschaftsprofessoren der Universität Zürich haben nun am Donnerstag ebenfalls ein achtseitiges Papier unter dem Titel «Testen und Einfrieren – eine Überlebensstrategie für die Schweizer Volkswirtschaft» veröffentlicht (Hier findet sich das Papier).

David Dorn, einer der Autoren und international renommierter Wirtschaftsexperte, erklärt die Motivation: «Es wird viel an scheinbaren ökonomischen Weisheiten herumgeboten. Wir wollen zeigen, dass eine Reihe von Einschätzungen zur gegenwärtigen Krise relativ unbestritten ist.» Den sich herausbildenden Konsens in der ökonomischen Wissenschaft angewandt auf die Schweiz darzustellen, sei deshalb ein wichtiger Zweck des Papiers.

Kapazitäten im Gesundheitssystem ausweiten

Die wirtschaftlich kostspieligen Einschränkungen in der gesamten Wirtschaft halten die Autoren kurzfristig für richtig. Sie seien nötig, um eine exponentiell ansteigende Verbreitung des Virus zu verhindern. Doch der Konflikt zwischen medizinisch Notwendigem und Schädigung der Wirtschaft löse sich auf, wenn es gelinge, die Virustests in der breiten Bevölkerung und die Möglichkeiten für das Nachverfolgen aller Kontakte (Contact Tracing) von infizierten Personen massiv auszuweiten.

Die Kosten dafür seien jedenfalls sehr viel geringer als jene des Beinahestillstands der Wirtschaft. Sind einmal die vom Virus direkt betroffenen Personen und die Übertragungswege sehr viel konkreter als heute bekannt, können die flächendeckenden Einschränkungen für die Wirtschaft «schrittweise» wieder aufgehoben werden, sind die Ökonomen überzeugt.

Für einen Ausbau des Contact Tracing empfehlen die Ökonomen kurze Ausbildungsgänge für verfügbare Arbeitskräfte.

Um Anreize gegen Tests zu beseitigen, sollten diese die Leute nicht über die Franchise der Krankenkassen bezahlen müssen. Für einen Ausbau des Contact Tracing empfehlen die Ökonomen kurze Ausbildungsgänge für verfügbare Arbeitskräfte und zusätzlich kurzfristig auch den Einsatz von Angehörigen aus dem Zivilschutz und dem Militär. Neben Investitionen in Tests und das Contact Tracing seien Investitionen besonders geboten, die zu einer Ausweitung der benötigten Kapazitäten im Gesundheitssystem führen.

Kurzarbeit besser als «Giesskannen-Zahlungen»

Weiter befassen sich die Ökonomen mit den Folgen der weitgehend stillgelegten Wirtschaft. Ziel der Massnahmen durch den Staat sei jetzt nicht, zusätzliche Nachfrage wie in einer gewöhnlichen Rezession zu generieren. Es gehe vielmehr darum, die Volkswirtschaft in ihrem Vorkrisenzustand «einzufrieren». Das heisst, es müsse dafür gesorgt werden, dass während der Krise möglichst wenige Jobs verlorengehen und Unternehmen nicht reihenweise ihre Tore schliessen müssen.

Kurzarbeit kommt gezielt jenen zugute, die sonst grosse Einkommenseinbussen hätten.

In diesem Sinne befürworten die Autoren die in der Schweiz ergriffenen Massnahmen des Bundes. Das Instrument der Kurzarbeit loben sie besonders. Es sei auf jeden Fall besser als generelle Zahlungen «mit der Giesskanne». Das Instrument kommt gezielt jenen zugute, die sonst grosse Einkommenseinbussen hätten. Zudem verhindert es Entlassungen, weil es auch die Unternehmen finanziell entlastet, die sonst keine Löhne mehr bezahlen könnten.

Ausfallende Gewinne durch Staatsgelder ersetzen

Bei den geplanten Massnahmen zur Stützung der Unternehmen befürworten die Ökonomen zwar die Liquiditätsversorgung über Kredite, die vom Bund garantiert werden. Doch sie regen an, auch hier – entsprechend der Kurzarbeit für Beschäftigte – zusätzlich krisenbedingt ausfallende Gewinne durch Staatsgelder zu ersetzen.

Diese müssten dann nicht zurückbezahlt werden. Man könne sich dabei an Gewinnen im Vorfeld orientieren, um Missbräuche zu verhindern. Trotz der grosszügigen Kredite drohten sonst viele kleine Unternehmen eher ihre Unternehmen aufzugeben und Leute zu entlassen, als sich eine in Zukunft belastende Verschuldung aufzuladen.

Von einer Finanzierung des Staates durch die Nationalbank halten die Ökonomen nichts.

Wenig Bedenken haben die Ökonomen, dass die ansteigende Staatsverschuldung für die Schweiz zu einem Problem wird: zum einen, weil die Verschuldung im internationalen Vergleich sehr gering ist, zum andern weil der Bund dank Negativzinsen an neuen Schulden aktuell sogar etwas verdient. Von einer Finanzierung des Staates durch die Nationalbank halten die Ökonomen hingegen nichts.