«Es geht darum, die vorhandene Technik bestmöglich zu nutzen»

Michael Walther studiert an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) den neuen Studiengang «Industrie 4.0». Der gelernte Elektroniker macht als Lean Manager seinen Arbeitgeber fit für die digitale Zukunft.

Nach seiner Lehre als Elektroniker erwarb Michael Walther ein Diplom als Elektrotechniker HF.

Nach seiner Lehre als Elektroniker erwarb Michael Walther ein Diplom als Elektrotechniker HF. Bild: ZVG

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Eigentlich hatte ich gerade eine berufliche Veränderung hinter mir. Nach sechs Jahren als Fachgruppenleiter übernahm ich intern eine neue Stelle als Lean Manager. Aber da war dieses Schlagwort: Digitalisierung. Meine Neugier war geweckt. Ich wollte wissen, was dahintersteckt.» Michael Walther ist ausgebildeter Elektroniker, aber keiner, der früher freiwillig gelernt hätte, wie er selbst sagt. Dies änderte sich aber grundlegend nach seinem Lehrabschluss. «Heute staune ich selbst, wenn ich mir überlege, was ich seither alles für Aus- und Weiter­bildungen gemacht habe», so der 32-jährige Berner.

Beste Entscheidung: Berufslehre

Michael Walthers Stärken lagen immer schon in den Bereichen Mathematik und logisches Denken. Trotzdem fiel ihm die Berufswahl nicht leicht. Er wollte «in die Technik» und schwankte zwischen Informatik und Elektronik. Schliesslich ergatterte er sich beim Berner Telekommunikationsunternehmen Ascom eine Lehrstelle als Elektroniker. «Die Lehre war die beste Entscheidung», ist er überzeugt. «Sie vermittelte mir mein heutiges technisches Verständnis. Zudem schuf sie die Basis, mich in verschiedene Richtungen weiterzuentwickeln.»

Schritt für Schritt die Karriereleiter hoch

Ascom ermöglichte seinen Lernenden auch in anderen Betrieben reinzuschauen. So lernte Michael Walther seine heu­tige Arbeitgeberin, die Comet AG in Wünnewil-Flamatt im Kanton Freiburg kennen. Die Arbeit beim Technologieunternehmen gefiel ihm von Anfang an. Entsprechend musste er nicht zweimal überlegen, als ihm nach seinem Lehrabschluss eine Festanstellung als Produktionsmitarbeiter angeboten wurde. Im Sommer sind es 14 Jahre, in denen Michael Walther in unterschiedlichen Funktionen dort tätig ist. Karriereschritte und Weiterbildungen gingen immer Hand in Hand.

Drei Jahre nach seiner Lehre begann er berufsbegleitend die Ausbildung zum Elektrotechniker HF. Gleichzeitig stieg er intern zum Production Engineer auf. Nach drei Jahren in dieser Funktion übernahm er als Fachgruppenleiter zum ersten Mal eine Führungsfunktion. Gleichzeitig absolvierte er an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) das Studium zum Wirtschaftsingenieur. Während sechs Jahren führte er ein Team von bis zu 20 Mitarbeitenden. «Dies war auf jeden Fall ein grosser Schritt in meiner Laufbahn. Ich hatte viel gelernt, auch über mich. So wurde mir klar, dass ich künftig Leute nicht führen, sondern diese mit optimierten Prozessen und Abläufen befähigen möchte.»

Faszination Lean Management

Das sogenannte Lean Management hatte es Michael Walther angetan. Er bildete sich entsprechend auch in diesem Feld weiter – wieder berufsbegleitend, wieder unterstützt von seinem Arbeitgeber. Dass die Comet AG immer ein offenes Ohr für die Weiterentwicklung ihres Mitarbeitenden hatte, zeigt sich bei seiner jetzigen Funktion als Lean Manager: Michael Walthers Aufgabe ist es, über den ganzen Standort hinweg entsprechende Prozesse zu optimieren «Wenn man so will, habe ich mir meinen derzeitigen Job selbst kreiert. Ich wollte mich in diese Richtung weiterentwickeln und die Firma hat mir die Chance dazu gegeben.»

Was ist das, Industrie 4.0?

Gesagt, getan. Durch seine Weiterbildungen und Funktionsänderungen hat sich Michael Walther immer mehr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, um das Unternehmung mit optimierten Prozessen für die Zukunft zu rüsten. Dabei begegnete dem 32-Jährigen der Begriff Industrie 4.0 immer öfters. «Alle schienen davon zu sprechen, aber was genau bedeutet die Digitalisierung für die Industrie? Was kommt auf sie zu?» Michael Walther stiess auf den neuen Weiterbildungsmaster der FFHS, der sich genau dieser Thematik widmet.

«Mir war immer wichtig, dass ich mindestens 80 Prozent arbeiten konnte. Als ich den Wirtschaftsingenieur-Bachelor machte, war für die Wahl der Hochschule zudem ausschlaggebend, dass meine Technikerausbildung angerechnet wurde. Beides war nur an der FFHS möglich.» Michael Walther fiel die Entscheidung für ein erneutes Fernstudium daher nicht schwer.

Im September 2017 startete er im ersten Jahrgang den neuen Masterstudiengang in Industrie 4.0. Wie auch bei allen anderen Studiengängen der FFHS kommt die Blended Learning-Methodik zum Einsatz. Dabei werden 80 Prozent im begleiteten Selbststudium via Online-Plattform absolviert, 20 Prozent finden als Präsenzunterricht in einem der vier Regionalzentren statt. «Es war ein intensives erstes Semester mit vielen neuen Inhalten vor allem im Bereich Wirtschaftsinformatik», so der Berner. «Ich musste mich echt reinknien.»

Kein Papier mehr nutzen

Die Anstrengungen der vergangenen Monate zahlen sich bereits aus. Wenn Michael Walther heute etwas zum Thema in den Medien lese, könne er es viel besser einordnen und verstehen. Die Comet AG will die Digitalisierung innerhalb der Firma weiter vorantreiben.

Durch seine aktuelle Weiterbildung und seine Funktion wird Michael Walther immer häufiger in den Pausen von Mitarbeitenden gefragt, was die Digitalisierung für sie als Mitarbeitende denn bedeute. «Wir denken dabei noch zu oft nur an vollautomatische Anlagen mit Robotern. Doch im Grunde bedeutet es ja auch, dass wir kein Papier mehr nutzen, sondern unsere Arbeiten elektronisch erledigen. Letztlich ist es einfach: Es geht darum, die vorhandene Technik bestmöglich zu nutzen.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.ffhs.ch/mas_industrie40 (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2018, 14:29 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home Portugal ist in Solothurn

Tingler Zeichen der Zukunft

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...