Swatch-Gewinn bricht um einen Fünftel ein

Der Uhrenkonzern Swatch enttäuscht die Erwartungen der Analysten. Doch für das neue Jahr zeigt sich das Unternehmen von Nick Hayek optimistisch.

Der starke Franken macht seinem Unternehmen zu schaffen: Swatch-Chef Nick Hayek.

Der starke Franken macht seinem Unternehmen zu schaffen: Swatch-Chef Nick Hayek. Bild: Keystone

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Der starke Franken und die Zinssituation an den Märkten hinterlässt tiefe Spuren im Ergebnis des weltgrössten Uhrenkonzerns Swatch. Der Umsatz ging um 3 Prozent auf 8,451 Milliarden Franken zurück. Der Gewinn schrumpfte gar um 21 Prozent auf 1,119 Milliarden Franken.

Das Geschäftsjahr 2015 sei durch den Frankenschock geprägt gewesen, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 ausgelöst habe, teilte Swatch in einem Communiqué mit. Als Konsequenz sei es zu signifikanten Verschiebungen in den Absatzmärkten gekommen, sowie zu einer markanten Verzerrung des internationalen Preisgefüges der Produkte.

Der starke Franken habe 185 Millionen Franken Umsatz weggefressen. Der Umsatz des Konzerns schrumpfte auch, wenn von konstanten Wechselkursen ausgegangen wird, und zwar um 0,9 Prozent.

Aktie verliert rund 4 Prozent

Der Betriebsgewinn sank um 17,2 Prozent auf 1,451 Milliarden Franken. Schuld seien die signifikanten Verschiebungen in den Absatzmärkten, die markanten Verzerrung des internationalen Preisgefüges der Produkte sowie die Politik von Swatch, Preisanpassungen nur sehr vorsichtig vorzunehmen.

Mit diesen Zahlen hat die Swatch-Gruppe die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur Reuters im Schnitt mit einem Gewinn von 1,195 Milliarden und einem Umsatz von 8,66 Milliarden Franken gerechnet. An der Schweizer Börse brach die Aktie in den ersten Handelsminuten um 4,3 Prozent ein. Um 9.30 Uhr betrug das Minus noch knapp 3 Prozent.

Exportrückgang

Im wichtigsten Segment Uhren und Schmuck erzielte Swatch einen Umsatz von 8,177 Milliarden Franken. Dies sind 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Derweil sind per Ende Dezember die Exporte von Armbanduhren der gesamten schweizerischen Uhrenindustrie um 3,6 Prozent gesunken.

Die Touristenströme hätten sich im vergangenen Jahr sehr schnell und ständig verändert. Die Gründe seien die Währungsverschiebungen, ansteckende Krankheiten wie Mers in Südkorea, Neuerungen von Reise- und Aufenthaltsvorschriften für Touristen, lokale Unruhen oder Unsicherheiten in verschiedenen Ländern. Die Swatch-Gruppe verkauft einen Grossteil ihrer Uhren und ihres Schmucks an Touristen.

Grundsätzlich habe sich der Konsum nicht verändert und sei weiterhin sehr gut. Die Verkäufe hätten sich in Lokalwährungen sehr positiv entwickelt, hiess es in der Mitteilung weiter. Zwar ist der Umsatz mit Uhren und Schmuck in der Schweiz wegen der Frankenstärke leicht zurückgegangen, dafür habe jedoch der Euroraum zweistellig zugelegt.

Ein sehr starkes Wachstum hätten auch die Verkäufe in Japan gezeigt. Auch die Verkäufe in Festland-China seien positiv gewesen, ganz im Gegensatz zu Hongkong.

Über 100 neue Läden

Das Geschäft in den eigenen Läden sei stark gewachsen. Zweistellige Wachstumsraten zwischen 20 und 40 Prozent gab es nicht nur in Europa, sondern auch in vielen asiatischen Ländern. Im vergangenen Jahr hat die Swatch-Gruppe über 100 neue eigene Läden an guten und bestfrequentierten Lagen eröffnet, der grösste Teil davon in Asien.

Im kleinen Segment elektronische Systeme sank der Umsatz um 1,4 Prozent auf 292 Millionen Franken. 2015 wurden wieder um knapp 700 neue Arbeitsstellen geschaffen vor allem für die neuen Läden. Auch im Inland hat die Swatch-Gruppe, trotz der sehr schwierigen Situation des Produktionsstandortes Schweiz, etwas mehr Personal eingestellt. Somit kletterte der Personalbestand auf über 36'000 Mitarbeiter.

Trotz des anhaltend anspruchsvollen Umfelds in den verschiedenen Regionen erwartet die Swatch-Gruppe mit ihrer breiten Markenpalette eine positive Umsatzentwicklung in Lokalwährungen, wie es weiter hiess.

Es werde ein Wachstum für 2016 von klar über fünf Prozent in Lokalwährungen erwartet. Der Januar bestätige, dass vor allem in China der Verkauf von Uhren gegenüber dem Vorjahr stark angezogen habe. Auch die im August startenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro würden der Marke Omega, die offizieller Zeitmesser der Spiele sei, weiteren Auftrieb verleihen, schrieb der Konzern.

Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 7,50 Franken je Inhaberaktie erhalten. Zudem will mit Swatch bis 2019 eigene Aktien bis zu maximal 1 Milliarden Franken zurückkaufen. (dia/sda)

Erstellt: 03.02.2016, 07:07 Uhr

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