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Folgen des FelssturzesWas es mit dem neuen Absperrgitter am Uetliberg auf sich hat

Weil sich mächtige Gesteinsbrocken lösten, ist ein Bereich unterhalb des Uto-Kulms nicht mehr zugänglich. Bei der Massnahme geht es aber um mehr als Sicherheit.

Happiger Haufen: Im Januar 2020 haben sich diese Brocken aus dem Berg gelöst – unmittelbar neben dem Wanderweg zum Uetliberg-Gipfel.
Happiger Haufen: Im Januar 2020 haben sich diese Brocken aus dem Berg gelöst – unmittelbar neben dem Wanderweg zum Uetliberg-Gipfel.
Foto: zVg

Es sieht beinahe so aus, als würde an der neuerdings umzäunten Stelle unterhalb des Uto-Kulm etwas Kostbares gelagert. In gewisser Weise stimmt das auch: Hinter dem Maschendraht befindet sich eine Gesteinsart, die als «geologisch-geomorphologisches Schutzobjekt» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) aufgeführt ist.

Anders als der Grossteil des Uetlibergs bestehe der Bereich beim Gipfel nicht aus Molasse, sondern aus verfestigtem Lockergestein, erklärt Christoph Gassmann, Leiter Oberbau und Geotechnik beim kantonalen Tiefbauamt. «Es ist eine sehr viel jüngere Gesteinsartwobei wir hier immer noch von rund 200’000 Jahre alten Ablagerungen sprechen.»

Zeitzeuge aus der Eiszeit

Das Schottergestein auf dem Uetliberg zählt zu den ältesten eiszeitlichen Zeugen der Nordschweiz. Bereits 1869 erkannte der Schweizer Wissenschafter und Bauingenieur Hans Konrad Escher von der Linth die Bedeutung der Ablagerungen und bezeichnete sie als «diluviale löcherige Nagelfluh». Diese bildet westlich und südlich des Uto Kulms steile Felswände und -türme. «Das ist ein nicht alltägliches Phänomen, weshalb diese Stellen für Geologen besonders interessant sind», sagt Gassmann.

Hinter Gitter: Seit März ist die Abbruchstelle gesichert. Mitarbeiter des kantonalen Tiefbauamtes gelangen durch die Tür hinein und überprüfen den Bereich periodisch.
Hinter Gitter: Seit März ist die Abbruchstelle gesichert. Mitarbeiter des kantonalen Tiefbauamtes gelangen durch die Tür hinein und überprüfen den Bereich periodisch.
Foto: zVg

Der Bereich unterhalb der Aussichtsplattform ist allerdings nicht aus Inventargründen hinter Gitter, sondern weil sich an dieser Stelle Anfang Jahr unmittelbar neben dem Wanderweg Gesteinsbrocken lösten, die zum Teil über 200 Kilogramm schwer waren . Die Baudirektion des Kantons Zürich liess den Weg daraufhin umgehend sperren und die Abbruchstelle durch Geologen untersuchen.

Seit März ist die Stelle nun eingezäunt. Nur Mitarbeitende des kantonalen Tiefbauamts gelangen noch über eine Tür hinein, um den Bereich periodisch zu überprüfen oder heruntergefallenes Gestein zu entfernen. Ein Schild weist Wanderer zudem darauf hin, dass die Gefahr von Steinschlag droht und sie diesen Abschnitt achtsam passieren müssen.

«Weil die Abbruchstelle unter Schutz steht, hätte wir sie natürlich nicht mit Ankern und Spritzbeton sichern können.»

Christoph Gassmann, Leiter Oberbau und Geotechnik Tiefbauamt Kanton Zürich.

Mit diesen Massnahmen konnte die Sicherheit auf der Strecke gewährleistet und der Wanderweg zum Gipfel wieder geöffnet werden, sagt Gassmann. Andernfalls hätte der Weg vielleicht ganz gesperrt werden müssen. «Unsere Aufgabe ist es, die Bauwerke zur Sicherung der Wanderwege so zu platzieren und instand zu setzen, dass sie die Landschaft möglichst schonen. Und weil die Abbruchstelle unter Schutz steht, hätten wir sie natürlich nicht mit Ankern und Spritzbeton sichern können.»

Es ist nicht auszuschliessen, dass sich wieder Gestein lösen wird. Klimatische Veränderungen wie grosse Hitzeperioden hatten aber laut Gassmann bisher keine Auswirkungen auf den Untergrund des Uetlibergs. Die Landschaftsformationen der Albiskette werden schon seit über hundert Jahren beobachtet. «In dieser Zeit war alles stabil, mit Ausnahme von einzelnen Ereignissen wie diesem Blocksturz Anfang Jahr. Das ist aus geologischer Sicht aber ein ganz normaler Verwitterungsprozess.»

1 Kommentar
    Peter Meier

    „In dieser Zeit war alles stabil.“ Das war nicht immer so. Am Aeugsterberg, direkt gegenüber der Albiskette ereignete sich der grösste Bergsturz der Mittellandes. 75 Millionen m³ (fast das Doppelte des Goldauer Bergsturzes) fielen ins Reppischtal. Das Ereignis liegt rund 10‘000 Jahre her. Die Sackung geschah wegen des sich zurückziehenden Gletschers. Auf der Karte ist das Quadratkilometer grosse Gebiet deutlich zu erkennen.