Kurswesen

Auf Streifzug in der Klubschule

Jedes Jahr besuchen in der Schweiz fast zwei von drei Personen eine Weiterbildung. Sie tun das am häufigsten in der Migros-Klubschule. Grund genug für einen Augenschein.

Kochen, Tanzen, Fremdsprachen, Gestalten und viele andere Kurse: Den Möglichkeiten im Bereich Kurswesen sind praktisch keine Grenzen gesetzt.

Kochen, Tanzen, Fremdsprachen, Gestalten und viele andere Kurse: Den Möglichkeiten im Bereich Kurswesen sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Bild: ZVG

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Am Montagmorgen in der Migros-Klubschule Zürich Alt­stetten: Eine elektronische Anzeigetafel weist den Lernwilligen den Weg. Zur Auswahl stehen unter anderem: Deutsch, Bildnerisches Gestalten, Schmuck gestalten, Spanisch, Englisch.

Im Kurs «Schmuck gestalten, Goldschmiedeatelier» sitzen neun Frauen und ein Mann an Goldschmiede-Arbeitsplätzen, jeder mit einer hellen Lampe ausgerüstet, die auf den halbrunden Arbeitsbereich gerichtet ist. Feilen, Hämmerchen und Zangen liegen herum. Die Teilnehmenden arbeiten ganz auf ihr Werkstück konzentriert. Lydia (77) beispielsweise feilt an einer ihrer «verrückten Kreationen», wie sie sagt. Ein fulminanter Ring aus grobem Silber, der wie ein vom Wind zerzaustes Vogelnest aussieht. Sie erzählt: «Ich probiere Verschiedenes aus, lasse meiner Fantasie freien Lauf. Das gibt mir Zufriedenheit. Es ist schön, selber etwas zu gestalten.» Einzelne Sachen habe sie verkauft oder verschenkt. Sonst mache sie das für sich. «Und wenn mir etwas nicht gefällt, schmelze ich es einfach wieder ein», ergänzt sie lachend. Neben Lydia sitzt Claudio (35), der hauptberuflich als Jurist und Gerichtsschreiber tätig ist. Er sägt feine, parallele Linien in zwei kleine Halbkugeln aus Neusilber. Diese werden später in einer Klangkugel den Klang erzeugen. Claudio sagt: «Schon als Kind war ich sehr interessiert an Goldschmiedearbeiten. Jetzt mache ich das hier zum Ausgleich, als Arbeit, die nicht so kopflastig ist.»

Von Business Yoga bis Klingonisch

Lydia und Claudio sind zwei von über 350 000 Menschen, die an den fünfzig Standorten der Migros-Klubschule jedes Jahr einen Kurs besuchen. Die zehn beliebtesten Kurse waren 2018: Deutsch, Englisch, Pilates, Französisch, Kochen, Yoga, Spanisch, Bodytoning, Zeichnen und Malen sowie Italienisch. Unter den 600 verschiedenen Angeboten sind so exotische wie Business Yoga, Bratwürste selber herstellen, Comics und Mangas zeichnen sowie Klingonisch (Sprache von Ausserirdischen in den Star-Trek-Filmen).

Szenenwechsel zum Standort Limmatplatz. Über Mittag stemmen hier im etwas engen Gymnastikraum dreizehn Frauen und Männer Hanteln oder Hantelteile in die Höhe und senken sie wieder. Immer und immer wieder. Laute Popmusik gibt den Takt vor, der wandfüllende Spiegel dient der Selbstkontrolle und der Motivation. Giovanni, der Kursleiter mit dem muskulösen Oberkörper im Trägershirt, turnt live die Choreografie vor und ruft die Instruktionen dazwischen: «Und hopp. Und hopp. Super. Und nochmals. Push, Push, Push.» Dieses sogenannte «Les Mills Bodypump»-Training treibt den Teilnehmenden den Schweiss aus den Poren. Nach dem abschliessenden Stretching sagt Valentina (30): «Ich komme hierher, um Kraft zu trainieren. Das Training ist sehr abwechslungsreich. Es ist geführt, aber man kann das Gewicht, das man stemmt, selber wählen». Angelika (38) ergänzt: «Ich habe früher viel Ausdauer trainiert, jetzt will ich mehr für meine Muskeln tun. Ich möchte einen Effekt sehen, aber nicht zu weit gehen.» Dafür sei dieses Training ideal. Zudem arbeite sie ganz in der Nähe, so könne sie den Sport gleich über Mittag abhaken.

Eine Sprache lernen, fit bleiben, kreativ sein

Die meisten Teilnehmenden der Klubschule besuchen Kurse, um eine Sprache zu lernen, fit und gesund zu bleiben oder kreativ tätig zu sein. Sie tun dies häufig aus privatem Interesse, zur persönlichen Weiterentwicklung oder um in Gesellschaft zu sein. Die Klubschule ist bekannt für ihr breites Angebot, die vielen Standorte und die günstigen Preise. Möglich macht dies das Migros-Kulturprozent. Gründer Gottlieb Duttweiler sagte bereits 1950: «Wir müssen wachsender eigener materieller Macht stets noch grössere soziale und kulturelle Leistungen zur Seite stellen.» Seither investiert die Migros knapp 1 Prozent ihres Umsatzes ins Kulturprozent. Die Hälfte dieses Geldes, rund 60 Millionen jährlich, wird der Klubschule zur Verfügung gestellt.

Eine kleine Minderheit der Kunden der Klubschule – zwei Prozent, respektive 5800 Personen jährlich – besucht eine Weiterbildung, die zu einem standar­disierten Abschluss führt, beispielsweise zu einem Cambridge-, SVEB- oder Microsoft-Zertifikat. Die Klubschule selber vergibt zudem sogenannte «Diploma». Diese internen Abschüsse sind – im Unterschied zu den Fachausweisen und Diplomen der höheren Berufsbildung – nicht eidgenössisch anerkannt. Aber die Schule verpflichtet sich, teilweise in Zusammenarbeit mit Branchen­organisationen, gewisse Standards einzuhalten und schweizweit zu überprüfen.

Ein Beispiel für eine solche Weiterbildung ist der Lehrgang «Online-Marketing Manager/-in mit Diploma/IAB-Zertifizierung», der heute ebenfalls auf dem Programm steht. Im grell beleuchteten Kursraum begrüsst Kursleiterin Fathima neun ernst dreinblickende Teilnehmende. Das Thema lautet Social Media. Im Austausch mit den Teilnehmenden arbeitet Fathima die Unterschiede zwischen owned, paid und earned Channels heraus. Hier ist fast alles Englisch: Die Slides zeigen die Unterschiede auf, man diskutiert, wie man User «engagen» könne, wie Influencer Marketing funktioniert oder welche «Learnings» man aus einem «Case» ziehen könnte. Peter (56), Inhaber eines Versandes von Gesundheitsprodukten, möchte erfahren, wie er sich in einem digitalisierten Markt behaupten könnte, konkret: wie er es anstellen muss, damit er besser im Internet gefunden wird. Und Claudia (37) hat als Mutter von zwei Klein­kindern den Blog ­hamerlike.ch lanciert, «als Ausgleich zum Mama-Alltag und weil ich nicht arbeiten gehen konnte». Nun will sie lernen, wie sie ihren Blog stärker professionalisieren kann.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/gestalten-musik-literatur

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.01.2019, 10:34 Uhr

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