Zum Hauptinhalt springen

Geldblog: Bittere DividendenkürzungWas tun mit Orell-Füssli-Aktien?

Das Banknotendruck- und Buchhandelsunternehmen hat die Pandemie gut gemeistert. Dennoch gibt es Gründe, die Aktie abzustossen.

Trübe Aussichten: Orell Füssli halbiert die Dividende auf drei Franken pro Aktie.
Trübe Aussichten: Orell Füssli halbiert die Dividende auf drei Franken pro Aktie.
Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Ich habe vor zwei Jahren 200 Aktien von Orell Füssli zu 95.50 Franken aus Renditegründen gekauft. In letzter Zeit ist der Kurs ja kontinuierlich angestiegen bis zum Höchstkurs von 120 Franken. Kürzlich erfolgte dann die überraschende Rückstufung. Was waren die Gründe für den Rückschlag? Wie beurteilen Sie die Weiterentwicklung der Gesellschaft respektive des Aktienkurses? Leserfrage von W.C.

Orell Füssli ist in der breiten Öffentlichkeit für zwei Dinge bekannt: Für den Buchhandel sowie für den Banknotendruck. Das Unternehmen hat sich weltweit einen erstklassigen Namen für den Banknotendruck erarbeitet. Nicht nur unsere Schweizer Banknoten stammen von Orell Füssli. Die Firma beliefert auch zahlreiche ausländische Staaten mit Banknoten, die im Bereich Sicherheitsdruck hergestellt werden. In diesem Bereich Sicherheitsdruck verzeichnete Orell Füssli im Coronajahr 2020 allerdings einen beträchtlichen Umsatzrückgang von 14 Prozent auf 87.3 Millionen Franken.

Dies hat allerdings nichts mit der Covid-19-Pandemie zu tun, sondern ist in erster Linie auf den Umstand zurückzuführen, dass die Neuemission von neuen Banknotenserien für die Schweizerische Nationalbank, welche in den letzten Jahren grosse Aufträge generiert hatte, abgeschlossen wurde. Dadurch hat sich bei Orell Füssli der Produktmix im letzten Geschäftsjahr verändert. Weniger verkauft hat das Unternehmen auch im Industriesegment von Zeiser. Da wurde ein Umsatz von 24.8 Millionen Franken erzielt. Der geringere Umsatz ist eine Konsequenz aus dem Verkauf des Standorts Paderborn.

Ich rechne in nächster Zeit bei den Orell-Füssli-Aktien mit einer schleppenden Entwicklung.

Dennoch wurde Orell Füssli natürlich von der Coronakrise auch direkt betroffen – nämlich im Bereich Buchhandel. Hier wirkte sich der Lockdown in der Schweiz negativ aus. Allerdings sind die negativen Spuren in den Zahlen nicht ganz so schlimm ausgefallen, wie man erwarten würde. Denn im Bereich Buchhandel sank der Umsatz nur um 1.2 Prozent auf 96.2 Millionen Franken. Mit den Umsätzen aus allen Bereichen zusammen hat Orell Füssli die Markterwartungen allerdings nicht vollumfänglich erfüllt. Dies war eine Enttäuschung. Immerhin ist aber der Gewinn des Buchhandels- und Sicherheitsdruck-Unternehmens im Coronajahr 2020 um 6,9 Prozent auf 15 Millionen Franken gestiegen.

Dass der Kurs von Orell Füssli nach den Geschäftszahlen deutlich nachgab, hat hauptsächlich zwei Gründe: Erstens soll die Dividende auf drei Franken pro Aktie halbiert werden. Damit haben viele Anlegerinnen und Anleger nicht gerechnet. Belastend ist auch der Ausblick fürs laufende Geschäftsjahr: Im laufendem Geschäftsjahr rechnet Orell Füssli mit einem tieferen Umsatzvolumen und mit einer Betriebsgewinnmarge im mittleren einstelligen Bereich. Die Aussichten sind nicht gerade rosig. Das wäre nicht so tragisch, wenn die Aktie in der Vergangenheit nicht bereits stark gestiegen wäre. Doch die Aktie ist gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 29 für 2021 definitiv nicht günstig. Ich rechne in nächster Zeit bei den Orell-Füssli-Aktien mit einer schleppenden Entwicklung, zumal auch die Dividende als Kaufanreiz eindeutig an Attraktivität verloren hat.