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Unzählige Online-AttackenWegen Beleidigungen – Profifussballer tritt mit 22 Jahren zurück

Er ist jung, spielt stark, seine Karriere ist vielversprechend. Doch Josh Hope hielt es wegen zerstörerischer Kommentare auf Social Media nicht mehr aus.

«Es ist ein ständiger Kampf mit Leuten, die einen angeblich unterstützen sollten», so Josh Hope (r.) auf Instagram.
«Es ist ein ständiger Kampf mit Leuten, die einen angeblich unterstützen sollten», so Josh Hope (r.) auf Instagram.
Foto: Cameron Spencer (Getty)
Der 22-Jährige spielte für Melbourne Victory und litt unter ständigen Online-Angriffen auf Social Media.
Der 22-Jährige spielte für Melbourne Victory und litt unter ständigen Online-Angriffen auf Social Media.
Foto: Robert Cianflone (Getty)
«Ich verstehe, es ist eine grausame Welt, aber wenn das so weitergeht, dann will ich nicht ein Teil davon sein», schreibt er und fokussiert sich in nächster Zeit auf seine Familie.
«Ich verstehe, es ist eine grausame Welt, aber wenn das so weitergeht, dann will ich nicht ein Teil davon sein», schreibt er und fokussiert sich in nächster Zeit auf seine Familie.
Foto Josh Hope via Instagram
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«Lange Zeit habe ich darüber geschwiegen. Aber ich habe immer mehr gemerkt, wie es sich in mein tägliches Leben einschleicht», schreibt Josh Hope auf Instagram. Der Australier hat seinen Rücktritt vom Profifussball verkündet – und das mit gerade mal 22 Jahren. Grund dafür sind massive Beleidigungen, die er sich auf Social Media immer wieder anhören musste.

«Fussball ist ein so wichtiger Teil meines Lebens. Aber es ist an der Zeit, dass ich das loswerde und sage», so Hope, der bei Melbourne Victory in der höchsten australischen Liga spielte. «Das Angstgefühl, das mit dieser Schei**e einhergeht, ist verrückt. Und am Schluss machte mir der Fussball überhaupt keinen Spass mehr.» Es gebe Kritiker in allen Sportarten, aber manches sei unerträglich.


«Es hat nicht nach dem Schlusspfiff aufgehört. Es ist ein ständiger Kampf mit Leuten, die einen angeblich unterstützen sollten. Einiges von dem, was ich nicht nur in Bezug auf mich selbst, sondern auch in Bezug auf andere erlebt habe, war nichts weniger als Missbrauch», schreibt der Mittelfeldspieler, der als Junior auch für die Nationalmannschaft auflief.

«Wenn solche Äusserungen online persönlich werden, in Bezug auf die Hautfarbe, auf die Art und Weise, wie man redet, auf einen Haarschnitt … Ich verstehe, es ist eine grausame Welt, aber wenn das so weitergeht, dann will ich nicht ein Teil davon sein.»

Nur wegen eines Penaltys

Angefangen habe alles, nachdem er vor rund 18 Monaten in einem Spiel einen Penalty verschuldet habe. Danach sei er auf Social Media unzählige Male getaggt worden und alle Beiträge seien durchwegs negativ und gegen ihn gerichtet gewesen, erzählt der Fussballer dem Onlinemagazin «Sportbible». Zudem habe er viele persönliche Nachrichten erhalten. «Einer sagte, sie würden mich umbringen, wenn mir das nochmal passiere.»

Genau da beginne der Teufelskreis: «Man hat derart Angst, etwas falsch zu machen, dass man gar nicht mehr richtig spielen kann.» Die negativen Nachrichten auf Social Media hätten kaum nachgelassen. Und so beeinflussten ihn die vielen Online-Attacken und das ständige Angstgefühl irgendwann nicht mehr nur auf dem Platz, sondern auch in seinem täglichen Leben. Und Hope zog einen Schlussstrich unter den Fussball.

Hope konzentriert sich nun auf andere Dinge im Leben, als auf den Fussball.
Hope konzentriert sich nun auf andere Dinge im Leben, als auf den Fussball.
Foto: Josh Hope via Instagram

Der 22-Jährige öffnete in einem Instagram-Post sein Herz und erhielt viel Rückendeckung für seinen Entscheid. Im ganzen System Fussball, nein System Sport, nein überhaupt auf der Welt sind ständige Beleidigungen und Angriffe auf Social Media ein Problem. Hope hat deshalb eine Botschaft für die Menschen hinter der Tastatur: «Ich würde sie fragen, wie sie sich fühlen würden, wenn ihr Sohn, ihre Tochter oder ihr Bruder diese Art von Behandlung erhalten würde.»

Für den Australier sei der frühe Rücktritt zweifellos der «schwerste Entscheid, den er je getroffen hat». Er hoffe aber, dass er am Ende gestärkt daraus hervorgehen werde.

12 Kommentare
    Annalis Knoepfel-Christoffel

    Schön, wenn es keine grösseren Probleme gibt!