Medizintechnik-Studium

Der verlängerte Arm der Medizin

Medizintechnik verbindet Ingenieurskunst und Humanbiologie. die Resultate sind eindrücklich: So können wir heute beispielsweise eine Armprothese mit unserem Gehirn steuern.

Der Operationsroboter Da Vinci ist dank der Tüfteleien von Medizintechnik-Ingenieurinnen und -Ingenieuren entstanden.

Der Operationsroboter Da Vinci ist dank der Tüfteleien von Medizintechnik-Ingenieurinnen und -Ingenieuren entstanden. Bild: Adobe Stock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie eine überdimensionale Spinne beugt Da Vinci seine vier Arme über den Patienten, der auf dem Operationstisch liegt. Die Arme sind mit je einer winzigen Schere, einer Zange, einer Pinzette und einer 3D-Kamera ausgestattet. Es sind nur ganz kleine Schlitze am Bauch des Patienten nötig, damit die Instrumente in die Bauchhöhle des Patienten eingeführt werden können. Ein paar Meter vom Operationstisch entfernt sitzt in grünem Gewand und mit dem Oberkörper leicht gegen den Bildschirm gebeugt der Chirurg. Auf dem Monitor sind die Mini-Instrumente im Bauch des Patienten zu sehen, die das erkrankte Gewebe entfernen. Der Chirurg steuert mittels kleiner Joysticks, die auf seinen Fingern befestigt sind, die Arme von Da Vinci, und damit dessen Instrumente. Denn Da Vinci ist sozusagen ein ­Halbroboter, der vorwiegend bei Prostataoperationen zum Einsatz kommt, und über seine Bewegungen nicht selbstständig entscheiden kann. Was zu tun ist, wird allein vom Chirurgen bestimmt. Weil Da Vinci die Dinge jedoch zehnmal grösser darstellen kann, als der Mensch sie von blossem Auge sieht, ermöglicht die Technik dem Arzt ein äusserst präzises Arbeiten. Patienten erholen sich nach diesem minimalinvasiven, schonenden Eingriff aussergewöhnlich rasch.

Medizintechnik als Heiler und Helfer

Die Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten durch die Maschine ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung in der Medizintechnik. Seit der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahr 1895 wurden laufend neue technische Produkte für medizinische Anwendungen entwickelt. Doch die Zeiten, in denen es üblich war, dass Mediziner Patienten heilten und Ingenieure Maschinen bauten, sind definitiv vorbei. Neue Anforderungen führen dazu, dass diese einst getrennten Welten immer stärker zusammenwachsen. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben die Medizintechnik-Ingenieurinnen und -Ingenieure. Dort, wo sich Medizin, Elektronik und Informatik treffen, arbeiten diese Fachleute interdisziplinär an der Weiterentwicklung von neuen Medizingeräten und Systemen. Das Spektrum reicht dabei von gehirngesteuerten Armprothesen über Roboter, die Biopsien durchführen, bis hin zu Apps, welche die Patienten bei der Einnahme von Medikamenten unterstützen.

Eine Ausbildung, die verbindet

Aus dieser Entwicklung heraus sind neue Berufe entstanden wie Gesundheitsdaten-Analystinnen, Telechirurgen, Medizinphysik-Spezialistinnen oder Game-Experten für spielerische Therapien. Am Anfang der Fachausbildung steht meistens ein Bachelor of Science in Medizintechnik. Erfindergeist sowie solide mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse sind wichtige Voraussetzungen für dieses Studium. Die Schwerpunkte der Ausbildung sind die Fächer Mathematik, Physik, Chemie, Humanbiologie, Anatomie und Entwicklungsprozesse. Über die Zulassungsbedingungen kann man sich auf berufsberatung.ch oder auf den Portalen der einzelnen Bildungsinstitute informieren (siehe Box). Gute Voraussetzungen für den Studiengang bringt mit, wer die gymnasiale oder die Berufsmatura abgeschlossen und entsprechende Praktika im Bereich absolviert hat.

Laut einer Branchenstudie von 2018 weist kein europäisches Land eine so grosse Unternehmensdichte und einen so hohen Beschäftigungsanteil im Bereich der Medizintechnik auf wie die Schweiz. Die Chancen, nach der Ausbildung eine Stelle zu bekommen, stehen deshalb ausgesprochen gut. Wer Da Vincis Arme steuern will, kommt allerdings nicht um ein klassisches Medizinstudium herum.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/gesundheit-und-medizin

Erstellt: 14.11.2019, 14:40 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog Lohnt sich eine PK-Einzahlung?

Sweet Home Gar nicht süsse Rezepte mit Zimt und Datteln

Die Welt in Bildern

Ein Märchen aus Lichtern: Zum ersten Mal findet das Internationale Chinesische Laternenfestival «Fesiluz» in Lateinamerika, Santiago de Chile statt. Es dauert bis Ende Februar 2020. (3. Dezember 2019)
(Bild: Alberto Walde) Mehr...