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Papablog: Spezialwoche zum VaterschaftsurlaubWas modernen Vätern zu schaffen macht

Männer sprechen nicht gerne über ihre Gefühle, sagt man. Aber wie siehts bei den Vätern aus? Eine Bestandsaufnahme.

Gestresst, frustriert, ängstlich? Väter sollten sich ihren Gefühlen stellen – und darüber reden.
Gestresst, frustriert, ängstlich? Väter sollten sich ihren Gefühlen stellen – und darüber reden.
Foto: Getty Images

Was bedeutet Vaterschaft heute? Welche Themen beschäftigen die Papas besonders? Und was geben sie ihren Kindern mit auf den Weg? Vor dem Abstimmungssonntag überlassen wir den Mamablog eine Woche lang den Vätern.

Unsere Vorbilder waren Bruce Willis, Chuck Norris oder Hausi Leutenegger. Ok, Letzteren lassen wir mal aussen vor, ist mir gerade so rausgerutscht. Willis passt, vielleicht noch Schwarzenegger und Stallone. Chuck Norris streichen wir auch, weil er zeitlich schwierig einzuordnen ist und wohl schon Jesus’ Idol war, damals beim Posen auf dem Pausenhof, damals in Nazareth. Aber die erwähnten, inzwischen allesamt pensionierten Kinoknaben, haben uns in den 90ern inspiriert. Klar, wollten wir sein wie sie: Schnelle Schlitten fahren, Fäuste verteilen, Schweinebacken erledigen. Heute steuern wir Mazdas, verteilen Gummibärchen und erledigen den Abwasch. Was zum Teufel ist aus uns geworden? Väter. Wir sind Väter geworden – und das ist gut so.

Doch, Bruce, auch Männer haben Gefühle

Auch wir Väter haben heutzutage viele Hüte auf. Hüte, die ähnlich prallvoll sind wie der Büstenhalter von Samantha Fox, um nochmals ins inspirative Wunderland der Jugend einzutauchen. Die meisten meiner Väterfreunde arbeiten nämlich ebenfalls Teilzeit und kümmern sich daneben ebenfalls Vollzeit um die Kinder – genauso wie viele Mütter auch. Fragt man da hin und wieder vorsichtig nach, wie es denn so laufe mit all dem Zeugs unter all den Hüten, führt die Reise oft an jenen Ort des menschlichen Daseins, den man wohl Gefühlswelt nennt. Ja, dann spricht manch einer über sein Innerstes. Nein, Bruce, das ist nicht dasselbe wie jammern. Aber es gibt durchaus einiges, das auch uns Väter schafft.

Der eine fühlt sich permanent überfordert, nennen wir ihn Chris. Ok, die Anzahl seiner Kinder ist gleich üppig, wie jene von Roger Federer – ein halbes Dutzend Nannys exklusive. «Mir fehlt oft die Geduld mit den Kids. Ich bin dann total enttäuscht von mir», sagt Chris. Igors (Name auch geändert) Problem liegt seit der Geburt der Tochter im Lendenbereich. «Der Papst hat wohl mehr Sex als ich. Meine Partnerin kommt nicht mehr auf Touren», beichtet er mir zum x-ten Mal.

Ich selber (Name nicht geändert) fliege regelmässig mit der Helikopternummer ums Eck, denn ich bin wohl übervorsichtig, überwache oder verbiete lieber, als dass ich die Kleinen ihre eigenen Erfahrungen machen lasse – was läuft falsch? Jedenfalls treffe ich häufig auf Väter, mit denen man diskutiert und die eigenen Zweifel, Sehnsüchte oder Ängste anspricht. Aber ist das der Normalfall?

Daddy hält viel zu oft die Klappe

«Männer brauchen einen geschützten Rahmen, Vertrauen, dann sprechen sie über alles», sagt Markus Bürki, der die Beratungsseite paparlapapp.ch betreibt und im Baselbiet Männer- und Väterrunden leitet. Herrencoach Bürki weiss aber auch: «Teilnehmer zu finden ist ziemlich schwierig.» Schwulentreff, Gerede oder Gefühlsduselei – es gibt für viele Männer offenbar immer noch tausend Gründe, nicht über Probleme und Ähnliches sprechen zu müssen. «Manchmal erklären sie mir sehr eindrücklich, weshalb sie nicht gerne über ihre Gefühle reden. Dabei offenbaren sie einen unglaublichen Mitteilungsdrang.»

Ein Widerspruch. Denn Männer sollten nicht nur schneller als ihr Schatten schiessen, sondern hin und wieder über selbigen springen. «Viele der Diskussionen drehen sich um die Kommunikation: Wie sage ich meiner Partnerin? Wie kommuniziere ich mit meinem Kind, wenn es Scheisse baut?» Simple, aber sinnvolle Diskussionen mit Fragen, die sich freilich auch geschlechterunabhängig stellen.

Kein Quatsch: Quatschen hilft gegen Eisberge

Väter übernehmen Verantwortung. Nicht nur, wenn es darum geht, dem Nachwuchs die Wahl des Lieblingsfussballclubs zu erleichtern. Väter ziehen ihre Kinder inzwischen fehlerfrei an. Väter kochen, Väter flicken, wickeln, waschen. Väter kümmern sich um den Rest. Bruce Willis und Konsorten waren geil, Hollywood eben. Heute sind Kind, Verantwortung und die ganz persönliche Sammlung an Hüten dominanter. Drum Alter, sprich darüber und sag, was dich beschäftigt, lass dir helfen, denk nach, lass raus, finde andere Menschen – es müssen nicht Männer sein –, die dir zuhören und dich verstehen. Es gibt tausende Daddys, die im selben Boot rudern, manchmal im Kreis, manchmal fadengerade Richtung Eisberg. Jungs, teilt, teilt euch mit, sprecht miteinander, trinkt etwas zusammen. Und nein, Bruce, es muss in diesem Fall nicht Kamillentee sein. Auch Väter trinken hin und wieder ganz gerne ein Bier. Und auch das ist gut so.

Morgen beschreibt Jungvater Yannick Wiget, wie er die ersten 14 Tage mit seinem Sohn erlebt hat. Ob es sich wie Ferien angefühlt hat? Wir werden sehen.

Weitere Beiträge aus unserer Vaterschaftsurlaub-Spezialwoche:

Der Superpapi-Test

Zwei Wochen? Nicht mit mir!

Zwei Wochen? Das passt zur Schweiz

15 Kommentare
    MichaelAndreas

    Und was bringt mich das voran, über meine Gefühle zu reden ? Ich habe sie und das muss ich nicht unbedingt Gott und der Welt auf die Nase binden.

    Dank meiner Eltern kann ich kochen und bügeln, dank der Bundeswehr stopfen und putzen. Dank meinem Sport kann ich auch nachts ohne Angst durch die dunkelsten Strassen gehen.

    Ich habe zwei Töchter mit gross gezogen. Wir haben zusammen bei Clowns im Zirkus gelacht und bei Bambi eine Träne zerdrückt. Als ich meine Töchter abends einmal von der Disco abgeholt hatte - sie wollten es so - musste ich ein paar testosterongesteuerten Übermotivierten zeigen, das es Grenzen gibt.

    Und mit wem hätte ich jetzt über meine Gefühle reden sollen ?