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Entscheid BundesgerichtWegen Streit mit Schule: Zürcher Eltern müssen Schulgeld zahlen

Die Volksschule ist grundsätzlich kostenlos. Dass dies nicht in jedem Fall gewährt ist, zeigt ein aktueller Entscheid des Bundesgerichts.

Schulwechsel können Eltern teuer zu stehen kommen.
Schulwechsel können Eltern teuer zu stehen kommen.
Foto: Madeleine Schoder

Es ist ein Garant für Chancengleichheit: Die kostenlose Volksschule in der Schweizer. Wenn Eltern einen Kleinkrieg mit einer Schule anzetteln und die Kinder deswegen in eine andere Gemeinde eingeteilt werden müssen, kann es jedoch teuer werden. Dann wird Schulgeld fällig, hat das Bundesgericht im Fall von Zürcher Eltern entschieden.

Das Verhältnis zwischen Eltern und Schule sei «unüberwindbar zerrüttet» gewesen, schreibt das Bundesgericht in seinem Urteil. Allerdings sieht das Bundesgericht die Schuld dafür vorwiegend bei den Eltern: Diese seien nur begrenzt kooperationsbereit gewesen und hätten stattdessen Lehrerin und Schulleiter fortlaufend kritisiert.

«Wenig mütterliche Wärme»

Der Primarlehrerin, die Sohn und Tochter in einer altersdurchmischten Klasse unterrichtete, attestierten die Eltern unter anderem «unglaublichen Tatendrang, aber wenig mütterliche Wärme». Die Kinder würden mit Verboten und Strafen eingeschüchtert.

Die Eltern forderten eine Supervision für die Lehrerin und psychologische Betreuung für ihre Sprösslinge. Zudem verlangten sie, dass ihre Kinder in der Nachbargemeinde zur Schule gehen könnten.

Nach einer schulpsychologischen Untersuchung kam die Schulleitung zum Schluss, dass die beiden Kinder dort tatsächlich besser aufgehoben seien. Allerdings sollten die Eltern dann Schulgeld bezahlen, denn nur die Schule in der Wohngemeinde ist kostenlos. Pro Kind und Jahr machte dies 10'200 Franken.

Dies wollten die Eltern jedoch nicht zahlen, weshalb sie sich bei der Zürcher Bildungsdirektion, beim Verwaltungsgericht und schliesslich beim Bundesgericht darüber beschwerten.

Allerdings erfolglos. Die Eltern hätten den Konflikt selbst geschürt, waren sich alle Instanzen einig. Der Staat sei nicht verpflichtet, den kostenlosen Schulbesuch in einer anderen Gemeinde zu ermöglichen. Zusätzlich zum Schulgeld müssen die Eltern nun auch noch 2000 Franken Gerichtskosten zahlen.

Selber Schuld an der «unzumutbaren Situation»

Schon das Verwaltungsgericht kam im vergangenen Jahr zum Schluss, dass die Eltern selber schuld sind, dass die Situation «unzumutbar» wurde. Würde der Kanton auch in einem solchen Fall kein Schulgeld erheben, so bedeute dies, dass Eltern ihre Kinder kostenlos in einer anderen Gemeinde unterbringen könnten – einfach indem sie einen Streit eskalieren liessen.

Den Kindern half die Versetzung in die Nachbargemeinde offenbar. Die Situation habe sich deutlich entspannt.

SDA

70 Kommentare
    Sylvia A.

    Als Übersetzerin habe ich für eine fremdsprachige Familie welche ebenfalls in Bachs in einer ähnlichen gleichen Notlage war, einen französischen Brief ins Deutsche übersetzt. Die Familie hat das Problem mit der Schule Bachs durch einen Wohnortwechsel gelöst. Die Kinder der Familie sind heute zufrieden und wohlauf.

    Aufmerksam habe ich die Geschichte in Bachs dann weiter verfolgt.

    Eltern hoffen dass die Schule gut verläuft und dass die Kinder einen guten Lehrer haben werden. Ich, Mutter von 3 Erwachsenen Kindern kenne dies aus eigener Erfahrung. Doch was wenn die Chemie zwischen Schüler und Lehrer nicht stimmt? Egal weshalb dies so ist, die Kinder sind dann im Nachteil. Sie wenden sich im besten Fall an die Eltern.

    Die in Bachs betroffenen Kinder haben sich mit ihren Sorgen an die Eltern gewandt.

    Die Sache wurde besprochen und die Familie hat den Kontakt mit der Schule aufgenommen um die Schieflage aufzuzeigen und eine gemeinsame Lösung zu suchen.

    Dazu braucht es jedoch auch seitens der Schule ein Wille zum aufrichtigen Dialog und nicht die Verteilung der Rollen Opfer und Täter.

    Übrigens ist dieser Zustand schriftlich hinterlegt und bei der Beschwerde beigelegt worden. Was ist wohl da schiefgelaufen? Wer profitiert wohl am meisten von dem Urteil? Nicht zuletzt; die Schulgemeinde Bachs lässt mit ihrem Verhalten nicht nur die Familien im Stich, sondern auch die Lehrer.

    Es wäre an der Zeit bei der Situation in Bachs der Gemeinde und der Schulbehörde etwas genauer hinzuschauen