Helikopterpilot

Abheben, um zu landen

Die Lizenz zum Fliegen kostet Zeit und Geld. Peter Zurniwen aus Zermatt hat sein Ziel entschlossen verfolgt. Der Helikopterpilot bleibt trotz Höhenflug stets auf dem Boden.

Peter Zurniwen macht neben Rundflügen mit Touristen auch Transport- und Rettungsflüge. Das bringt Abwechslung in den Berufsalltag.

Peter Zurniwen macht neben Rundflügen mit Touristen auch Transport- und Rettungsflüge. Das bringt Abwechslung in den Berufsalltag. Bild: Monika Bachmann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er schnallt sich an und stülpt den Helm über. Die Propeller drehen schnell. Ein Dröhnen kommt auf und die Maschine hebt ab. Im Cockpit des Helikopters der Air Zermatt sitzt Peter Zurniwen. Der Pilot muss kurzfristig einen Transport ausführen. Man beobachtet, wie der Heli an einem fünfzig Meter langen Seil Baumaterial vom Tal ins Gebirge führt. Es wird zur Reparatur einer Bergbahn benötigt. Dreimal fliegt der Pilot hin und zurück. Dann wendet er und peilt den Ausgangspunkt an. Wenige Minuten später landet er auf dem Heliport Zermatt. Beim Aussteigen sagt Zurniwen: «Ich mag Transportflüge, denn sie sind anspruchsvoll.» Als Pilot müsse man speditiv sein und gleichzeitig höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen. Er marschiert über den Platz und macht sich bereit für den nächsten Einsatz. Vor einer anderen roten Maschine warten drei Touristen aus den USA. «Are you ready?», fragt der gut gelaunte Walliser in akzentfreiem Englisch. Einhelliges Nicken und erfreute Gesichter. Los gehts!

Heimlich geplant

Rundflüge mit Touristen gehören ebenso zum Alltag des Berufspiloten wie Transport- und Rettungsflüge. Wenn er über Gletscher und Gipfel fliegt, schielt er manchmal zur Rothornhütte hinüber. «Dort habe ich einen Grossteil meiner Kindheit verbracht», erzählt er. Sein Vater war Hüttenwart. Wenn jeweils ein Helikopter bei der SAC-Hütte landete, schlug das Kinderherz höher. «Ich wollte immer Helikopterpilot werden», sinniert er. Seine Eltern hatten jedoch andere Pläne. «Aus mir sollte etwas Richtiges werden.» Mit zwölf Jahren schickte man ihn in die Klosterschule nach Engelberg. Vier Jahre später brach er ab. Hinter dem Rücken seiner Eltern suchte er sich in Brig eine Lehrstelle als Zimmermann und hängte nach dem Abschluss eine Ausbildung als Schreiner an. «Doch das Fliegen blieb in meinem Kopf», so Zurniwen.

Ab nach Kanada

Die Hürden sind hoch. Wer in der Schweiz die Berufslizenz zum Fliegen eines Helikopters erlangen will, muss mindestens 185 Flugstunden hinter sich bringen. Je nach Typ des Schulungshelikopters kann das über 150 000 Franken kosten. Zurniwen wusste sich zu helfen. Nach dem Lehrabschluss lässt er sich als Skilehrer patentieren und verdient damit gutes Geld. Dennoch fehlen ihm die Perspektiven: «Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist man als Berufspilot nur gefragt, wenn man nach der Ausbildung rund 1000 Flugstunden nachweisen kann.» Um seinen Traum zu verwirklichen, reist er 2005 nach Kanada. Dort holt er sich die Lizenz zum Fliegen und arbeitet anschliessend zwei Jahre als Co-Pilot bei einem Unternehmen, für das er Holztransporte ausführen muss. Er sammelt Erfahrung und übernimmt Verantwortung. Im Jahr 2008 kehrt er nach Zermatt zurück, wo ein vielversprechender Sommer beginnt. Die Air Zermatt bietet ihm eine Stelle als Flughelfer an. Eine «äusserst wichtige Funktion», wie er sagt: «Der Pilot muss sich zu 100 Prozent auf seinen Assistenten verlassen können, um Transport- und Rettungsflüge professionell und sicher auszuführen.» 2013 ist es so weit: Zurniwen wechselt den Sitz im Cockpit und übernimmt das Steuer.

Walliser mit Heimvorteil

Wenn der Berufspilot mit seinen amerikanischen Gästen ums Matterhorn fliegt, spielt er gekonnt den Reiseführer. Er zeigt auf Berghütten, nennt die Namen von Gipfeln und beschreibt den Grenzverlauf zwischen der Schweiz und Italien. Die Touristen sind beeindruckt. Der Walliser hat Heimvorteil. Die Ausbildung zum Gebirgs­piloten musste er dennoch abschliessen, was ihn wiederum rund 30 000 Franken kostete. Nach mehrjähriger firmeninterner Weiterbildung verfügt er nun über alle Qualifi­kationen, um anspruchsvolle Missionen auszuführen. Mit 37 Jahren ist Zurniwen beruflich angekommen. Die Zukunft bleibt dennoch ungewiss. «Das Fliegen ist eine schnelllebige Sache», bemerkt er. Um seine Lizenz behalten zu können, muss er jährlich mehrere Checkflüge, Tests und einen Gesundheitscheck bestehen. Das nächste Ziel ist bereits gesteckt: «Ich möchte gesund und unfallfrei bleiben.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/

Erstellt: 04.09.2019, 10:58 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home Einfach speziell

Mamablog Unperfekter Haushalt? Perfekt!

Die Welt in Bildern

Mit Augenringen: Kinder präsentieren in der Shougang-Eishockey-Arena Bing Dwen Dwen das Maskottchen der Winterspiele 2022 in Peking. (17. September 2019)
(Bild: Xinyu Cui/Getty Images) Mehr...