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VorstellungWegweiser mit weisser Weste

Der BMW iX soll zum Vorreiter der Nachhaltigkeit werden. Avantgardistische Technik bietet der grosse Elektro-SUV aber nicht.

Schlitzaugen und geblähte Nüstern: BMW macht sich mit dem iX im Segment der grossen Elektro-SUV breit.
Schlitzaugen und geblähte Nüstern: BMW macht sich mit dem iX im Segment der grossen Elektro-SUV breit.
Bild: BMW
Mit bis 370 kW (500 PS) Leistung und 600 Kilometern Reichweite ist der BMW gut aufgestellt.
Mit bis 370 kW (500 PS) Leistung und 600 Kilometern Reichweite ist der BMW gut aufgestellt.
Bild: BMW
Auf den Markt kommt der neue iX im November und kostet mindestens 99’900 Franken.
Auf den Markt kommt der neue iX im November und kostet mindestens 99’900 Franken.
Bild: BMW
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Mit dem i3 waren sie ein Vorreiter des Wandels. Doch weil der seiner Zeit voraus war und sich entsprechend schleppend verkaufte, ist BMW bei der Elektromobilität auf die Bremse getreten. Jetzt ziehen die Bayern das Tempo aber wieder an: Wenn sie Ende Jahr den iX in den Handel bringen, ist das nicht nur einfach eine Elektro-Alternative zum etwa gleich grossen X5. Grün in Antrieb, Ausstattung und Produktion und obendrein smarter als jeder andere BMW soll er zum Vorreiter für nachhaltigen Luxus werden und zum Leuchtturm für neue Technologien. Zum Weltenretter taugt der Wagen hingegen nicht – denn bei einem Startpreis von 99’900 Franken dürfte sich der Einfluss aufs globale Klima in engen Grenzen halten.

«Technologie treibt den Fortschritt voran, den wir benötigen, um selbst grösste Herausforderungen zu bewältigen», ist BMW-Chef Oliver Zipse überzeugt. Und sein oberster Entwickler Frank Weber attestiert dem iX davon jede Menge: «Mit der Technologie des iX setzen wir Massstäbe: Er hat mehr Rechenleistung zur Datenverarbeitung und leistungsfähigere Sensorik als die neuesten Fahrzeuge unseres aktuellen Portfolios, ist 5G-fähig, wird neue und verbesserte automatisierte Fahr- und Parkfunktionen erhalten und nutzt die leistungsstarke fünfte Generation unseres elektrischen Antriebs.»

Kein autonomes Fahren

Zwar rühmen die Manager den iX damit als technologischen Meilenstein – doch ganz so gleissend hell strahlt dieser Leuchtturm nicht. Das liegt nicht allein am Design, das auf dem Weg von der Studie iNext zum Serienmodell zwar etwas entschärft wurde, aber mit der grossen Niere und den schmalen Scheinwerfern noch immer kontrovers diskutiert wird. Vor allem liegt es an einer elektronischen Enttäuschung: Denn trotz 5G-Connectivity und einem prall gefüllten Baukasten an Assistenzsystemen mit neuen automatisierten Fahr- und Parkfunktionen ist das beim Debüt der Studie versprochene autonome Fahren erst einmal vom Tisch. Wie die Konkurrenz vertrösten die Bayern die Kundschaft jetzt auf kommende Evolutionsstufen.

Dass der iX nach Zukunft aussieht, liegt vor allem an der Statur des grossen Crossover, die etwa so lang ist wie ein X5, so flach wie ein X6 und mit dem eigenwilligen Dekor der D-Säule bewusst an den i3 erinnert. Und auch wenn sich die Kundschaft aussen noch an der Formgebung reiben mag, wirkt der Fünfsitzer innen umso einladender: Lack und Leder waren gestern, die Flut an Knöpfen und Schaltern ist vorbei. Stattdessen blickt man in eine gemütliche Lounge mit noblen Stoffen und natürlichen Hölzern und sieht vor dem Lenkrad ein grosses, schlankes Display, das leicht zum Fahrer hingebogen ist. Unter einer rahmenlosen Abdeckung verbergen sich dort ein 12,3 Zoll grosser Bildschirm und ein zweites Touchdisplay mit 14,9 Zoll grosser Diagonale. Die wenigen verbliebenen Schalter etwa auf der hölzernen Konsole, die frei zwischen den Sitzen «schwebt», sind mit Kristallglas veredelt, und was es sonst noch an Technik braucht, ist geschickt versteckt. «Shy-Tech» nennt BMW das Konzept, mit dem innen zum Beispiel die Lautsprecher oder der Projektor des Head-up-Displays und aussen die Türgriffe, die Rückfahrkamera oder der Einfüllstutzen fürs Wischwasser nahezu unsichtbar werden.

Bis 600 Kilometer Reichweite

Wo die Bayern beim Ambiente neue Wege gehen, ist der Antrieb zwar ganz neu, aber doch schon wieder ein alter Bekannter. Denn der iX greift in denselben Baukasten mit Elektromotoren ohne seltene Erden, besonders dicht gepackten und deshalb überdurchschnittlich effizienten Batterien und einem reduzierten Gesamtgewicht, den BMW gerade für den kleineren iX3 vorgestellt hat und im neuen Jahr auch für den gestern enthüllten i4 nutzen wird – nur dass die Entwickler für ihr elektrisches Flaggschiff etwas tiefer zugreifen dürfen. Schon das Basis-Modell iX xDrive 40 fährt mit zwei Motoren von zusammen über 240 kW (300 PS) und kommt in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100. Sein Akku mit 70 kWh Kapazität soll für eine Reichweite von mehr als 400 Kilometer reichen. Wer den iX xDrive 50 (ab 114’900 Franken) bestellt, bekommt über 370 kW (500 PS) und schafft den Sprint auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden – zudem heben die Bayern in dieser Variante mit einer grösseren Batterie (100 kWh) den Aktionsradius auf über 600 Kilometer an. Und damit die Lust beim Fahren nicht in Frust beim Laden mündet, gibt es eine Ladeleistung von maximal 200 kW. An einer schnellen Gleichstrom-Säule kommt der iX so bestenfalls in 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent und zieht in zehn Minuten den Strom für 120 Kilometer.

Zwar sieht BMW im iX den «Wegweiser in die Zukunft der Mobilität». Doch wissen die Bayern offenbar insgeheim selbst, dass es auf der Strasse in die Zukunft ganz schön eng werden dürfte und dass sich der iX dort mit vielen etablierten und neuen Konkurrenten wird kabbeln müssen. Vielleicht auch deshalb haben sie die Niere so konstruiert, dass sich leichte Blessuren von selbst heilen: Die zusätzliche Beschichtung aus Polyurethan jedenfalls ist so komponiert, dass sich leichte Kratzer bei Raumtemperatur innerhalb von 24 Stunden wie von selbst beseitigen.

23 Kommentare
    Markus moser

    Betreffend Aerodynamik sieht es mit dieser Riesen front Fläche eher sehr schlecht aus. Wahrscheinlich wurde Reichweite mit 30kmh angegeben. Mit 80kmh sind’s dann noch 200km. Wenig überzeugende Technik. Durchschnitts Consumer wissen zwar gar nicht mehr was aerodynamische Parameter sind aber VW zeigt, was e Autos ausmachen.