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Virale ChallengeWas hinter den schwarzweissen Fotos steckt, die gerade Instagram fluten

Feminismus soll derzeit wohlige Gefühle auslösen und gut aussehen. Der Hintergrund von #WomenSupportingWomen ist aber alles andere als schön.

Auch berühmte Schweizerinnen wie Melanie Winiger beteiligen sich an der #WomenSupportingWomen-Challenge.
Auch berühmte Schweizerinnen wie Melanie Winiger beteiligen sich an der #WomenSupportingWomen-Challenge.
Foto: Michael Rohner 

Gerade geht Feminismus so: Eine Frau fordert eine andere Frau über Instagram auf, ein Foto von sich zu posten, was diese dann tut und ihrerseits eine weitere Frau auffordert, das Gleiche zu tun. Genau: Das ist der Kettenbrief 2020, und deshalb hat das Ganze einen eigenen Hashtag: #WomenSupportingWomen.

Seit Tagen erklären also Frauen weltweit «Challenge accepted» und fluten Instagram mit Millionen von perfekt ausgeleuchteten Schwarzweissaufnahmen; Unbekannte machen genauso zahlreich mit wie Berühmtheiten.

Claudia Schiffer etwa nominierte gleich vier Kolleginnen aus SupermodeltagenNaomi Campbell, Christy Turlington, Helena Christensen und Eva Herzigova, dazu Designerin Donatella Versace und die Chefin der deutschen «Vogue», Christiane Arp. Und alle machten sie mit: Challenge accepted!

Bloss: Worin besteht hier die «Challenge» eigentlich? Inwiefern unterstützen Frauen einander, wenn sie ein Bild von sich postenetwas, was sie ohnehin beinahe täglich tun? «Verräterin an der Sisterhood!» und «Immer so negativ! Feminismus kann auch so daherkommen!», wurden jene, die es sich erlaubten, nur schon diese eine Frage zu stellen, umgehend in den Senkel gestellt. Die Harmonie soll nicht gestört werden.

Den Namen Pinar Gültekin kennt wohl keine, die mitmacht

Und das würde sie, denn der Ursprung von #WomenSupportingWomen ist nicht chic und hat nichts mit Wohlfühlfeminismus zu tun. Sondern mit knallharter, hässlicher Realität.

Er geht vermutlich auf die hohe Femizidrate in der Türkei zurück, auf jene Morde, die an Frauen allein wegen ihres Geschlechts verübt werden; die türkischen Zeitungen zeigen die Opfer jeweils in Schwarzweiss.

Dass der Hashtag zu trenden begann – so eine mögliche, weit verbreitete Erklärung – lag am 21. Juli. An diesem Tag wurde die Studentin Pinar Gültekin ermordet aufgefunden. Ihr Ex-Freund hatte sie erwürgt und dann verbrannt. Sie war 27 Jahre alt.

14 Kommentare
    Klaus Weber-Fink

    Was nicht in die Ideologie-Brille der Redaktion passt, muss natuerlich wegzensiert werden.