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Ferientipp OberbayernWeissbier und Weihrauch

Die weltberühmten Passionsspiele sind auf 2022 verschoben, trotzdem lohnt sich ein Besuch in den Ammergauer Alpen. Das sind die Highlights.

Das Kloster Ettal, ein paar Kilometer von Oberammergau entfernt, existiert seit dem 14. Jahrhundert und gilt als eines der grössten Highlights in Oberbayern. Auch, aber nicht nur wegen der klostereigenen Brauerei.
Das Kloster Ettal, ein paar Kilometer von Oberammergau entfernt, existiert seit dem 14. Jahrhundert und gilt als eines der grössten Highlights in Oberbayern. Auch, aber nicht nur wegen der klostereigenen Brauerei.
Foto: Getty

Über 4000 Besucher würden heute Oberammergau fluten und während mehr als fünf Stunden gebannt das Passionsspiel verfolgen, an dem die halbe Bevölkerung der 5000-Seelen-Gemeinde beteiligt ist. Doch seit März sind auch in Bayern alle Grossveranstaltungen abgesagt. Die Passionsspiele von Oberammergau wurden auf 2022 verschoben. Das Spektakel, das seit dem Dreissigjährigen Krieg alle zehn Jahre gespielt wird, hat den Ursprung in einer Pandemie. Die Oberammergauer schworen, das Leiden Christi zwischen Ölberg und Golgatha zu inszenieren, um von der Pest verschont zu werden. Ein infizierter Taglöhner hatte die Seuche im Tal eingeschleppt.

Oberammergau fehlen in diesem Sommer eine halbe Million Besucher. Vielen Hotels, die ihre Kapazitäten den Spielen verschrieben hatten, drohte gähnende Leere. Mittlerweile herrsche im Dorf aber fast wieder Normalbetrieb, sagt Franziska Zankl, die Medienverantwortliche der Gemeinde Oberammergau: «95 Prozent der touristischen Betriebe haben geöffnet.» Im Oktober startet der Vorverkauf für die 42. Passionsspiele, Premiere ist am 14. Mai 2022.

Drei Tipps für die Region Oberammergau in einem ungeplant ruhigen Sommer:

Paradies der Kunsthandwerker

Erstaunlich ist die Dichte an Holzschnitzer-Werkstätten und Souvenirshops in den Gassen Oberammergaus. Neben Billigdevotionalien wie Bierkrügen mit Zinndeckeln, Holztellern samt Inschrift («Hotel Mama, immer geöffnet») und Spazierstöcken findet sich im Sortiment durchaus Hochwertiges aus Linden- oder Birkenholz, und die Ausstattung für das traute Katholikenheim.

Natürlich haben die Passionsspiele das Geschäft mit der Holzschnitzerei gefördert. Allerdings war das Kunsthandwerk im Ammergauer Tal schon im Mittelalter gut vertreten. Das Kloster Ettal benötigte Kruzifixe und hölzerne Madonnen, die man gewinnbringend an die Pilger veräussern konnte.

Kloster Ettal

Bei der abendlichen Vesper bleibt die Hierarchie gewahrt. Der Abt führt seine Benediktinermönche an, mit Stola, Mitra und Hirtenstab. Gregorianische Gesänge hallen durch die Basilika, Weihrauchgefässe werden geschwenkt und der Papst, der Erzbischof und die Bischöfe ins Gebet eingeschlossen. Beim Auszug der Klostermänner segnet der Abt die Zaungäste in den Kirchenbänken.

Das Kloster, ein paar Kilometer von Oberammergau entfernt, existiert seit dem 14. Jahrhundert und gilt als eines der grössten Highlights in Oberbayern. Verlässt man die berühmte Rokoko-Sakristei, erreicht man die klostereigene Brauerei, die pro Jahr 10’000 Hektoliter Bier ausstösst. Eine Grossbrauerei in Hessen produziert ausserdem das in Ettal kreierte Benediktiner Weissbier und vertreibt es bis China.

Dorfwirt Altenau

Ein paar Minuten mit dem Zug sind es von Oberammergau bis zur 700-Seelen-Gemeinde Altenau. Das Gasthaus Dorfwirt im Zentrum gehört der Bevölkerung, die das Lokal in Tausenden von Frondienststunden renovierte und so die Tradition eines typisch bayerischen Gasthauses wahrte. Spezialität des Hauses: der beste Krustenbraten vom Schwein, den man sich vorstellen kann, natürlich mit Semmelknödeln und Sauerkraut.

Bei der Wiedereröffnung nach der Corona-Pause gab es einen Pächterwechsel. Petra und Frank Eigen zapfen jetzt Bier im Dorfwirt, und der neue Chef verkündete zum Re-Start im Münchner «Merkur»: «Gut, dass es endlich losgeht. Wir haben alle Durst.»

Infos: www.ammergauer-alpen.de

1 Kommentar
    Simmen Hans-Ruedi

    Ganz in der Nähe ist auch die Wieskirche. Unesco Weltkulturerbe. Auch

    Seefeld ist immer einen Ausflug wert, wenn man in der Nähe ist. Oberbayern mit seinen Schlössern, Barockkirchen, urigen Beizen, süffigen Bieren und schönen Landschaften lohnt sich immer.