Zum Hauptinhalt springen

Never Mind the MarketsWas Geldpolitik über Hitlers Machtergreifung lehrt

Mit erneuter Gefahr einer platzenden Blase lohnt sich ein Blick zurück auf die ökonomischen Gründe für den Aufstieg der Nationalsozialisten. Bestehen Parallelen?

Verhalf die Deflation ihm an die Macht? Adolf Hitler verlässt das Hotel Kaiserhof in Berlin am 30. Januar 1933, nach seiner Ernennung zum Reichskanzler.
Verhalf die Deflation ihm an die Macht? Adolf Hitler verlässt das Hotel Kaiserhof in Berlin am 30. Januar 1933, nach seiner Ernennung zum Reichskanzler.
Foto: AP Photo / Keystone

Die Hyperinflation in den 1920er-Jahren und der Einbruch der Aktienkurse im Jahr 1929 werden oft als wesentliche Wegbereiter für die Machtergreifung von Adolf Hitler und seinen Nationalsozialisten in Deutschland gesehen. Das hat aktuell insofern Gewicht, als die massive Geldversorgung der Notenbanken weltweit oft dafür kritisiert wird, erneut eine Inflation anzuheizen, und weil die extrem tiefen Zinsen Haupttreiber der Börsen sind. Eine platzende Blase wird damit erneut möglich.

Bleibt man bei den ökonomischen Gründen für den Machtzuwachs der Nationalsozialisten, spielt jedoch weder die Inflation von 1923 die entscheidende Rolle, noch der Börsencrash von 1929 in New York, der gern als Startpunkt für die Weltwirtschaftskrise bezeichnet wird.

Das zeigt eindrücklich das nach der englischen Originalausgabe neu auch in Deutsch erhältliche Buch des Schweizer Wirtschaftshistorikers Tobias Straumann «1931, die Finanzkrise und Hitlers Aufstieg».
Zur Machtergreifung von Hitler hat das genaue Gegenteil von Inflation geführt: Die Politik des damaligen Reichskanzlers Heinrich Brüning. Sie hat zu einem Einbruch der Preise geführt – einer Deflation.

Konkret hat er im Jahr 1931 einen harten Sparkurs verfolgt, um die aus dem Krieg stammenden Reparationsschulden und aufgenommenen Kredite fristgerecht zurückzahlen zu können. Damit schwächte er eine ohnehin schon mangelhafte Nachfrage, was den Preiszerfall beschleunigt hat. Der daher zunehmende Wert des Geldes und die sinkenden Einkommen erhöhten die Schuldenlast weiter. Das führte zum Zusammenbruch von Banken und verschlimmerte die Krise spiralförmig weiter.

Erst in diesem Umfeld legten die Nationalsozialisten bei den Wahlen massiv zu, wie Straumann akribisch genau nachzeichnet. Der Goldstandard und eine mangelnde internationale Kooperation zum Umgang mit den Schulden verhinderten damals ein Ausbrechen aus dem Teufelskreis.

Diese Betrachtung der Geschichte bedeutet, dass die Politik der Notenbanken seit der Finanzkrise richtig war, um jeden Preis eine Deflation zu verhindern, gerade auch angesichts hoher Schulden. Trotz ihren Geldschüben blieb die Teuerung seither tief bis negativ, weil das Geld bisher nicht in der Wirtschaft angekommen ist. Gut möglich, dass sich das künftig ändert und die Inflation etwas ansteigt. Das wäre aber eine erwünschte Normalisierung und nicht vergleichbar mit der Lage in Deutschland vor fast 100 Jahren.

27 Kommentare
    Rolf Zach

    Es muss uns bewusst sein, dass die Jahre zwischen 1932 bis 1939

    für die Schweiz verlorene Jahren waren, wir waren 1939 ärmer als 1932. Bei den Kraftwerke Oberhasli wurde ab 1932 der Ausbau eingestellt und erst wieder 1939 aufgenommen. Es war ein folgenschwerer Fehler, dass während dieser Zeit keine grossen öffentlichen Infrastruktur-Aufgaben in Angriff genommen wurden.

    Wenn jetzt der Ruf laut wird, den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur wegen staatlichen Defiziten aufgrund der Covid-19 Pandemie aufzuschieben oder nicht mehr zu verfolgen, macht einen schweren Denkfehler. Es ist die Pflicht unserer Nationalbank mindestens

    40 Milliarden SFr. für diesen Zweck dem Bund zu übergeben. Wenn sie es nicht tut, werden wir es bereits in 3 Jahren sehr bereuen. Es ist nicht die Aufgabe der Nationalbank, die US-Börse zu stützen mit all ihren anrüchigen Finanz-Instrumenten, wovon es Informationen gibt, dass die SNB auch in REIT's investiert, die in den USA eine eher üble Vergangenheit haben.