Hypnosetherapie

Der Weg zum verschollenen Ich

Wer heute bei Hypnose an jemanden denkt, der sich auf einer Bühne zum Popanz machen lässt, liegt falsch. Die geführte Trance ins Unterbewusstsein wird auch von Ärzten und Therapeuten als effektives Instrument entdeckt.

«Ich knipse niemanden aus», sagt Gabriel Palacios zu seiner Arbeit.

«Ich knipse niemanden aus», sagt Gabriel Palacios zu seiner Arbeit. Bild: ZVG

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Die Weiterbildung im Berner Hypnosecenter behandelt die Blitzinduktion. Das tönt elektrisierend, bewirkt aber das Gegenteil. Die Induktion, ob schnell oder mit weniger Tempo, führt in einen Zustand von grösster Entspannung. Auf der Ebene der Hirnfrequenzen redet man von Theta oder Delta. Blitz steht für blitzartig. Ein Fingerschnippen oder eine leichte Berührung genügen, und der Proband ist im nächsten Moment in einer angenehmen Schwebe zwischen Wachsein und Trance. Die Schüler in Bern sind im hellwachen Bewusstseinszustand Beta. Ihr Ausbildner ist Gabriel Palacios. Er ist kein Unbekannter, der «Sonntags­Blick» etwa hat den 29-Jährigen, dessen Bücher regelmässig in den Bestsellerlisten landen, zum berühmtesten Hypnotiseur der Schweiz erklärt. Der Berner beschäftigt sich seit zwölf Jahren mit Hypnose und bildet in seinem Center Palacios Relations jährlich an die 200 Frauen und Männer zu zertifizierten Hypnosetherapeutinnen und Hypnosetherapeuten aus. Es kommen Menschen, die sich selber helfen wollen, sowie Ärzte und Therapeuten.

Eine Reise im Heissluftballon

In Bern stellt sich ein Naturarzt für eine Blitzinduktion zur Verfügung. Palacios misst seine Hirnströme mittels Elektroenzephalografie (EEG). Mit der Methode aus der neurologischen Forschung werden elektrische Aktivitäten aufgezeichnet und Spannungsschwankungen abgebildet. Die Induktion geschieht ruckzuck. Palacios erklärt: «Ich knipse niemanden aus, sondern verlagere die Energie auf eine andere Ebene.» Es folgt eine Trance, die den 62-Jährigen in sein Unterbewusstsein führt und dort Winkel beleuchtet, die andere lieber im Dunkeln lassen. Beim Heilpraktiker ist die Wirkung verblüffend. Der Mann ist nach der imaginären Reise mit einem Heissluftballon sichtlich gelöst. Eine Last scheint von ihm gefallen zu sein.

Mediziner entdecken die Hypnosetherapie

Patricia Inauen ist Fachärztin FMH und spezialisiert auf Allergologie und klini­sche Immunologie. Eine Psychotherapeutin mit Zusatzausbildung in Hypnosetherapie überzeugte sie vom lösungsorientierten Ansatz und der Wirksamkeit der Hypnose. Dr. Inauen ist am Ende ihres Diplomlehrgangs und begeistert: «Hypnose ist so faszinierend, weil der Klient erkennt, dass die Ressourcen für Heilung in ihm selbst angelegt sind und negative Prägungen in positive verwandelt werden können.» Die Ärztin ergänzt: «Damit macht er sich auch von einer therapeutischen Bindung unabhängig.» Oliver Gräf beobachtet als Zahnarzt oft Patienten, die unter Nervosität, Unwohlsein oder Schweissausbrüchen leiden. Er weiss: «Mit Hypnose kann ich viele beruhigen, was meine Arbeit erleichtert.» Jeder hat die Fähigkeit, seine Stärken zu erkennen. Experte Palacios umschreibt das so: «Ich führe den Klienten in sein ressourcenreiches Ich, das oftmals verschollen ist. Mittels der Hypnose findet er wieder Zugang und kann diese Kraft entsprechend nutzen.» In der Hypnoanalytik redet man von ungesunden Mustern, die sich zum Beispiel in der Kindheit bilden können und vom Betroffenen unbewusst zelebriert werden. Obschon immer mehr Fachleute aus Medizin und Psychotherapie auf die Hypnose setzen, kann selbst die Wissenschaft nicht genau erklären, was passiert. Palacios: «Unsere Bestätigung ist die Wirkung, und die kann bereits nach einer Sitzung eintreten.»

«Kapelle in den Ohren» spontan geheilt

Bei einem Schweizer Musiker, der während sechs Jahren an Tinnitus litt, war es eine «Spontanheilung». Schlagartig verstummte «die Kapelle in seinen Ohren». Palacios beobachtet solche Phänomene oft und sagt, dass sie auch mit der Offenheit und dem Willen zusammenhängen, eine Lösung zu finden. Die Hypnosetherapie wird von Leuten aus allen Gesellschaftsschichten und Altersklassen genutzt. Viele Menschen kommen wegen Ängsten wie Klaustrophobie oder Flugpanik sowie Süchten und seelischen Blockaden. Der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung war überzeugt: «Das Unterbewusstsein ist der Mutterboden, auf dem Bewusstsein wächst.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch

Erstellt: 27.06.2019, 09:55 Uhr

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