Kinesiologie

Dem Ruf der inneren Stimme gefolgt

Vom Maschinenbauingenieur zum Kinesiologen. Mit über vierzig Jahren wagte Matthias Matter den Schritt in eine völlig neue Berufswelt.

Früher Maschinen, heute menschliche Körper: Matthias Matter bringt sie ins Lot.

Früher Maschinen, heute menschliche Körper: Matthias Matter bringt sie ins Lot. Bild: Stephanie Weiss

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Die letzte Klientin hat soeben die Praxis verlassen, als Matthias Matter mit einem gewinnenden Lächeln in der Tür erscheint. Der 48-jährige Maschinenbauingenieur liess sich vor sechs Jahren zum Kinesiologen umschulen. «Maschinenbau war für mich bei der ersten Berufswahl der logische Entscheid», sagt er. Nach dem ETH-Studium arbeitete er während fünfzehn Jahren in der Region Zürich auf diesem Beruf und war nicht unglücklich damit. Als sich Nachwuchs anmeldete, kehrte die junge Familie nach Basel zurück. Matter arbeitete weiterhin für die gleiche Firma. Wegen des Pendelns sah er seine Familie nur selten, weshalb er sich eine nähere Arbeitsstelle wünschte. Die Jobsuche gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet. «Ich fand schlicht nichts, das meinen Erwartungen entsprach und wo ich Teilzeit arbeiten konnte.» Von dieser Erfahrung ernüchtert, geriet Matter ins Grübeln. «Dann kam plötzlich der Moment, in dem mir eine innere Stimme sagte: Du machst jetzt Kinesiologie.» Da er früher selbst bei einem Kinesiologen – ebenfalls einem Umsattler – in Behandlung war, hatte er ein Vorbild. «Obwohl es etwas völlig anderes ist, war mir innerhalb kurzer Zeit klar: Das ist es.»

Ein Monat Bedenkzeit

Diese Erkenntnis überrumpelte ihn selbst, sodass sich Matter einen Monat Bedenkzeit einräumte. Er blieb jedoch bei seinem Vorhaben. Und so meldete er sich im Ausbildungszentrum IAK in Kirchzarten für die dreijährige Ausbildung an. «Da der Kurs nur alle zwei Jahre startet und mein Entschluss so plötzlich kam, zog ich es in zwei Jahren durch.» Im ersten Halbjahr schloss er bei seinem Arbeitgeber ein laufendes Projekt ab und kündigte anschliessend. Der Unterricht fand in Blockkursen von mehreren Tagen statt. Neben dem Studium musste Matter das Erlernte an Klientinnen und Klienten anwenden und darüber Protokoll führen. «Das war intensiv, auch als ich nicht mehr arbeitete.» Hinzu kamen 350 Pflichtstunden in Schulmedizin, die er an einer Schule in Zürich absolvierte. «Ich erhöhte freiwillig auf 640 Stunden, weil ich es interessant fand und es Vorteile für die Krankenkassenanerkennung bringt.» Das Umfeld reagierte positiv auf Matters Pläne, auch die ehemaligen Arbeitskollegen zeigten Verständnis. «Einzig meine Mutter fragte, ob ich denn damit genug verdienen würde. Irgendwo hatte sie recht.» Nachdem er mit einer Kollegin eine Komplementärpraxis an der Malzgasse in Basel eröffnet hatte, stellte sich der Erfolg nicht sofort ein. «Selbst mit der Krankenkassenanerkennung ist es nicht ganz einfach, denn es gibt viele Kinesiologen.» Bis heute kann er noch nicht vollständig davon leben. «Aktuell stemmt meine Frau den grösseren Teil für die Familie. Ich habe nicht gedacht, dass es so lange geht, bis es anläuft. Langsam, aber sicher entwickelt es sich jedoch gut.» Nun ist die Zeit gekommen, die Früchte zu ernten. «Es ist schön, wenn du ganz unterschiedliche Fälle hast und merkst, dass du mit deiner Methode Erfolg hast.»

Viele Freiheiten

Obwohl Matter den Umgang mit Menschen gewohnt war, tauchte er in eine ganz neue Welt ein. «Jetzt vertrauen sich mir Menschen mit persönlichen Problemen an.» Dafür habe er als Kopfmensch erst lernen müssen, Intuition zuzulassen. «Wenn ich sehe, dass sich bei den Klienten Blockaden lösen, Schmerzen nachlassen oder sich die Stressresilienz erhöht, sind das schon tolle Erlebnisse und eine Bestätigung für die Materie.» Man spürt seine Leidenschaft für diese Arbeit deutlich. Auf die Frage, welche Hürden er mit seinem Umstieg überwinden musste, antwortet er: «Was die Selbstständigkeit alles mit sich bringt, hatte ich mir vorher gar nicht so genau überlegt. Es waren zwar keine hohen Investitionen nötig, trotzdem muss man sich um vieles kümmern, wie etwa AHV, Versicherungen, Firmengründung, Buchhaltung und so weiter. Darauf muss man sich einlassen und sich eingehend informieren.» Matter ist überzeugt, dass ab einem gewissen Alter das Umsatteln in die Selbstständigkeit einfacher ist als eine Neuorientierung im Angestelltenverhältnis. «Natürlich hat man als Selbstständigerwerbender andere Stressoren – dafür aber auch viele Freiheiten.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/abschluesse-gesundheit-medizin

Erstellt: 02.10.2019, 11:14 Uhr

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